MMag. Patrick Siebert

Patrick Seabird

Kategorie: Where is Patrick?

Gedanken über Armut

Einer der Gründe, weshalb ich Wirtschaft studierte, war, weil ich das Problem der Armut verstehen wollte. Warum sind manche Menschen arm und andere reich?

Nun sitze ich in einer Pizzeria in San Cristóbal in Mexiko. Um mich herum sitzen an den Tischen mehrere Touristen, manche mexikanisch, sonst hauptsächlich US-Amerikaner. Herein kommt eine gebückte Gestalt, behängt mit mehreren bunten Tüchern. Es ist eine der alten Mexikanerinnen, die umhergehen und versuchen, etwas zu verkaufen. Soll ich ihr etwas abkaufen? Als ich noch versuche, mich an mein Wirtschaftsstudium zu erinnern, um eine sinnvolle Entscheidung treffen zu können steht sie schon vor mir und hält mir ihre Tücher vor die Nase. Ein wenig überrumpelt deute ich auf einen roten Schal. 200 Peso, meint sie, beinahe 10 Euro. Um diesen Preis würde ich mir nicht einmal in Österreich einen Schal zulegen, zumal ich eigentlich keine Schals trage. Ich stimme jedoch zu, mehr aus Mitleid und Unentschlossenheit, als aus irgendeiner rationalen Überlegung heraus. Sie übergibt mir den Schal, ich gebe ihr die 200 Pesos. Sie meint, sie hätte 250 gesagt. (Dies ist eine Szene, die sich in Mexiko noch wiederholen sollte. Entweder ich verstehe die Zahlen oft falsch, oder die Mexikaner irren sich in der Preisangabe und teilen ihren Irrtum erst nach Zuschlag mit. Ich möchte ihnen keine bösen Absichten unterstellen, denn wer würde es schon ausnützen, dass man die Landessprache nicht gut spricht?)
Als ich ihr klar mache, dass ich den Schal dann doch nicht nähme, nimmt sie die 200 Pesos doch, gibt mir den Schal und zieht von dannen.

Wie ist dieser Sachverhalt nun wirtschaftswissenschaftlich zu behandeln?
Die klassische Lehre sagt, dass, wenn ein Handel stattfindet, beide Seiten meinen, besser gestellt zu sein. Sonst hätten sie dem Handel nicht zugestimmt. Sie scheint den Wert von einem 200 Pesos Schein höher zu schätzen als den des Schals, vermutlich auch deshalb, weil ihre Beschaffungskosten nur ein Bruchteil dessen betragen. Und ich? Mir ist es rein materiell ziemlich egal, ob ich die 10 Euro besitze oder den Schal. Wenn mir eines von beiden entwendet würde, so würde es mir vermutlich nicht einmal auffallen. A propos, wo ist der Schal überhaupt? Ah ja, hier:

Bin ich nach diesem Tausch tatsächlich besser gestellt als zuvor, wenn es für mich keinen Unterschied macht? Interessant ist schon, dass diese Handlungstheorie ja davon ausgeht, dass a) Menschen immer wissen, was sie besser stellt und b) sie auch danach handeln. Wenn ein Handel einen immer besser stellt, wieso gibt es dann Privatkonkurse? Die Prämissen a) und b) scheinen mir doch sehr gewagt. Wenn sie jedoch nicht gültig sind, so hinterfragt man einen der Grundsätze der Marktwirtschaft.

Beim Nachhause gehen von der Pizzeria kommen noch weitere Zweifel an diesem Handel auf. Habe ich ihr durch diesen Kauf wirklich geholfen? Da ich den Schal gar nicht benötige, wäre es doch besser gewesen, ihr die Pesos zu geben und den Schal zu überlassen. Dann hatte sie ihn nochmal verkaufen können. Ein Geschenk hätte sie noch besser gestellt. Schenkökonomie scheint effizienter zu sein als Marktwirtschaft.
Oder ich könnte den Schal jetzt einem noch Ärmeren schenken, dem vielleicht sogar die Produktionsmittel für eigene Schals fehlen.
Was jedoch gegen das Schenken spricht: sollten mehrere Menschen nur Geld geben und nichts als Gegenleistung wollen, würde sie vermutlich nur noch betteln. Und etwas verkaufen ist gefühlt besser als betteln. Ökologisch gesehen wäre wiederum betteln besser – die Ressourcen für die Herstellung der Schals könnten geschont werden.

Spontan fällt mir noch eine Möglichkeit ein, die offensichtliche Armut zu lindern. Ich könnte Produktionsmittel schaffen. Sollten die Schals, wie ich mir das in meiner naiven Vorstellung ausmale, per Hand in einem der umliegenden Dörfer hergestellt werden, so könnte eine industrielle Maschine vermutlich den Output steigern und damit die Kosten eines Schals senken. Diejenigen, die davor mit Nähen beschäftigt waren könnten dann sich auch um Vertrieb und Verkauf kümmern, was den Absatz erhöhen könnte. Danke, Betriebswirtschaftsstudium!

Wieder meldet sich die kritische Stimme in mir: und was ist mit den umliegenden Dörfern die keine Maschine besitzen? Sie könnten mit diesen niedrigen Produktionskosten nicht mithalten und wären noch ärmer gestellt. Nun gut, sie müssten halt innovativ sein und andere Produkte herstellen. Die Touristen in San Cristóbal könnten noch billiger Schals kaufen und zusätzlich neue andere Produkte. Fortschritt nach westlicher Art. Ökologisch ebenso bedenklich.

Und vielleicht sind die Armen auch gar nicht unglücklich? Vielleicht gefällt es gar dieser alten Frau, tagaus, tagein, durch die Straßen zu laufen und ihre Ware anzubieten? Ist es wiederum kontinentaleuropäische Selbstüberschätzung, anderen Kulturen beibringen zu wollen, was das gute Leben ist, ohne das selber so richtig zu wissen?!

Mit Erschüttern stellte ich fest, dass mir mein vierjähriges Wirtschaftsstudium bei der praktischen Frage nach Linderung der Armut keinen Deut hilfreich ist. Aber vielleicht war das auch nicht das Ziel des Lehrplans .

Source: Patrick Seabird

Auf weisen Wegen in Nepal

Auf einem dreiwöchigen Trekking-Trip durch Nepal können einige Weisheiten zutage kommen. Durch das lange kontemplative Dahingehen scheinen einfache Tipps auf einmal auch tiefgründige Bedeutungen erlangen zu können. Ist nicht das ganze Leben eine lange Wanderung? Folgende Dinge habe ich bei meiner kürzlich durchgeführten Annapurna-Umrundung erfahren. Manches davon kann man auch im täglichen Leben anwenden!

