Die KI-Revolution steht vor der Tür

Inhalt dieses Beitrags

Technische Innovation hat schon seit je her gesellschaftlichen Wandel hervor gerufen. Die Erfindung des Ackerbaus brachte die Sesshaftwerdung und verdrängte das Nomadentum. Die Erfindung des Buchdrucks schaffte eine Beschleunigung des Wissenstransfers und damit die Entstehung von Schul- und Bildungssystems auf breiter Basis und damit eines Bildungsbürgertums. Die Konzipierung moderner Schiffe und Einsatz des Schießpulvers ließen die europäischen Mächte zu Kolonialherren über die ganze Welt aufsteigen. Die Industrialisierung mit Erfindungen wie Dampfmaschine, Elektrizität und schließlich Verbrennungsmotor führten zu moderner Territorial-Staatenbildung, einem enormen Produktivitätssprung und zu kapitalistischen Systemen. Die letzte Revolution stellen das Internet und die Informationstechnologie dar, die wiederum Grenzen verschwinden lassen, Wissen nun tatsächlich weltweit jederzeit zur Verfügung stellen, Finanzmärkte komplett entfesselt haben und deren gesellschaftlichen Folgen noch immer nicht ganz begriffen werden können.

Eine neue Revolution

Vor diesem Hintergrund passiert gerade eine technische Entwicklung, die noch in ihren gesellschaftlichen Auswirkungen unabschätzbar ist, jedoch das Potenzial hat, die Menschheit in eine neue Revolution zu stürzen. Die Rede ist von AI – artificial intelligence – oder auf Deutsch: KI – künstliche Intelligenz.

Was ist künstliche Intelligenz?

künstliche Intelligenz Zukunft

AI wird oft missverstanden. Der Fokus liegt zu oft auf dem Wort „Intelligenz“. Da es keine allgemein anerkannte Definition von Intelligenz gibt, ist auch die Kritik an künstlicher Intelligenz ein dankbares Unterfangen, welches jedoch die Konsequenzen dieser Technologie meist außer Acht lässt.

Das, was heute unter KI verstanden wird, kann als eine Kombination mehrerer kürzlicher Entwicklungen zusammengefasst werden:

  1. Zugriff auf das Internet und damit auf große Teile des expliziten Wissens der Menschheit
  2. Enorme Rechenleistung, welche sich nach Moores Law auch ständig verdoppelt
  3. Entwicklung von semantischen Spracherkennungssystemen, also dem sinnvollen Erfassen von Schrift und gesprochenen Wort durch Computer.

KI und Kreativität

KI wird oft Intelligenz abgesprochen, weil ihr die Kreativität fehle. Aber auch bei Kreativität gibt es keine unstreitbare Definition. Nehmen wir vereinfachend folgendes an. Denken Sie an eine intelligente, kreative Person. Vermutlich verfügt dieser Mensch einerseits über großes Fachwissen, kennt viele Fakten, Prinzipien und Systematiken. Andererseits kann die Person dieses Fachwissen kombinieren, auf andere Felder anwenden und damit Neues kreieren.

Nun ist dies etwas, das KI auch heute schon kann. Denn moderne Systeme sind Meister der Mustererkennung. Stellen Sie sich ein System vor, das wie Excel funktioniert: Sie geben die Zahlen 1,2,3 ein und ziehen diese Reihe weiter nach unten. Excel (1987 entwickelt) ist so intelligent, diese Reihe zu erkennen und 4,5,6 weiter zu führen. Dies ist bei Zahlen keine allzu große Kunst. Stellen Sie sich vor, ein Programm könnte das mit Worten. Ähnlich wie es Google macht, wenn Sie ein Wort in die Suchleiste eingeben und Google Ihnen bevor Sie Enter drücken wahrscheinliche mögliche Vorschläge bringt.

Eine Welt aus Zahlen

Nun ist der springende Punkt, dass alles in Zahlen umgewandelt werden kann. Jedes Bild im Computer ist eine Kombination aus Zahlen. Jedes Soundfile besteht aus Zahlen. Jedes Video besteht aus Bildern und Sounds, also Zahlen. Worte können in Zahlen dargestellt werden. Das heißt in weiterer Folge: Wenn man der Maschine beibringt, Zahlen zu verstehen und zu kombinieren, so lehrt man die Maschine, die Welt zu verstehen. Denn das Internet besteht heute nur aus Worten, Bildern, Sounds, Videos, Codes und Zahlen.

Die KI von heute versteht durch semantische Systeme damit auch Inhalte. Sie hat Zugriff auf das gesamte Internet. Und sie kann kombinieren. Eine KI ist Autofill on steroids. Denn sie weiß nicht nur, dass auf 1,2,3 höchstwahrscheinlich 4 folgt. Sie weiß auch, dass auf Aurea prima sata est aetas die Worte quae vindice nullo, sponte sua folgen. Sie kennt alle Folgen, welche im Internet vorkommen.

