MMag. Patrick Siebert

Patrick Seabird

Kategorie: Sonstiges (Seite 1 von 2)

Wie Greta Thunbergs Vorwürfe den Mächtigen nützen…

 

Greta Thunberg hat kürzlich eine Rede gehalten, in der sie den Mächtigen vorwarf, dass es deren Schuld sei, dass sie protestieren müsse und nicht in die Schule gehen könnte. Warum diese Rede den Mächtigen eher nützen könnte und ganz und gar nicht Gretas eigentlichem Ziel – dem Klimaschutz – dienen könnte, werden wir hier untersuchen.
Vorwürfe sind eine interessante Kommunikationsform. Analysieren wir diese Art des Redens zunächst nüchtern.

Eine nüchterne Analyse des Vorwurfs

Was ist ein Vorwurf?

Die Ursache eines Vorwurfs ist die eigene Erwartung.
Der Auslöser für einen Vorwurf ist die Handlung des oder der anderen.
Die Intention des Vorwurfs, also was man damit erreichen möchte, ist die Verhaltensänderung des anderen oder zumindest eine Entschuldigung.
Der Ausdruck des Vorwurfs ist meist durch emotionale Regungen begleitet.
Ein Beispiel für einen Vorwurf: „Es ist deine Schuld, dass ich hier sitze. Wie kannst du nur?“, in einer speziellen Tonlage ausgesprochen.
Zusammenfassend: Man möchte mit einem Vorwurf ausdrücken, dass die andere Person etwas falsch gemacht hat. Mittels Vorwurf drücken wir meist unser Unbehagen aus, welches durch die Handlung einer anderen Person ausgelöst wurde. Man möchte, dass der andere sich ändert oder sich zumindest entschuldigt.

Der Vorsatz

Aber es gibt noch eine wichtige Implikation:
Der Vorwurf dient meist nicht nur der Berichtigung oder Information, sondern er unterstellt Vorsatz der anderen Person. Die andere Person hätte wissen müssen, dass sie die Tätigkeit entweder unterlassen oder ausführen hätte sollen. Der andere hat das absichtlich gemacht, wird mit einem Vorwurf unterstellt. „Du hast etwas getan, was mir schadet“, ist ein Beispiel eines Vorwurfs. „Und du hast das absichtlich gemacht“, ist die stillschweigende Prämisse dahinter.

Vor- und Nachteile des Vorwurfs

Die Kommunikationsform des Vorwurfes bietet viele Nachteile. Denn meist wird ein Vorwurf nur mit Gegenangriff und Verteidigung gekontert.

Wer möchte schon unterstellt bekommen, er hätte absichtlich einen Fehler gemacht?!

Der Einsatz eines Vorwurfs ist eine Eskalationsstrategie. Meist endet ein Vorwurf nur im Streit.
Konstruktiver als der Vorwurf wäre sicherlich, eine Bitte auszudrücken.
Was sind die Vorteile eines Vorwurfs? Man kann damit eigene oder allgemeine Vorstellungen durchsetzen. Hat die andere Person Schuldgefühle, so wird sie die Handlung möglicherweise zukünftig unterlassen. Durch die starke emotionale Reaktion wird eventuell auch in Zukunft schon vorsorglich mehr Acht gegeben. Moral wird gesellschaftlich generell mit Vorwürfen durchgesetzt. So wird man in Westeuropa jemanden vorwurfsvoll ansehen oder etwas sagen, wenn die Person in der Öffentlichkeit laut rülpst. In Teilen Asiens bekommt man einen ähnlichen Vorwurf, wenn man jemandem die Fußsohlen zeigt. Moral hat auch immer etwas Gesellschaftsbindendes. Damit kann ein Vorwurf die Grenzen moralischen Handelns aufzeigen.
Ein Vorteil des Vorwurfs kann also sein, dass damit allgemeine gesellschaftliche Moralvorstellungen durchgesetzt werden können.