1. Drückt der Schuh, dann tue etwas dagegen! Sonst wird es meist noch schlimmer!

Der Weg zwischen Thorung Phedi und High Camp

2. Es ist manchmal verblüffend, wie viel man an einem Tag schaffen kann!


Blick vom Poon Hill

 3. Es kann sinnvoll sein, ein fixes Ziel vor Augen zu haben und darauf zuzusteuern. Hast du es erreicht, so feiere! Mache Pause! Dann suche ein neues Ziel!

4. Auch wenn du den Weg zu deinem Ziel nicht genau kennst: Du wirst ihn finden und kennenlernen!

Brücke auf über 4000 Metern

5. Keine Angst vor den Menschen! Wenn du etwas wissen möchtest, dann frage! Wenn dich jemand ansieht, dann grüße ihn!

Wanna smoke something, my friend?

6. Man gewöhnt sich schnell an neue Situationen. An kalte Duschen zum Beispiel. Oder an 10 Kilo mehr am Rücken.

Gebetsmühlen

7. Besser eine schnelle, zweitklassige Entscheidung treffen, als eine langsame und drittklassige! Vermeide langes Hin- und Her. Triff eine Entscheidung, zieh sie durch und steh dazu!

Das Flussbett hinter Jomsom

8. Die Liebe zu den Bergen ist die reinste!

Gletscher der Gangapurna
Auf dem Weg zum Annapurna Base Camp

9. Für viele scheint das Ziel viel mehr zu gelten als der Weg dorthin. Ins Annapurna Base Camp und das so schnell wie möglich. Nur nicht stehenbleiben. Keinen Blick für die Details am Wegrand. Nur das Ergebnis zählt. So schnell wie möglich. Und vor allem schneller als die anderen! Immer im Wettbewerb. „Wie schnell warst du? Wann und wo bist du gestartet? Wie lange braucht man dahin?“ Nicht: „Wie schön ist es dort? Hast du den Weg genossen?“ Alle laufen um die Wette den Berg rauf und runter. Nur um einmal da gewesen zu sein. Um es erzählen zu können. Chinesen, Amerikaner, Holländer, Deutsche, Japaner. Ich genauso. Was für ein verrücktes Bild für unsere Zeit.

Bei Hongde

10. Genereller Gedanke beim Anblick der Armut: Vielleicht ist Düringers Weg falsch. Vielleicht, und ich sage vielleicht, ist der Weg zurück, aus den Systemen heraus, nicht der richtige. Vielleicht sollten wir doch nach vorne. Aber auf eine andere Art. Eventuell hat doch Eisenstein Recht, wenn er meint, dass der bisherige Weg wichtig war. Das wir nicht zurück in die Steinzeit sollten, sondern schon nach vorne gehen, fortschrittlich sein. Aber anders als bisher?! Fortschritt wohin? Lebensstandard weiter heben? Noch stärkere Vernetzung?

Beim Anblick des einfachen Lebens hier scheinen unsere Lippenbekenntnisse zu einem einfacherem Leben als falsch, als verklärt. Wir träumen vom einfachen Leben und vergönnen den Armen den Aufstieg. Wir vergöttern die Armut und verdammen unseren Fortschritt. Das ist Sozialromantik pur. Wir wollen in Wirklichkeit nicht in die Armut. Wir sollten auch nicht dorthin. Wir müssen den Spagat schaffen: Fortschritt und Fortbestehen. Reichtum und Nachhaltigkeit!

Straße in Kathmandu

Mit Kunst zur Geschenksökonomie

Kunstprojekt zur Förderung der Geschenksökonomie:

Mit Stolz kann ich ein Projekt präsentieren, an welchem ich schon seit geraumer Zeit arbeite. Es ist dies ein Kunstprojekt, welches sich mit dem Thema Geschenksökonomie und Kapitalismus mulitmodal beschäftigt.

Spraying

Die Bausteine des  Projekts:

Folgende Bausteine machen es zu einem Gesamtkunstwerk: Die Bilder selber sind Leinwände, die ich besprayt habe. Die Themen der Bilder sind alle in Anspielung an die Verfassung unseres derzeitigen Wirtschaftssystems angelehnt. Als Ort der Aufhängung habe ich gezielt Plätze in der Stadt ausgesucht. Es wurde absichtlich der öffentliche Raum gewählt, um den gesamt-gesellschaftlichen Zusammenhang zu unterstreichen und um auf die faszinierende Idee der Streetart zurückzugreifen. Nicht zu vergessen sind die Texte, die als Erklärung der einzelnen Standorte anzusehen und auch Teil des Kunstwerks sind. Weiters dienen die Fotos von mir und von Freunden der Dokumentation und sind Teil des Projekts. Nicht zuletzt ist dieser Blogeintrag auch eine Form, wie das Kunstprojekt die Verbindung mit dem Cyber-Space als ultimativen öffentlichen Raum zwischen Realität und Virtualität herstellt und die Informationen digital weiter verbreiten soll. Da die Bilder selber auch ein Geschenk an die Öffentlichkeit sind, wurde thematisch mit der Art der Aufhängung eine konsistente Verbindung geschaffen. In diesem Sinne präsentiert sich dieses Gesamtwerk als Denkanstoß für die Geschenksökonomie.

Die Vorgeschichte:

Die Anfänge des Projekts reichen zurück bis zum Jahre 2010. Ich hatte in einem Blogeintrag die Idee einer Lizenz für Geschenke vorgestellt – die Common Property License. Diese sollte dazu dienen, das Konzept der Creative Commons auf die reale Welt zu übertragen und damit die Geschenkswirtschaft auch abseits des Internets lebbar zu machen.

Draft for a common property licence
Konzeptentwurf für die Geschenksökonomie-Lizenz

Die Geschenkslizenz sollte das Verschenken von Gegenständen und ihr Überführen in eine Geschenkswirtschaft ermöglichen und anstoßen. Um diesen Gedanken weiterzuentwickeln, kam ich anschließend auf die Idee, ihn mit diesem Kunstprojekt zu verbinden.

Die Bilder:

Dazu verwendete ich Leinwände, welche ich zu verschiedenen Themen unterschiedlich gestaltete. Ich besprayte sie mit Acryl-Lackfarben.

