Warum Stablecoins nicht funktionieren

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Die Idee von Stablecoins ist leicht erklärt. Normale Kryptowährungen sind starken Preisschwankungen unterworfen. Um dem entgegenzuwirken wurden so genannte Stablecoins ins Leben gerufen. Diese sollen den Wert gegenüber den staatlichen Währungen wie Dollar oder Euro stabil halten. Für einen Euro sollst du einen Coin bekommen und umgekehrt. 

Wie funktionieren Stablecoins (nicht)

Um diese Stabilität zu erreichen, ist eine der häufigsten Methoden diese: Die zugrundeliegende Währung wird durch eine Institution hinterlegt. Für jeden Stablecoin wird ein Euro tatsächlich hinterlegt. Wird der Stablecoin wieder bei der Institution zurückgegeben, sollte auch der Euro wieder retour gezahlt werden. Gleichzeitig können die Coins auch an jeder Börse gehandelt werden.
 

Das Missverständnis mit der Stabilität

Das Problem: Die Idee eines Stablecoins läuft leider fundamentalen ökonomischen Prinzipien entgegen. Eines dieser Prinzipien: Preise sind immer relativ. Preise sind immer instabil. Denn Preise entstehen durch die unzähligen Aktionen auf den Märkten.

Immer, wenn du einen Euro ausgibst, verändern sich die Preise. Normalerweise bekommen wir das nicht mit. Wir gehen in den Supermarkt, kaufen ein Gut und sehen das Preisschild. Am nächsten Tag wird das Produkt noch immer gleich viel kosten.

Wir sehen jedoch nicht, dass unser Kauf einen kleinen, ganz kleinen Einfluss auf den Preis hat. Preise sind immer Austauschrelationen. Denn unser Kauf im Supermarkt bleibt nicht unbemerkt. Der Supermarkt registriert, dass dieses Gut verkauft wurde. Er wird dieses Gut nachbestellen. Diese Bestellung geht beim Lieferanten ein. Dieser wird wiederum seine Lieferanten anschreiben, um die Rohstoffe zu besorgen. Kumuliert ergeben diese kleinen Käufe Angebot und Nachfrage auf den Märkten.

Nun verändern sich jedoch Produktionsprozesse ständig. Rohstoffe werden knapper oder sind mehr vorhanden. Produktionsprozesse werden effizienter. Konkurrenten kommen auf den Markt und verschwinden. Damit verändern sich langfristig die Preise, die ein Zulieferer verlangen kann. Auf der anderen Seite schwankt die Nachfrage und hat damit Auswirkungen auf die Preise.

Als einzelne Person merken wir diese Integration in das globale Marktgeschehen und die Preisbildung nicht. Aber wenn Millionen Menschen ein Produkt mehr kaufen, so wird sich der Preis des Produktes zumindest mittelfristig verändern. Preise sind nie stabil, sondern werden durch die menschlichen Handlungen ständig verändert.

Alleine die Idee also, ein preislich stabiles Gut einzuführen, fußt schon auf einem Irrtum über die Funktionsweise von Preisen. Kurzfristig kann es funktionieren, langfristig ist dies nur mit großem Aufwand möglich.

Die einzige Möglichkeit, stabile Preise eines Gutes einzufordern ist staatliche Zwangsgewalt. Es muss verboten werden, dass dieses Gut auf dem Markt käuflich ist. Und wenn andere Preise verlangt werden, muss es staatliche Intervention und Bestrafung geben. Und selbst dies ist nicht durchsetzbar. In Venezuela beispielsweise versuchte die Regierung den Wechselkurs der Währung vergeblich zu stabilisieren. Auf dem Schwarzmarkt jedoch wurden ganz andere Preise verlangt. Auch die Schweizer Nationalbank versuchte lange Zeit den Wechselkurs von Schweizer Franken zum Euro stabil zu halten – vergeblich. Wenn selbst Regierungen oder so mächtige Institutionen keine Wechselkurse langfristig stabilisieren können, wieso sollte es dann den Herausgebern von Stablecoins gelingen?
 

Kosten von Stablecoins

Ein weiteres Problem: Der Betrieb von Stablecoins kostet etwas. Die Infrastruktur muss gewartet werden. Die Sicherheiten müssen sicher hinterlegt werden, aufbewahrt werden. Die Zahlungssysteme müssen bedient werden. Die Institution, welche das Stablecoin herausgibt, muss also ihre Kosten decken. Wenn jedoch die Coins eins zu eins mit den eingezahlten Euro gedeckt sind, bleibt nichts für die Kosten übrig. Stellen wir uns vor, 100 Personen kaufen 100 Stablecoins um je einen Euro. Die Institution muss diese 100 Euro sicher verwahren. Wenn nach einiger Zeit die 100 Personen die Coins wieder zurück geben wollen, müssen die 100 Euro schließlich wieder komplett zurück gezahlt werden. Würde die Institution diese nützen, so wäre der Coin schon wieder nicht gedeckt. Das heißt, Stablecoins sind für die Institution ein Minusgeschäft und müssen durch andere Einnahmequellen querfinanziert werden. Oder sie verwendet einen Teil des Geldes zur Deckung der Kosten oder für Investments. Dies ist riskant. Dieses Risiko, insofern es bekannt ist, würde in den Kurs des Stablecoins eingepreist werden. Prinzipiell muss der Vorteil, der durch die Verwendung von Stablecoins dem Nutzer entstehen, das Risiko aufwiegen, damit überhaupt ein stabiler Kurs erreicht werden kann. Wäre das Risiko höher als der Vorteil, würden die Coins immer unter Abwertungsdruck stehen. 