Vorwürfe und Macht

Es gibt jedoch noch einen weiteren erwähnenswerten Aspekt des Vorwurfs, nämlich den Zusammenhang mit Macht.
Wirft man jemandem etwas vor, so akzeptiert man dessen Macht über einen. Man entmachtet sich selber. Der Vorwurf drückt ja gerade aus, dass der andere Macht über einen hat. Die andere Person hätte etwas anderes tun können. Es war in der Macht des anderen, dass meine Vorstellungen nicht erfüllt wurden. Nicht ich konnte etwas zum Erfolg beitragen, sondern es war die Schuld und damit die Erfüllungspflicht des anderen. „Es war in deiner Macht, etwas zu tun, nicht in meiner!“
Hier muss man sehen, dass Macht nichts anderes ist, als eine Relation. Ohne denjenigen, die ein Machtverhältnis akzeptieren, gibt es keinen Mächtigen. Niemand hat Macht oder ist mächtig. Macht ist ein Verhältnis. Macht beruht auf dem Glauben beider Seiten, dass sie existent ist. Die Philosophin Hannah Arendt drückt das folgendermaßen aus:
„Wenn wir von jemand sagen, er »habe die Macht«, heißt das in Wirklichkeit, daß er von einer bestimmten Anzahl von Menschen ermächtigt ist[…]“ Hannah Arendt: Macht und Gewalt. Piper, München, Zürich. 20. Auflage 2011. S.45.
Wenn keiner aus der Gruppe die Macht des Einzelnen akzeptiert, so ist diese Person nicht mehr mächtig.

Ein König ohne Untertanen ist kein König, sondern ein Verrückter.

Ein Vorwurf zementiert nun die Macht des anderen, und damit die eigene Ohnmacht. Auch hier könnte man sagen, dass das nicht nur von Nachteil ist. Braucht eine Gesellschaft Machtungleichgewichte? Sind diese nicht auch gesellschaftsstabilisierend? Ist Macht funktional? Brauchen zwischenmenschliche Beziehungen nicht immer Machtunterschiede oder Hierarchien, um zu funktionieren? Dies sind natürlich alles wichtige Fragen, welche wir hier aber nicht beantworten wollen.

Greta Thunbergs Vorwürfe

Die Klimaaktvisitin Greta Thunberg hat kürzlich eine sehr vorwurfsvolle Rede gehalten. In dieser sagte sie: „Wie könnt Ihr es wagen! Mit euren leeren Worten habt Ihr mir meine Träume und meine Kindheit gestohlen.“
Wir wollen hier einmal die Beweggründe ihrer Rede und die Diskussion über den Klimawandel beiseitelassen und uns nur die Struktur ansehen. Sie bedient sich des Vorwurfs. Sie unterstellt, „sie“ hätten absichtlich ihr die Kindheit gestohlen. „Sie“ würden absichtlich das Klima zerstören. „Sie“ hätten die Macht, den Klimawandel zu stoppen.
Wenn wir nun die obigen Erkenntnisse über Vorwürfe und Macht nochmals heranziehen: Was passiert, wenn Greta Thunberg irgendwelchen anderen Menschen diese Taten vorwirft? Was passiert, wenn sie sich der Kommunikationsform des Vorwurfs bedient?
Sie drückt damit eigentlich nur folgendes aus:
1. Ihr habt Macht über mich.
2. Ich akzeptiere diese Macht.
3. Ich festige diese Macht hiermit.
Als Machthaber ist eine solche Kommunikation nur von Vorteil. Solange Menschen einem etwas vorwerfen, untergraben sie nicht die Machtposition. Im Gegenteil: Sie stützen sie!

Der Vorwurf zementiert etablierte Strukturen.

Für Machthaber ist es nur gut, wenn die Menschen ihnen Vorwürfe machen, denn dadurch anerkennen sie die Machtstruktur und begeben sich selber in die Ohnmacht.
Dieser Text möchte weder die Intention von Greta Thunberg hinterfragen, geschweige denn ihr Korrumpierung unterstellen, noch eine Klimawandeldiskussion aufmachen. Alles, was hier gewollt ist, ist Bewusstsein dafür zu schaffen, was faktisch passiert. Vorwürfe zementieren Machtstrukturen. Bedient man sich des Vorwurfs, begibt man sich in Abhängigkeit.
Die Frage ist, ob dies eine gute Strategie ist, um etwas gegen den menschengemachten Klimawandel zu tun. Denn – so zumindest die allgemein geglaubten Vorstellungen – waren es nicht die bisherigen Gesellschaftsstrukturen („der Kapitalismus“), welche uns in diese Lage gebracht haben? Sind es nicht die momentanen Produktionsverhältnisse, die den derzeitigen CO2-Ausstoß hervorbringen?
Wie kann eine Ausdrucksform, welche die derzeitigen vornehmlich schädlichen Herrschafts-und Produktionsverhältnisse stützt und festigt, diese gleichzeitig zum Positiven verändern? Sie kann und tut es nicht. Der Vorwurf ist hier vermutlich keine strategisch kluge Position, um das Ziel einer Gesellschafts- und Machtveränderung herbei zu führen. Denn er stützt und forciert genau diese.