Material
Material: Leinwände und Acryl-Lackfarben
The work begins
The work begins…

Auf der Rückseite beschriftete ich jedes mit dem jeweiligen Titel und der Geschenkslizenz, verbunden mit den nachdrücklichen Worten „Do not sell!“

CP - Common Property! Do not sell!
Beschriftung der Bilder mit der Common-Property Linzenz

Die Themen: 

Ich wählte meine Sujets nach Themen aus, die meiner Meinung nach mit dem heutigen Kapitalismus verbunden sind. Kapitalismus und

  • Religion
"Window" by Patrick Seabird
„Window“ – Das Religionssujet
  • Medien
"TV" by Patrick Seabird
„TV“ – als Bild für die Medien
  • Börse
"After Ostojić" by Patrick Seabird
„After Ostojić“, welches im Zusammenhang mit der Börse steht
  • Wachstum
"Mine is bigger!" by Patrick Seabird
„Mine is bigger“ für den Glauben an ewiges Wachstum
  • Vergänglichkeit
"More" by Patrick Seabird
„more“ steht für die Vergänglichkeit
  • Zukunftsgläubigkeit
"Die Zukunft existiert nicht!" by Patrick Seabird
„Die Zukunft existiert nicht“ für den Fortschritts- und Zukunftsglauben
  • Transport
"U" by Patrick Seabird
„U“ für den Transport
  • Technik
"Sparks" by Patrick Seabird
Sparks – Zum Thema Technik

Die Namen der Bilder stehen jedoch eng in Zusammenhang mit dem jeweiligen Ort, wo ich sie aufhängte…

Die Stadt ist mein Museum:

Um diese Bilder nun wirksam zu verbreiten, machte ich sie zu einem Geschenk an die Öffentlichkeit. Ich nutzte einfach die Stadt als Museum. Interessant im Zusammenhang mit Streetart ist, dass sie sich erstaunlich gut in die Funktionsweise unseres kapitalistischen Systems einbettet, wie ich ebenfalls schon einmal beschrieben habe. Bei Streetart wird zudem oft kritisiert, dass sie nur Vandalismus sei. Es werden  Hauswände angeschmiert – den künstlerischen Aspekt und die Beweggründe dieser Kunstform wollen oft nur die wenigsten wahrhaben. Ich wollte diesem Kritikpunkt begegnen, indem ich tatsächlich Bilder in der Öffentlichkeit aufhängte. Denn von einigen Zeitgenossen scheint Kunst nur Kunst zu sein, wenn sie wirklich auf Leinwand aufgetragen wird. Doch warum soll ich diese Leinwände dann nur in Galerien oder Museen hängen? Ist nicht ein entscheidender Punkt der Kunst, dass sie für die Freiheit steht und sich gerade nicht in diese institutionellen Rahmen drängen lassen sollte, insbesondere wenn das Projekt gerade die Geschenkswirtschaft promoten sollte? So machte ich kurzerhand die Stadt zu meinem Museum und hängte die Bilder in der Öffentlichkeit auf. Die Orte wurden so gewählt, dass sie mit dem jeweiligen Bild in Zusammenhang stehen. Somit wird der Ort selber auch Teil des Kunstwerkes. Sehen wir uns an, wo und warum ich die jeweiligen themenspezifischen Bilder aufhängte: 

Religion:

WindowWindow

Kapitalismus kann als die neue Religion unserer Zeit gesehen werden. Der Glaube ans Wirtschaftswachstum und an das erreichbare Paradies auf Erden über den Reichtum an weltlichen Gütern dominiert unsere heutige Welt. Umgekehrt kann auch die Kirche als eines der erfolgreichsten Unternehmen der Geschichte bezeichnet werden. Kirchen sollen dabei ein Fenster zu Gott darstellen. Dementsprechend habe ich das Bild „Window“ als Geschenk vor der ältesten Kirche Wiens aufgehängt. Damit soll die Verbindung zwischen Glaube, Kapitalismus und Kirche aufgezeigt werden.

Medien:

"TV" by Patrick Seabird 
Das Bild „TV“ konnte ich in der Nähe des staatlichen Fernsehsenders ORF hinterlassen. Diesen Ort habe ich gewählt, weil ich denke, dass die Medien einen nicht unerheblichen Beitrag zur Formung der Konzeption unserer Welt beitragen. Einerseits über die Auswahl der Themen, welche präsentiert werden, andererseits auch über die Propagandafunktion der Werbung. Die Medien sollen uns zeigen, was wir konsumieren können, wie wir leben wollen und was überhaupt Lebensperspektiven darstellen. Durch ihre weite Verbreitung haben sie einen direkten Einfluss auf die Gestaltung unseres Wirtschaftslebens. Der ORF steht hier als größter Sender außerdem für die Verwicklung staatlicher Institutionen mit Privatwirtschaft.

Börse: 

After Ostojić 3After Ostojić 4After Ostojić 2

„After Ostojić“ kann auf eine längere Ideengeschichte zurückblicken. Es basiert auf einer Arbeit von Tanja Ostojić mit dem Titel „After Courbet“. In der Wikipedia kann man dazu folgendes lesen:

„Tanja Ostojić wurde Ende Dezember 2005 schlagartig europaweit durch die EU-Unterhose bekannt. After Courbet ist eine Persiflage auf Gustave Courbets Der Ursprung der Welt. Ostojićs Fassung zeigt ihren eigenen Schoß, photographiert von David Rych , jedoch bekleidet mit blauer Unterhose samt Europa-Sternen. Das Plakat sollte ironisieren, dass auswärtige Frauen in Europa nur dann willkommen sind, wenn sie den Slip fallenlassen. Neben einigen anderen Werken war dieses Plakat aus einer laufenden Kunstausstellung ausgewählt worden, um im öffentlichen Raum für Österreichs EU-Präsidentschaft zu werben. Die Wiener Kronenzeitung fabrizierte daraus einen handfesten Skandal, empörte sich über aus Staatsmitteln finanzierte Pornographie und sorgte sich um das Ansehen Österreichs in der Welt. Verunsicherte Politiker aller Parteien sprangen auf – mit der Folge, dass die Plakate wieder abgehängt wurden. Seitdem trägt dieses Bild, das ohne Titel im Jahr 2005 schon mehrfach gezeigt worden war, den inoffiziellen Namen Die EU-Unterhose.“

Ich beschloss, in diesen Dialog einzusteigen und wiederum auf Ostojićs Werk aufzubauen. Denn ihr Werk war ein gutes Beispiel dafür, wie die finanzielle Interessen und die damit verbundene Suche nach einem guten Ruf korrumpieren können und schließlich zu Zensur in der Kunst führen können. Deshalb ist das Bild auch in dem Käfig gefangen. (Auffallend hier: Zusammen mit einem Baum! Warum werden Bäume in Käfige gesperrt? Oder sind gar wir die Eingesperrten, ausgesperrt von Natur und Kunst?!)