Die KI beherbergt also beinahe den gesamten Wissensstand und ist in der Lage, zu kombinieren und damit kreativ zu sein, Neues zu schaffen. Denn ist Innovation nicht unter anderem genau das? Weiterdenken von bereits Gedachtem? Zusammenführen von Felden, welche bisher getrennt waren?

Heutige Beispiele für Künstliche Intelligenz

Eine gute Übersicht über Beispiele dafür, wasa KI heute schon leisten kann, findet sich hier:

Weitere Beispiele für KI:

  • Als Googles AlphaGo den weltbesten Go Spieler schlug, revolutionierte es gleichzeitig das Go-Spiel. Dies ist immerhin ein Spiel, das seit mehr als 2.500 Jahren von Menschen perfektioniert wurde. Die KI verblüffte durch neue, unvorhersehbare, mithin kreative Züge, die kein Mensch so getätigt hätte.
  • AlphaFold, ebenfalls von Google, löste das Problem der Proteinstrukturvorhersage, ein Problem, an dem sehr kluge Köpfe vorher mindestens 50 Jahre gerätselt hatten.
  • Genau so konstruiert die KI heute Autobauteile, die kein Mensch so designt hätte und schafft so besser haltbare und weniger Materialien verwendete Teile.

Und dies ist nur der derzeitige, bereits durch Youtube-Videos kommunizierte Stand. Sie können sich vorstellen, dass die in den Hinterzimmern momentan verwendete KI noch deutlich entwickelter ist, und ständig weiter verbessert wird. Vermutlich sogar mit KI oder durch KI.

Veränderung aller Bereiche durch die KI

Dies wird für beinahe alle Industrien und damit Lebensbereiche Veränderungen mit sich bringen.

Beispiel: KI in der Architektur

KI in der Architektur

Nehmen wir als Beispiel die Architektur. Heute ist es so, dass ein Architekt, nach langjährigem Studium, wochenlange Arbeit verrichten muss, um die Pläne eines Hauses zu zeichnen. Stellen wir uns vor, eine KI wüsste über alle bisherigen Baupläne Bescheid. Sie kennte auch sämtliche Bauvorschriften. Weiters hätte sie jedes Bauwerk, welches jemals im Internet als Foto oder Video dargestellt worden war, gesehen. Sie könnten nun der KI den Auftrag geben, Ihnen ein Gebäude mit drei Zimmern in Ihrem bevorzugten Stil auf Ihrem Grundstück (die Größe des Grundstücks wüsste die KI aus den Katasterplänen) zu zeichnen. In Sekundenbruchteilen hätten Sie den Plan. Die KI würde verstehen, dass Sie doch eine andere Fassade wollten. In einem weitern Klick wäre der neue Plan, inklusive technischer Pläne und der Bauordnung gemäß gezeichnet. Und jetzt stellen Sie sich vor, es handelte sich nicht um ein Privathaus, sondern um eine Fabriksanlage, ein Spital oder eine U-Bahnstation.

Beispiel: Maschinenbau und künstliche Intelligenz

Ein weiteres Beispiel: Die KI hätte jedes Buch über Maschinenbau und Physik gelesen. Sie sagen der KI, sie soll eine Maschine für einen gewissen Zweck designen. Sofort wären die Pläne vorhanden.

Beispiel: KI und Stadtplanung

KI und Stadtplanung

Sie könnten die KI fragen, wie die möglichst effiziente Planung eines Straßenzugs aussähe. Die KI würde die Straße anhand von Plänen analysieren, würde die Bauordnung und Straßenverkehrsordnung berücksichtigen und produzierte in Sekundenbruchteilen den besten Plan.

Der KI-Quantensprung

Dies ist alles noch Zukunftsmusik. Noch. Was jedoch klar ist:  KI wird einen Quantensprung in der Produktivität hervorbringen. Es wird dies nicht ein gradueller Schritt sein, wie der Schritt vom Iphone 6 zu 7. Es wird eher der Schritt vom Brief zum Smartphone sein – beziehungsweise ein noch größerer Schritt, da er nicht nur die Telekommunikation, sondern sämtliche Lebensbereiche umfassen wird.

Die KI-Revolution

Die KI-Revolution steht vor der Tür. Sie wird unmittelbar Gewinner und Verlierer produzieren. Im Idealfall kommt sie der gesamten Menschheit und dem Planeten zugute.  Sie wird jedenfalls auch einen gesellschaftlichen Wandel herbeiführen, ähnlich wie der Ackerbau die Sesshaftwerdung herbeiführte.  Es bleibt spannend.

Was meinen Sie? Wie wird die KI unser Leben verändern? Nehmen Sie mit mir Kontakt auf!