Was bleibt?

Man sollte sich bewusst sein, was ein Vorwurf ist und was nicht. Man sollte sich bewusst sein, was man tut, wenn man jemandem etwas vorwirft. Achten wir darauf, wie wir sprechen und handeln! Und vielleicht wäre es besser, sich an Buckminster Fullers Strategie zu halten:

“You never change things by fighting the existing reality. To change something, build a new model that makes the existing model obsolete.”

Source: Patrick Seabird

Notre Dame und Welthunger

Notre Dame und der Welthunger

Am 15. April 2019 schaute die Welt gebannt nach Paris: Notre Dame brennt! Die Flammen waren noch nicht einmal gelöscht, da gab es schon weltweite Solidaritätsbekundungen. Sofort flossen die Spendengelder für den Wiederaufbau. Bereits einen Tag nach dem Brand waren beinahe ein Milliarde Euro an Spenden zugesagt worden.

Auf Facebook waren die Reaktionen gemischt. Zunächst gab es auch breite Solidarität. Dann kam die Kritik. Wenn ein Gebäude in Flammen aufgeht sei sofort genug Geld da. Gleichzeitig würden jedoch unzählige Kinder verhungern. Die Wertigkeiten wurden in Frage gestellt: Was zählt mehr, der Welthunger oder ein abgebranntes Haus?

Wirtschaftsphilosophische Fragen

Dahinter stecken gleich mehrere wirtschaftsphilosophische Fragestellungen.

  • Kann man mit seinem Besitz wirklich tun, was man selber möchte?
  • Steht das Recht auf Privateigentum wirklich über dem Recht auf Leben?
  • Was hat mehr Priorität: Die Ernährung der Welt oder die Erhaltung von kulturellen Errungenschaften?
  • Ist eine einmalige Spende wirklich mit dem regelmäßigen Problem der Ernährung vergleichbar?
  • Wie steht es um die Struktur unserer Weltwirtschaft, wenn manche wenige Milliarden besitzen und darüber frei entscheiden können, andere so wenig besitzen, dass sie nicht überleben können?

Der Brand von Notre Dame war nicht schön. Schön ist jedoch, dass uns die Diskussion darüber zu Grundsatzfragen führt. Wie sieht es aus mit den Themen Armut, Verteilung und Freiheit?

Armut, Verteilung und Freiheit

Szenenwechsel. Ich liege in der mexikanischen Stadt San José del Pacífico. Seit zwei Nächten kann ich nicht schlafen, weil die Mexikaner zur Feier ihres Schutzheiligen Tag und Nacht Feuerwerke in die Luft schießen. Erst kürzlich habe ich meinen Blogartikel „Gedanken über Armut“ geschrieben, in welchem darüber reflektiere, weshalb manche Menschen arm sind, andere nicht, und was Lösungsmöglichkeiten wären.

In diesem Land, in dem die materielle Armut tatsächlich noch so allgegenwärtig ist, scheint mir das Schießen von Feuerwerkskörpern noch absurder. Denn jeder, der einen Feuerwerkskörper abschießt, gibt das Geld schließlich nicht dafür aus, einen Hungernden zu nähren.

Unterschiedliche Prioritäten

Diese Erkenntnis relativiert die Frage nach der Armut und ihrer Ursachen und führt mich zur simplen Lösung: Es gibt Armut auf der Welt, weil uns andere Dinge wichtiger sind. Uns ist es wichtiger, das neueste Telefon zu besitzen, als einen Hungernden zu retten. Uns ist es wichtiger, ein Eis im Sommer zu kaufen, als eine Hungernde zu retten. Uns ist es wichtiger, auf Urlaub zu fahren, als ein verhungerndes Kind zu retten.

Die Kritik, die so viele an den Spenden an Notre Dame anbrachten, kann man gut umdrehen: Wieso hast du ein neues Handy, wieso ißt du ein Eis, wieso fährst du auf Urlaub, wenn noch ein Kind an Hunger stirbt?

Unabhängig von einer System- und Verteilungsfrage kann man die Antwort auf die Frage, weshalb Kinder an Unterernährung sterben, bei sich selber beantworten. Man muss nicht auf Milliardäre, die für Kinder spenden, zeigen. Man muss nur bei sich selber schauen, wofür man sein Geld ausgibt.