Der gewählte Ort ist zusätzlich interessant. Gleich hinter dem Bild sieht man das Gebäude der alten Wiener Börse. Und neben diesem steht ein neues Gebäude, das „Haus der europäischen Union“. Dieser Ort fasst viele Punkte gut zusammen: Die Nähe von hoher Politik und Finanzmarkt, die Zensur von Kunst mit dem Gedanken eines guten Rufs, die Blindheit für natürliche Prozesse und der damit verbundenen begrenzten eigenen Freiheit. All diese in unserem Wirtschaftssystem nahe beinander liegenden Dinge kumulieren symbolisch an diesem Ort. Durch die Positionierung meines Bildes konnte ich diesen Zusammenhang noch unterstreichen

Wachstum: 

Mine is bigger 2
Mine is bigger 9 
Dieses Bild trägt den Titel „Mine is bigger“ – Meiner ist größer! Ich habe es am Alberner Hafen aufgehängt, direkt vor einem brillianten Streetart-Piece vom berühmten Künstler BLU. BLUs Kunst zeugt von seiner Größe, sowohl inhaltlich, als auch in der Umsetzung. Das Bild von BLU ist enorm, aber „mine is bigger“! Das spannende an meinem Bild: Eigentlich wollte ich schematisch einen Penis darauf abbilden, als Symbol des Wettbewerbs um Größe und Macht in einer patriachalisch organisierten Gesellschaft (was sich auch in den immer größer werdenden Streetart-Bildern zeigt…). „Wie groß ist deiner? Wieviel Geld hast du?“ Als ich das Bild jedoch einigen weiblichen Wesen zeigte, sahen diese einen Frauenkörper darauf abgebildet. Was hast du zuerst gesehen?

Vergänglichkeit:

"More" by Patrick Seabird
"More" by Patrick Seabird 2
"More" by Patrick Seabird 3 
Das Bild „Vergänglichkeit“ soll uns daran erinnern, dass, obwohl wir immer mehr haben, all dies auch wieder vergeht. Hier bin ich wiederum in den Streetart-Dialog eingestiegen. Ich sah für einige Zeit jedes Mal, wenn ich mit der U-Bahn fuhr, ein Piece an dieser Wand. Es war vom Künstler mit dem Pseudonym Ripo und bestand aus dem Satz: „Less is more“ – weniger ist mehr. Irgendwann wurd das „more“ übersprayt. Ich dachte zuerst, ich wollte diesem Piece noch Tribut zollen, indem ich stylistisch mich an sein Werk anlehnte und das „more“ wieder dort anbringen wollte – ein Unterfangen, das sich als sinnlos herausstellte – Vergänglichkeit ist nicht aufhaltbar. Denn schon kurze Zeit später ist das gesamte Werk übermalt gewesen. So ist mein Bild nur ein stummer Zeuge dessen, was früher dort war. So, wie man heute noch Spuren alter Zivilisationen findet, die bereits vom westlichen System vollends aufgesogen wurden.

Zukunftsgläubigkeit:

"Die Zukunft existiert nicht" by Patrick Seabird
"Die Zukunft existiert nicht" by Patrick Seabird
"Die Zukunft existiert nicht" by Patrick Seabird

In Wien wird gebaut. Immobilienbaustellen, wohin man sieht. Es manifestieren sich hier zwei Glaubenssätze: Erstens der Glaube daran, dass Immobilien eine sichere Anlage sind. Die verlieren nicht an Wert und da hat man was handfestes. Das ist dahingehend ein Irrglaube, dass eine Immobilie, die keiner verwendet und keiner kaufen möchte, auch nichts wert ist. Es ist der Irrglaube an einen Wert außerhalb menschlicher Bewertung. Zweitens ist es der Glaube an ein zukünftiges Wachstum. Die Hochhäuser wachsen immer mehr in die Höhe, sie schießen wie die Schwammerl aus dem Boden. Aber existiert diese Zukunft wirklich? Ich verstehe nicht, wer diese ganzen Büros, die momentan in Wien entstehen, einmal brauchen wird. Deshalb habe ich diesen Standort für mein Bild „Die Zukunft existiert nicht“ gewählt. Im Hintergrund wird gerade das höchste Gebäude Wiens, die DC Towers, errichtet. Wann platzt die Wiener Immobilienblase und damit die Zukunftsträume ihrer Besitzer?

Transport:

U

Für das Funktionieren unseres Wirtschaftssystems sind wir von guten Transportwegen und -Mittel abhängig. Sowohl, um die Güter weltweit zu verteilen, als auch um uns Menschen zu den entfernten Arbeitsplätzen und Produktionsstätten zu führen. Die U-Bahn ist dieses Mittel, um jeden Morgen um 7 Uhr früh hunderttausende Menschen zu ihren Einkommensstellen zu führen – unter der Erde und damit so schnell wie möglich. Ich habe mich, wenn ich mich zufällig einmal um die frühen Morgenstunden totmüde mit den Massen in die überfüllten Züge gequetscht habe, schon immer gefragt, was für ein komisches System wir uns da aufgebaut haben. Was mich jedoch immer noch mehr überrascht hat, war dass offenbar den anderen Menschen dieser Irrsinn nicht auffiel. Für sie scheint es normal zu sein, sich aus dem Bett zu quälen und dann in eine beliebige Arbeit zu fahren, die nur Mittel für ein Einkommen für sie ist. Dementsprechend wollte ich mich bei diesem Bild an der Ästhetik des U-Bahn-Logos orientieren. Trotz aller Kritik steht die U-Bahn auch für die technische Leistungsfähigkeit der Menschen: Züge, die unter der Erde fahren! Womit wir auch schon beim letzten Bild angelangt sind:

Technik

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Verbunden mit unserer Zukunftsgläubigkeit ist auch unser Glaube an die Technik. Mittels Technik soll alles lösbar sein. Oft dient die Technik auch der Beschleunigung menschlicher, gesellschaftlicher Veränderung. Unsere Möglichkeiten, Werkzeuge einzusetzen, haben sich heute exponentiell beschleunigt. Gleichzeitig ist heute die Technik auch unsere größte Gefahr geworden. Die Waffenarsenale der Welt reichen aus, um alle per Knopfdruck für immer ins Jenseits zu befördern. Atomkraftwerke der ganzen Welt stehen als tickende Zeitbomben mitten in gesellschaftlichen Ballungszentren. Jedes Werkzeug kann auch als Waffe eingesetzt werden, wenn man es richtig verwendet. Steigt die Wirkungsfähigkeit unserer Werkzeuge, steigt auch das Zerstörungspotenzial! Das Bild „Sparks“ zeigt Strukturen, welche denen eines Schaltkreises ähneln. Ich habe dieses Bild beim Gebäude der technischen Universität platziert, um die Verbindung von technischer Entwicklung, welche immer schneller abläuft und dem diesen Wachstumsprozess auslösenden zwischenmenschlichen System Kapitalismus und der jedoch auch damit verbundenen wachsenden Zerstörungskraft aufzuzeigen.