Stabilisierung des Kurses eines Stablecoins

Der Kurs eines Stablecoins muss ständig angepasst werden. Die Coins können schließlich am Sekundärmarkt gehandelt werden. Die Marktteilnehmer können auch Preise unter oder über dem Ausgabepreis verlangen. Damit kann der Stablecoin Schwankungen ausgesetzt sein. Diesen Schwankungen muss die ausgebende Stelle ständig entgegenwirken, soll das System nicht zusammenbrechen. Dies ist aufwändig.

Angenommen, viele Stablecoins-Besitzer wollen diese gleichzeitig abstoßen. Damit wäre die Währung unter Abwertungsdruck, der Preis würde sinken. Die ausgebende Stelle müsste sofort intervenieren und Coins aufkaufen. Sie müsste die hinterlegten Euro wieder in den Markt pumpen und im großen Stil Coins kaufen, um den Preis wieder nach oben zu treiben. Das geht so lange, wie der Preis nicht zu stark gefallen ist und die Institution zahlungsfähig ist. Der Preis kann jedoch schon so weit unten sein und das Vertrauen so abgefallen, dass die Institution zur Stabilisierung tatsächlich mehr ausgeben muss, als je hinterlegt wurde.

Umgekehrt könnte ein Run auf den Stablecoin stattfinden. Der Preis wäre stark im Aufwertungsdruck. Der Kurs würde steigen. Preissteigerungen wiederum wollen wiederum genützt werden von Investoren und diese könnten noch mehr kaufen in der Hoffnung, dass der Preis noch weiter steigt. Damit rufen Preissteigerungen weitere Preissteigerungen hervor. Die herausgebende Stelle müsste auch hier intervenieren. Sie müsste sofort neue Coins schaffen und diese auf den Markt werfen, um den Preis zu drücken. Sie dürfte aber auch hier keinen Gewinn machen, denn sie müsste die Coins wiederum um 1€ anbieten, um den Kurs genau auf diesen Wert zu drücken. Für den Betrieb der Institution würde wieder kein Gewinn abfallen.

Damit wird die Stabilisierung des Kurses eines Stablecoins zu einem Katz und Maus-Spiel, bei dem die ausgebende Stelle ständig intervenieren muss. Bricht das Vertrauen in diese Stelle zusammen, so funktioniert das Spiel nicht mehr. 

Sind Stablecoins sicher?

Aus obigen Überlegungen ergibt sich, dass Stablecoins mit Risiken verbunden sind. Alles hängt von der finanziellen Potenz der herausgebenden Stelle ab. Diese muss sich über andere Geschäftsbereiche finanzieren. Nützt sie das System der Stablecoins, um den Betrieb zu finanzieren, so untergräbt sie die Sicherheit des Coins und damit wiederum das Geschäftsmodell. Tether beispielswiese ist nach eigenen Angaben nur noch mit 74 Cent auf den Dollar abgesichert, weil 850 Millionen Dollar in andere Ausgaben geflossen sind.

Weiters muss das Vertrauen in die ausgebende Stelle unter allen Mitteln aufrechterhalten werden. Bricht dieses auf irgend einem Grund zusammen, so steht auch der Stablecoin unter erheblichem Abwertungsdruck und behält nicht mehr seinen Wert. Damit hängt der Wert von Stablecoins wiederum am Vertrauen in eine zentrale Institution. Dies unterwandert wiederum den in der Cryptocurrency Szene so hoch gepriesenen Ansatz des Vertrauens in einen Code. 

Fazit

Auch die Realität zeigt, dass Stablecoins mit großen Problemen zu kämpfen haben. Nur ein Drittel der bisher angekündigten oder umgesetzten Stablecoins sind noch aktiv. Alle anderen sind entweder nie in Betrieb gegangen oder mussten wieder abgesetzt werden. 

Stablecoins repräsentieren den Wunsch, in einer vorhersagbaren und stabilen Welt zu leben, während die Welt jedoch von Millionen Menschen mit unterschiedlichsten Präferenzen, Vorstellungen und Erwartungen bevölkert wird. Dies kann nicht funktionieren.

Source: Patrick Seabird