Uns ist der Welthunger einfach nicht wichtig genug, um ihn zu beseitigen. Uns allen nicht. Mir nicht. Dir nicht. Jeder hat seine Prioritäten.

Auch wir nehmen uns die Freiheit heraus, mit unserem Geld Sinnlosigkeiten zu kaufen. Auf der weltweiten Verteilungskurve sitzen wir in Zentraleuropa sowieso ganz oben. Jeder in einem ärmeren Land könnte genau so uns Vorwürfe machen, wie wir es mit den Milliardären tun.

Die individualistische Lösung

Wie lautet nun die individualistische Lösung? Was kann jeder tun, um den Welthunger zu beseitigen?

  1. Selber die eigenen Prioritäten ändern. Dann die eigenen Ausgaben ändern. Von sinnlosem Konsum hin zu Rettung von Verhungernden.
  2. Anderen Menschen helfen, ihre Prioritäten zu ändern. Ihnen diese Problematik aufzeigen. Durch das eigene Verhalten Vorbild sein.
  3. Den Armen helfen, zu Produktionsmitteln zu kommen, um von Einmalhilfen weg zu kommen.

Strukturelle Änderungen

Gut, all diese individalethischen Fragestellungen ändern natürlich nichts an den Strukturen. Natürlich gibt es auch strukturelle Ursachen von Welthunger wie unfaire Handelsabkommen, Gewalt und Enteignung. Und ein Wirtschaftssystem, das zulässt, dass Menschen verhungern, andere Milliarden besitzen.

In einem idealen Wirtschaftsystem wäre das nicht möglich. In einem idealen Wirtschaftssystem gäbe es zwar individuelle Entscheidungsfreiheit über das persönliche Eigentum. Es würde Leistung belohnt werden. Aber alles nur in einem Rahmen, nämlich im Rahmen dessen, dass andere nicht verhungern. Hier intelligente Lösungen zu finden, die nicht wieder im Totalitarismus enden, ist eine der schwierigsten Frage der Stunde. Kann eine Gemeinwohlökonomie hier Abhilfe schaffen? Oder gar die Schenkökonomie? Oder würde es reichen, Weltbank und Internationalen Währungsfonds zu verändern?

Fazit

All dieses Fragestellungen sind nicht einfach zu beantworten. Oft machen wir uns es zu leicht. Wir sehen die Spendensummen und schon kommt die Anklage. Wir suchen die Fehler bei anderen, anstatt unsere eigene Macht zu erkennen. Wir können sowohl jetzt und heute unsere Ausgabenstruktur verändern. Und wir können unsere freie Zeit nützen, um an Systemalternativen zu basteln. Es liegt, wie so oft, an uns.
Source: Patrick Seabird

Wie man einen Sinn im Leben findet

  1. Jedes unangenehme Gefühl (Angst, Wut, Eifersucht,…) bietet eine Chance!
  2. Wenn man untersucht, was dahinter steht, kann man viel lernen!
  3. Woher kommt das Gefühl? Was löste es wirklich aus? Was ist die Ursache?
  4. Wenn man dann eine Lösung für das dahinter liegende Problem findet, kann man viel heilen.
  5. Denn man kann dann auch für andere Menschen, die das gleiche Problem haben, einen Lösungsweg zeigen.
  6. So gesehen sind viele Probleme oder unangenehme Gefühle eine unglaubliche Chance, das eigene Leben und das vieler anderer zu verbessern und damit einen Sinn im eigenen Leben zu finden.
  7. Folge deinen Problemen, löse sie für dich, lehre anderen, wie du sie gelöst hast und du wirst Sinn finden!
  8. Nütze deine unangenehmen Gefühle um zu forschen!
  9. Finde Sinn, indem du dein Leben und das vieler anderer verbesserst!

Source: Patrick Seabird

Ich lebe polyamor

Ich lebe nun seit über einem halben Jahr polyamor. In dieser Blogreihe möchte ich über meine Erfahrungen mit dieser Beziehungsform berichten. Es soll um unterschiedliche Arten der Liebe, um Eifersucht, Abmachungen, Wünsche, Träume, Ängste und schließlich auch darum gehen, was das alles mit Wirtschaftsphilosophie zu tun hat.
Aber beginnen wir am besten am Anfang.