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Fazit: 

Dieses Kunstprojekt ist sowohl multithematisch, als auch multimodal zu sehen. Doch holistisch betrachet (eine Betrachtungsweise, die uns in unserer spezialisierten Welt nur allzu oft fehlt) sieht man, dass alles irgendwie zusammenhängt. Die Themen sind allesamt wirtschaftlicher Natur: Angefangen von der Geschenksökonomie. Ich denke, dass wir in Zukunft in unserer zusammenwachsenden Welt immer mehr Geschenke und Leistungen ohne Gegenleistung sehen werden. Die Verwirrungen unseres auf Gier und Neid aufgebauten Wirtschaftssystems werden wir bald hinter uns lassen. Das müssen wir sogar, wenn wir nicht weiter in Richtung physischer und psychischer Untergang arbeiten wollen. Daher waren meine Bilder, die Fotos und auch dieser Text ein Geschenk. Die Platzierung der Bilder in der Öffentlichkeit, verbunden mit der Common-Property Lizenz sollten ein Anstoß für die Geschenksökonomie sein.
Die Orte, die ich dann wählte, waren alle so gewählt, dass sowohl vom Ästhetischen, als auch thematisch ein Gesamtbild entsteht. Jedes behandelt einen anderen Aspekt des Kapitalismus, ob Zukunftsgläubigkeit oder die Verbindung zwischen Kapital und politischer Macht.
Schließlich ist es als Gesamtkunstwerk zu sehen. Nicht nur die Bilder sind zu betrachten, sondern auch die Einbettung in den Text, verbunden mit den Fotos und über das Medium Internet mittels Blogeintrag verbreitet.
So habe ich versucht, einen roten Faden durch sämtliche Medien- und Gedankenstränge zu ziehen. Und wer weiß, vielleicht findest du mal eines meiner Bilder?

Wer noch mehr Bilder sehen möchte, kann gerne das gesamte Album hier ansehen,
oder auch unter diesem Link

SAELAO: Bezahlen, um zu arbeiten?

Bei meinem Aufenthalt in Tacomepai höre ich zufällig von einem ähnlichen Projekt: SAELAO, in Vang Vieng, Laos. Da mein Visum für Thailand sowieso gerade am Auslaufen ist, nehme ich den eineinhalb Tage Bustrip auf mich, um mich nach Nordlaos zu begeben.

Vang Vieng ist eine berüchtigte Touristenstadt. Ein Guesthouse kämpft neben dem anderen um die Moneten der saufend durch die Straßen ziehenden „Farang„, wie wir Touristen hier genannt werden. Die Attraktion der Stadt ist es, sich auf einem Reifen den Fluss hinuntertreiben zu lassen und sich in Bars am Rand volllaufen zu lassen. Ein Tourist im Jahr ertrinkt dabei.


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An diesem schönen Ort treffe ich im Guesthouse des Projekts ein – Sengkeo Guesthouse – und lerne dort den Projektleiter mit dem Namen Sengkeo kennen. Er erklärt mir die Bedingungen: Sie würden Freiwillige nur für mindestens eine Woche nehmen. Für diese wäre um die 700.000 KIP, also ca. 70 Euro zu zahlen, Essen und Schlafplatz inkludiert. Am Tag würden an unterschiedlichsten Dingen gearbeitet, wie Reperaturen und Aufbauten, am Abend gebe es eine Stunde Englischunterricht für die Bewohner der umliegenden Dörfer.

Ich schlucke. 10 Euro am Tag dafür bezahlen, dass ich arbeiten darf?

Dann denke ich, dass ich diese 10 Euro auch dann ausgebe, wenn ich in einem Guesthouse in der Stadt wohne und drei Mal am Tag essen gehe. Also schlage ich ein. Mit dem Moped geht es durch eine der sicherlich schönsten Landschaften der Welt. Reisfelder grenzen an hohe bewaldete Berge, die vor Äonen als Lava aus der Erde schossen und so erstarrten.

Eine der schönsten Landschaften der Welt!

In den ersten drei Tagen gehe ich psychisch durch alle Phasen. Mein Heimweh wird schlimmer und ich fühle mich ein wenig unfrei, weil hier alles so geordnet abläuft. Die Arbeit ist hart. Wir arbeiten den ganzen Tag, bauen eine Hütte und einen Lehm-Ofen.

Der Lehm-Ofen nimmt gestalt an
Wir bauen eine Holzhütte

Das Restaurant, welches auf Stelzen im See steht, bricht ein. Das heißt, wir müssen während strömendem Regen in Wasser, das uns teilweise bis zum wortwörtlichen Hals steht, um unter das Restaurant zu gelangen und die tonnenschwere Plattform mittels Hebeln, die wir aus Holz gebaut haben, anheben, um es auf neue Säulen, die im Schlamm versinken, zu stellen. Das alles, während Blutegel versuchen, an uns anzudocken. Ich wusste vorher nicht, dass die Dinger schwimmen können!

Das Restaurant im See war eingebrochen…

Doch was mich wirklich bewegt ist der Englisch-Unterricht. Ungefähr dreissig Schüler kommen mit dem Fahrrad um 18 Uhr und lernen von uns „Farang“ die Grundlagen der englischen Sprache.

In den Gesprächen mit den Schülern nach dem Unterricht offenbart sich für mich die wahre Härte des Lebens der Leute hier. Ich frage einen Schüler, ob er schon einmal in Luang Prabang war. Er verneint. Vientiane? Auch nicht. Diese Leute haben die Umgebung, in der sie aufgewachsen sind, noch nie verlassen.

In einer Stunde wollen wir Business-English unterrichten. Doch schon die erste Frage scheint zu schwierig zu sein: What do you want to work? Der erste Schüler meint nur knapp: IT! Als wir ihm vom Internet und Websites erzählen, versteht er nur Bahnhof, egal wie simpel wir es machen. Auch als wir es auf einem Laptop herzeigen, sieht er nur staunend zu und hat keine Ahnung, was vor sich geht.

In einer Unterrichtsstunde lernen wir, wie man über die Uhrzeit auf Englisch spricht. Ein Schüler meint, er habe keine Uhr. Ich frage ihn, wie er wisse, wann wir hier Unterricht hätten. Er erzählt mir: Um 16 Uhr sagen seine Eltern, es wäre Zeit zu gehen. Er setzt sich auf sein Fahrrad, fährt zwei Stunden hierher und hat hier eine Stunde Unterricht. Danach setzt er sich wieder auf sein Fahrrad und fährt zwei Stunden heim, um um 21 Uhr zuhause zu sein.

Ein aus Lehm gebautes Gemeinschaftszentrum dient dem Englischunterricht

Am nächsten Tag wollen uns sechs Schüler die Hütte zeigen, in der sie wohnen. Um die Mittagszeit – wir sind gerade beim Essen – holen sie uns ab. Sie führen uns zu einer Hütte, die im Prinzip nur aus einem Dach und einer sechs Quadratmeter großen Liegefläche besteht. Dort hätten sie, da der Heimweg zu weit wäre, zwei Wochen gewohnt. Ich hatte mich immer gewundert, weshalb sie mit den abstrusesten Vokabeln zu uns gekommen waren. Die Antwort ist simpel: Sie haben nur ein Wörterbuch und machen den ganzen Tag nichts anderes, als Vokabeln zu lernen. Wenn sie nicht gerade mit der Besorgung von Nahrung beschäftigt sind.
Reis haben sie von zuhause mit genommen. Dazu essen sie aus den umliegenden Reisfeldern gefangene kleine Fische und was sich sonst Essbares fangen lässt. Wasser trinken sie aus den umliegenden Bächen. Doch jetzt sei ihnen der Reis leider ausgegangen. Sie würden ja gerne noch bei uns Englisch lernen, doch sie hätten großen Hunger und müssten deshalb nachhause fahren. Beschämt kaufen wir ihnen 50 Kilo Reis und ermöglichen ihnen dadurch, noch zwei Wochen da zu bleiben.

Die Regenwolken ziehen um die Felsen

Nach diesen Erfahrungen kommt mir die Arbeit auf einmal nicht mehr hart vor. Diesen Schülern, die trotz aller Strapazen gewillt sind zu lernen, die so glücklich, so strebsam, so höflich und so natürlich freundlich sind, gebührt der größte Respekt! Mir wird es bei den Gesprächen mit ihnen peinlich, dass wir in der westlichen Welt, mit freiem Bildungszugang, Erreichbarkeit billiger Lehrmaterialien, Bibliotheken und Online-Lern-Plattformen, unsere Situation einfach nicht zu schätzen wissen. Die Leute dort verdienen es, dass wir genauso ernsthaft daran arbeiten, die Situation aller zu verbessern! Es ist vergleichsweise so leicht für uns, einen so großen Unterschied zu machen! Für jeden von uns. Doch wir tun es nicht und jammern und saufen und geizen lieber. Die Gespräche mit den Schülern haben mich gelehrt, nicht mehr so viel zu jammern und Dinge, Arbeiten und Herausforderungen einfacher anzunehmen. Wir glauben, unser Leben sei hart, aber das ist es vergleichsweise nicht.

Es war eine bemerkenswerte Erfahrung, zu zahlen und gleichzeitig zu arbeiten. Man fühlte sich damit für den Ort verantwortlich! Es war ein anderes Denken, als wenn man kurzzeitig wo zahlender Kunde ist und sich wie ein König fühlt und manchmal auch so benimmt. Dort war es so: Wenn etwas kaputt ging, reparierte man es. Man versuchte möglichst, den Ort zu erhalten und zu verbessern. Man spürte die Verantwortung und die Wichtigkeit der Arbeit, besonders beim Lehren! Der alte Spruch: „Don’t be gentle, it’s a rental“ wurde damit ins Gegenteil verkehrt. Ich kann nur jedem empfehlen, einmal selber so eine Erfahrung zu machen!

Zur Homepage des Projekts: http://saelaoproject.com/
SAELAO auf Facebook: http://www.facebook.com/pages/SAE-LAO-FAMILY/

Ein Permakulturbauer erzählt…

Wir finden die Farm im Norden Thailands, als wir von Pai in Richtung Chiang Mai fahren und exakt beim Grenzstein, welcher 6 km anzeigt, einbiegen. Ein großes, gelbes Schild zeigt „Tacomepai“, den Namen der Farm an, welche von einem über 60 Jahre alten Farmer namens Sandot betrieben wird. Er heißt uns sofort willkommen, indem wir in den Teich schwimmen gehen. Danach können wir uns ein Haus aussuchen. Die Häuser sind alle von Freiwilligen über die Jahre hinweg erbaut worden – jedes repräsentiert den Stil eines Stammes der Gegend.

Bei km 6 von Pai nach Chiang Mai zeigt ein gelbes Schild den Weg zur Farm

Sandot, der über 60 Jahre alte, aber topfite Farmer, erklärt die Reisernte
Unser Haus, erbaut im Stil des Stammes Karen

Das Leben auf der Farm ist ein Wahnsinn. Es zeigt uns, wie faire Gesellschaften funktionieren. Jeder hier kann ein Projekt starten, kann anfangen, etwas aufzubauen. Die Leute arbeiten einfach so zusammen. Dann am Abend treffen sich alle in der Küche und es wird zusammen gegessen. Es ist egal, ob man nur Aufträge für jemanden anderen erledigt hat, oder ob man selber ein Projekt leitet. Jeder bekommt Essen, jeder hat ein Dach über dem Kopf. Dinge oder Arbeiten müssen nicht in einem ökonomischen Sinn bewertet werden. Man muss nichts gedanklich in Geldeinheiten pressen, also bepreisen. Weil die Arbeit, die getan werden muss, wird einfach getan. Kein Verhandeln, keine Konkurrenz, kein Gewinnstreben.
 

In der Gemeinschaftsküche wird am Abend zusammen gekocht und gegessen
Das Essen ist manchmal etwas ausgefallen. Aber wer hat schon jemals einen selbst gefangenen Frosch gegessen, welcher in selbst gebauten Tellern und mit selbst geschnitzten Löffel serviert wurde?

Von diesem Land können wir alle leben. Nur das Wasser und die Elektrizität kommen von draußen. Strom würden wir eigentlich nicht brauchen. Und das Wasser wird auch eigentlich auf der Farm gereinigt und trinkbar gemacht. Dafür fließt es durch eine große Tonne, in welcher Steine, Asche und Sand sind. Unten kommt Trinkwasser heraus.

Hier sieht man mich bei einem Salto in den Teich. Man beachte das Klo mit wunderbarer Aussicht!