Das Symbol für Polyamorie: Ein Herz und ein Unendlichkeitszeichen kombiniert

 

Wie ich zur Polyamorie kam

Meine letzte Beziehung war streng monogam. Für fünf Jahre hatte ich mich exklusiv an eine Frau gebunden. Es war eine wunderbare Zeit, mit allen Auf und Abs, die eine solche Beziehungsform bieten kann. Als es zu Ende war, wollte ich jedoch nicht wieder so schnell monogam leben.

Ich entschied mich aktiv für ein Singleleben. Es war kein klassisches Singleleben, denn ich bin kein Mann für One-Night-Stands. Für mich ist es wichtig, in engere Beziehung zu den Menschen zu gehen, mit denen ich mich intim vergnüge. Ich möchte sie kennenlernen und sie auf einer persönlichen Ebene treffen. Binden wollte ich mich damals jedoch auf keinen Fall, was ich immer versuchte, offen darzulegen. Diese Zeit war für mich sehr wichtig, denn ich lernte, alleine aber gleichzeitig nicht einsam zu sein. Gröberen Problemen ging ich aus dem Weg, was leider auch zu Situationen führte, auf die ich teilweise heute nicht mehr stolz bin.

Über Freunde kam ich in einen regelmäßigen Redekreis, in welchem es ausschließlich um die Themen Sexualität, Liebe und Partnerschaft ging. Dort kam ich zum ersten Mal mit dem Thema Polyamorie in Berührung. Mit größter Spannung las ich das Buch „The Ethical Slut“, in welchem es um einen ethischen Umgang mit offener Liebe geht – ein Buch, das ich auch monoamor lebenden Menschen wärmstens empfehlen kann.

The Ethical Slut – ein Must Read!

Danach wusste ich: Das mit der Polyamorie möchte ich ausprobieren.

Dann lernte ich Maria kennen. Es war ein Glücksfall, dass von Anfang an eine monogame Beziehung für keinen von uns beiden in Frage kam. Zunächst wollten wir überhaupt nichts definieren. Als jedoch mehr Zeit verging wurde der Wunsch größer, Dinge beim Namen zu nennen und doch die eine oder andere Abmachung zu treffen. Seitdem lebe ich mit Maria in einer, wenn man es schon bezeichnen muss, polyamoren Beziehung. Wobei alleine das schon merkwürdig klingt. Denn was ist Polyamorie?

Was ist Polyamorie?

Dass Polyamorie schon ein etwas ungewöhnlicher Begriff ist zeigt der Umstand, dass die Wortkreation aus einem altgriechischen Wort – polýs – und einem lateinschen – amor – zusammengesetzt wurde. Ob aus Unachtsamkeit so definiert oder nicht, das Wort steht stellvertretend für eine ungewohnte Liebesform.

Wir werden in unserer Welt normalerweise von früh an in Richtung Monogamie oder, streng genommen Monoamorie sozialisiert. Hollywoodfilme zeigen uns, wie Liebe auszusehen hat. Es gibt nur Einen und der ist der Richtige und man muss ihn nur finden und dann glücklich bis zum Lebensende mit ihm zusammen sein. Am besten auch noch heiraten.

Polyamorie ist zunächst für einen so erzogenen Menschen ein erstaunliches Phänomen. Für mich ist Polyamorie ein Lernfeld. Folgende Erkenntnisse kamen mir unter anderem:

  • Polyamorie steht für die Erkenntnis, dass man mehrere Personen gleichzeitig lieben kann.
  • Polyamorie steht für eine offene und ehrliche Liebesform.
  • Polyamorie heißt, dass man miteinander kommuniziert. Viel kommuniziert!
  • Polyamorie ist die Einstellung, dass mir meine Partner und ihre Gefühle nicht gehören.

In unserer von Monoamorie fast duchgehend bestimmten Welt scheint es nur eine Skala zu geben: Entweder man ist fix in einer Zweierbeziehung oder man ist single (und auf der Suche nach einer Zweierbeziehung). Polyamorie hat mir erst die hunderten anderen Möglichkeiten gezeigt. So besteht ein Unterschied zwischen Polyamorie und offener Beziehung. Genau gibt es einen Unterschied zwischen Polyamorie und Polygamie.