Alles auf der Farm scheint ausgeglichen, ausbalanciert zu sein. Zum Beispiel: Sandot erzählt uns, dass alles so gebaut wurde, dass es möglichst wenig Erhaltungsaufwand braucht. Die Dinge arbeiten alleine und regulieren sich möglichst selbst. Das steht selbstredend im Gegensatz zu unserem täglichen Leben in der Marktwirtschaft, wo jedes Unternehmen Kunden braucht, die möglichst abhängig von ihm sind. Firmen tendieren dazu, Dinge so zu produzieren, dass sie möglichst viel Erhaltung brauchen, oder die man nach der Verwendung überhaupt wegwirft, wie zum Beispiel Rasierklingen oder gar Mobiltelefone. Planned obsolescence heißt das Schlagwort. Auf der Farm ist so ein Gedanke fremd.

Sowohl ökologisch, als auch sozial nachhaltig gebautes Blätterdach

Aber warum baut Sandot dann keine Dächer, die 200 Jahre halten? Warum wird das Dach aus großen Blättern gefertigt? Es muss alle 5 Jahre erneuert werden. Seine Antwort: Dadurch kann er alle fünf Jahre neuen Leuten zeigen, wie man solche Dächer baut. Es ist also eine Art soziale Nachhaltigkeit, an welche Sandot hierbei denkt. Denn in 200 Jahren würde sich niemand mehr erinnern, wie die Dächer gebaut wurden, wenn sie aus anderen Materialien gebaut wurden. Und: Die Blätter können dann als Dünger verwendet werden. Dieses Nachhaltigkeitsdenken haben wir in unseren westlichen Kulturen schon völlig verlernt.

Bambusbrücke

Da Wasser von draußen kommt, muss auch etwas nach außen gegeben werden, sonst wären Geben und Nehmen nicht ausbalanciert. Das Geben wird durch den Tourismus erfüllt. Touristen wie wir kommen auf die Farm und zahlen eine kleine Gebühr von 2 Euro pro Tag für die Unterkunft. Auf der Farm kann man dann lernen und viel erfahren. Ohne das Geld der Touristen könnte nichts von außerhalb der Farm bezogen werden.

Auch die Fauna scheint gut zu gedeihen…
Frosch im Badezimmer
…und ein Gecko

Geben und Nehmen müssen dabei nicht direkt erfolgen. Wenn man zum Beispiel die Frucht eines Baumes genießt, gibt man nichts augenblicklich zurück. Aber idealerweise hat jemand vorher die Pflanze bewässert. Und nach der Konsumtion der Frucht werden die Samen der Pflanze verteilt. Es ist also auch ein indirektes Geben und Nehmen möglich, eines, dass auf lange Sicht und über den individuellen Lebenszyklus hinsausgehend durchgeführt wird. Aber es hilft allen. Die Früchte, die wir essen, haben unsere Vorgänger bewässert. Der Garten, den wir anlegten, kommt unseren Nachfolgern zugute. Diese langfristige Art des Austauschs scheint mir eine ausgeglichenere Art des Zusammenlebens zu sein, als es der direkte Austausch der heutigen Marktwirtschaft erzwingt. Es ist eine Form des Gebens und Nehmens über die Generationen hinweg, ohne dass Zinsen anfallen würden.

Von uns angelegter Garten unter einem Mangobaum

Auf die Frage, warum der Zaun auf seinem Grundstück so schäbig sei, antwortet Sandot: “It is better to make friends, than a fence!” Wenn jeder um dich herum dein Freund ist, wird er dich beschützen und du ihn. Wenn du nur von Feinden umgeben bist, hilft auch der höchste Zaun nichts. Vielleicht sollte man diese Strategie mal den Leuten im Nahen Osten erzählen?

Sogar eine nachhaltig gebaute Schaukel gibt es

Als Sandot mit der Farm anfing, sagten die Leute, er wäre verrückt. Heute inspiriert er Leute, die aus der ganzen Welt kommen. Wie gesagt, die Arbeit hier ist ein Wahnsinn! Er zeigt uns mit seiner Arbeit eine Form des Nachhaltigkeitsdenken, welches uns als fremd und lange vergessen vorkommt. Vielleicht ist es an der Zeit, uns wieder rückzubesinnen, um unseren Fortschritt nachhaltiger zu gestalten? Vielleicht ist es an der Zeit, unsere Gesellschaftssysteme wieder auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit umzustellen? Von einem Bauern im Norden Thailands konnten wir überraschend viel darüber lernen.

Waschbecken
Sandot beim Unterricht

Wie ich mit Worten einen Krieg verhinderte

Es war auf der Fähre zwischen Turku (Finnland) und Stockholm (Schweden), was eine 11-stündige Überfahrt bedeutet. Alkohol war auf diesen Schiffen billiger, als in den beiden skandinavischen Ländern. Dies nutzten viele Fahrgäste und waren sehr betrunken. Ein besonders betrunkener hatte sich die richtigen ausgesucht: Er hatte sich neben Typen gesetzt, die schon von weitem gefährlich aussahen. Zunächst unterhielten sie sich gut. Dann wurde mehr getrunken und der vorher erwähnte begann, aufdringlich zu werden. Die Szene drohte zu eskalieren. Drohgebärden wurden gezeigt, man konnte die Spannung im Raum spüren. Der Betrunkene machte weiter. Er rückte auf die Pelle, sang laut und redete viel. Die anderen wurden immer wütender.

Ich hatte die Szene beobachtet und hatte auch beobachtet, dass die anderen Gäste gelassen, wie Kühe beim Wiederkäuen, zusahen. Vielleicht waren manche auch ein wenig sensationsgeil. Ich war mir sicher, dass sich die Betrunkenen gleich anspringen würden und ich, wie schon so oft, einer der wenigen wäre, die dazwischengehen würden.

Daraufhin griff ich nach einer prophylaktischen, diplomatischen Lösung. Ich ging zum Empfang und schilderte die Situation. Und gerade, als die Situation zu eskalieren drohte, kam ein Security, sprach auf den Betrunkenen ein und löste die Szene auf.

Was war geschehen? Ich hatte mit Worten einen Krieg, Blutvergießen verhindert. Natürlich war nicht ich zu ihnen hingegangen. Man könnte sogar sagen, ich hätte feig die Polizei geholt. Und natürlich weiß man nie, was passiert wäre, hätte ich nichts gemacht. Aber ich hatte, so denke ich, mit wenigen Worten Einfluss auf das Handeln anderer Menschen genommen. Ich hatte, ohne, dass diese es wussten, andere von der Gewalt abgehalten.

Selbstverständlich hätte das nicht geschehen können, wenn nicht die Bordangestellten auch gegen Blutvergießen gewesen wären. Wären sie dafür gewesen, wären meine Worte auf taube Ohren gestoßen.

Außerdem hatte ich die Szene beobachten müssen und erkennen müssen, dass Gefahr im Verzug war. Andere hatten es vielleicht gar nicht bemerkt, andere wiederum es anders gedeutet. Weiters musste ich auch etwas sagen um etwas zu verändern, aber man könnte hier nach der Sprechakttheorie sagen: Sprechen ist auch Handeln.

Was mir wichtig erscheint sind zwei Punkte:

Sprechen, Kommunizieren kann Handlungen beeinflussen, kann Taten von Leuten verändern. Deshalb sind zum Beispiel Bücher, Schriftstücke, nicht sinnlos. Denn diese sind auch Kommunikation und beeinflussen Handlungen. Deshalb sollte sich jeder Wissenschaftler bewusst sein: Mit seinen Publikationen kann er andere beeinflussen. Es ist hier eine Verantwortung da, wenn man etwas erkennt, auch beeinflussend zu schreiben, was ja ursprünglich die Aufgabe des Intellektuellen war. Erst die strikte Trennung von Subjektivität und Ojektivität ließ die Wissenschaftler glauben, sie könnten, sollten und würden nichts verändern mit ihrer Arbeit. Dabei ist eben jedes gelesene Schriftstück auch eine Handlungsbeeinflussung. Die „objektive“ Wissenschaft hat das nur vergessen, hat ihre Verantwortung unter den Tisch gekehrt, hat vor allem ihre soziale Verantwortung als mögliche Verhindererin von Kriegen vergessen.

Und natürlich muss der Wille dazu gegeben sein. Viele Zeitgenossen ist die Maxime „Ist mir wurscht!“ am höchsten. Obwohl sie von der Gesellschaft abhängig sind (also von anderen Menschen), handeln sie asozial, gesellschaftszerstörend und nicht -erhaltend.

Das war der erste wichtige Punkt.

Vor diesem Hintergrund lassen sich auch die beiden Forschungspreise verstehen, die ich kürzlich gewann (ÖBB-Wettbewerb und Prix ATTC). Es wurde dabei nicht die Umsetzung gepriesen. Ich war nicht hinausgegangen und hatte etwas gebaut. Nein, Herr Bundesminister schüttelte mir deshalb die Hand, weil ich in den richtigen Worten, d.h. einem dem Wissenschaftsdiskurs

angepassten Jargon, auf die Möglichkeit der Veränderung hinzeigend, kommunizierend gehandelt hatte. Ich hatte bewiesen, dass ich mit Sprache über komplexe Sachverhalte kommunizieren kann, was im Verändern der Sachverhalte genauso wichtig sein kann, wie die außersprachliche Tat. Genauer ausgedrückt ist richtiges, veränderndes Reden gleichzeitig schon richtiges, veränderndes Handeln.

Dessen muss man sich bewusst sein, das muss man verantwortungsbewusst einsetzen: Dass man mit Beobachten, Erkennen, in Zusammenarbeit mit der richtigen Umgebung, mit Worten Taten vollbringen, Kriege verhindern kann.

Where the hell is Patrick Seabird? Budapest!

Place. Time. Luck.

Broken house in Budapest


Place:
Going to Budapest, where the houses seem to be falling apart. Some of them even have wooden porches, which looks like a bit from medieval times. The people from Hungary seem to like old dark times, a lot of them just recently voted for a right-wing extremist party. So why not go there and get an idea of this town by yourself? That’s what I did.

Fortunately not everyone in Budapest is a Nazi. We went out to a bar called Sirály, which represents the alternative, jewish scene and had a lot of fun there. You could feel the fresh and open minded energy. Also the Szimpla was a great place to hang out and drink some beer. And they are quite nearby.

Time: The timing was right. It was the time, when almost all of the airports in Europe were closed because of the ashes of a volcano in Iceland. Yes, Iceland!
The result was a run on all the trainstations in Europe. One hour waiting for the ticket at Vienna trainstation. One hour waiting at Budapest trainstation when going back. The Hungarian train services are employing people, who are serving water to the people waiting in line. The question is, why can’t those people sell tickets as well?
After all, the ticket is written by hand. Yes, by hand!

It’s amazing.
You enter the train, wait for three hours and are in a country where they speak such a different language and use money, where you have to calculate with 10.000s again (Because of the value of the currency).

Luck: When you come to the place, where Úri utca and Szentháromság utca meet, you can find a statue. There is one part of the horse, which looks really shiny. People tell, that when you touch this part it brings luck. Here you can see me touching it:
Lucky horse
Maybe that’s why we had so much luck with the weather. The sun was shining the whole weekend.

Going to Budapest: Good place, good time, good luck!


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Where the hell is Patrick Seabird? London!

Getting out, out into the world. Leaving the usual world behind and finding new spaces. That’s the goal of every traveller. In my case it was a bit different. I wasn’t feeling to well lately at home. I had a lot to do for university, was pretty stressed and wasn’t happy.

But I had always been trying to convert my negative energy into something positive. To use the destructive element for something constructive. So sometimes you just have to follow a dream, even when the time doesn’t seem to be right. But when is the right time? It is never. In other words: It is now!
It was the same when I went down the danube some years ago. The perfect time just didn’t seem to come. So we just went out and did what we wanted to do.

This time, the goal was to go from Vienna, Austria to London, UK, only by hitchhiking. Just hold up your thumb and wait for a car to stop.

I never expected it being so easy. Before the trip I found the Hitchhiker’s guide to hitchhiking. Every information here seemed to be useful.
I only wore bright clothing, tried to look in the driver’s eyes and tried to look friendly.
I was waiting for about 10 minutes at the boarder of Vienna, when a woman picked me up. From there I had the following stops: Sankt Pölten, Linz, Passau, Regensburg, Würzburg, Frankfurt am Main (where I slept the first time). The next day I was really tired. I had bad luck because someone dropped me off at the wrong highway. In this part of Germany, there are like a hundred highways going into a thousand directions. So I managed this day to go to Cologne. Tired of hitchhiking I used Couchsurfing to stay for one night in Cologne.
The next day I was refreshed and it was really easy. I immediately found a driver who took me from Cologne directly to London. Amazing.
Hitchhiking
Hitchhiking somehow reminded me of doing business. As in business, location is everything. When you are in the center of London, having a store there is great. A lot of people pass by and can see your products. Also doing hitchhiking, you have to find the right place, where not too many cars go and you don’t have to wait too long.
You have to watch out, that competition is not too high. Once I was standing at a place, where others tried to hitchhike. My chances of getting a ride were diminished. Doing business, you also have to find a good niche, where there is less competition. You have to be specialised.
And it reminded me much of my time working in a bookstore. Approaching different people and starting to talk with them, with the aim to sell them something. In the store you are selling goods, hitchhiking you are selling yourself somehow. You have to be friendly, otherwise you won’t reach what you want. Of course there are a hundred differences, but the feeling was somehow similar.


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