Was Erich Fromm schon gut beschrieb: Wir sind in unserer Welt auf die Haben-Denkweise geprägt. „Ich HABE einen Freund/eine Freundin“, „Das ist MEINE Freundin/MEIN Freund“, usw. Das Eigentumsdenken, das den Kapitalismus definiert, hat sich auch in unsere Beziehungen eingeschlichen. Polyamorie will damit aufhören und wieder vom Haben zum Sein gehen.

Für manche ist Polyamorie mehr als nur eine Lebensweise, für die man sich entscheiden kann. Manche sehen sie als sexuelle Orientierung in die man hinein geboren wird. Andere sehen Polyamorie als politischen Akt für mehr Selbstbestimmung und Emanzipation. Ich sehe es schon so, dass man sich für Polyamorie entscheiden kann. Man kann wählen, ob man sich für eine offene Lebens- und Liebesweise entscheidet oder nicht. Polyamorie ist für mich aber mehr als nur eine Handlungsart. Es ist auch eine Einstellung, eine Lebensphilosophie, wenn man so will.

Was ich nicht sagen möchte ist, dass Monoamorie oder Monogamie schlecht sind. Auch möchte ich niemandem vorschreiben, wie er oder sie zu lieben hat. Ich habe mich zur Zeit aktiv dafür entschieden, polyamor zu leben. Dies ist mein momentaner Status und es kann natürlich sein, dass sich dieser wieder ändert. Aus Erfahrung wird man klüger.

Polyamorie ist eine Reise

Das Thema Polyamorie stellt für mich eine Reise dar, die einen an die spannendsten Orte bringen kann. Es geht um Selbsterkenntnis, Lernfelder, intensive Gespräche, spirituelle Erfahrungen und, ja, vielleicht auch um einen politischen Akt. Maria und ich befinden uns auf einem Segelboot, dass uns in eine unbekannte Welt führt. Beide geben die Richtung und Geschwindigkeit an. Ab und zu ist es auch gut, von der hohen See zurück in den Hafen zu kommen, um aufzutanken. Dann wollen wir uns aber bald wieder in die Freiheit hinaus wagen und neue Länder erkunden.

Über meine Erfahrungen aus einem halben Jahr Polyamorie möchte ich in folgenden Blogeinträgen weiter berichten!
Source: Patrick Seabird

Das philosophische Surfcamp

Ich habe eine Vision. Ich würde gerne ein philosophisches Surfcamp aufmachen.

Wie kam ich zu dieser Vision? Ich fühlte mich nicht zufrieden in meinem derzeitigen Job. Es war wirklich ein Job, das heißt, dass ich die Tätigkeit nur machte, weil ich Geld dafür bekam. Eigentlich hätte ich zufrieden sein sollen. Wenig Arbeit, viel Freizeit, ein Auskommen. Aber irgendwie passte es nicht mehr. Ich wollte etwas anderes machen, etwas, das mich erfüllt. Aber was? 

Ich startete ein Berufungsseminar. In diesem gingen wir in unsere Vergangenheit. An Hand von konkreten Lebenserfahrungen wollten wir herausfinden, was unsere Stärken sind und wo wir bisher viel Energie aufgewendet hatten. Bei diesem Berufstest kam heraus, dass ich ein philosophisches Surfcamp starten sollte.

Diese Idee hat mich bisher nicht mehr los gelassen. Ich sehe mich am Meer. Leute besuchen mich. Ich gehe mit ihnen surfen. Ich philosophiere mit ihnen am Feuer. Ich habe ein Grundstück, auf dem Permakultur-Gärten angelegt werden. Ich fühle den Spirit von Tacomepai wehen.

Wie und ob ich diese Vision erreichen werde, steht in den Sternen. Die ersten Schritte dahin sind jedoch schon getan. Vertrauen!

Wie man Fundamentalisten erkennt

Wir alle kennen sie: Die Propheten, welche uns von einer besseren Welt erzählen. Oft sind es wortgewandte Frauen und Männer, die uns mit ihren Ausführungen in den Bann ziehen, ja, begeistern. Sie scheinen die Probleme unserer Zeit aufzeigen zu können und bieten meist schon eine Hand voll sinnvoller Lösungen an. Doch woher weiß man, dass man nicht einem Betrüger aufsitzt? Wie erkennt man Fundamentalisten und Quacksalber, die gar nicht unser Bestes wollen?
Folgender Fragenkatalog kann helfen, sie zu erkennen. Aber Vorsicht! Wenn jemand den einen oder anderen Punkt erfüllt heißt das noch lange nicht, dass er ein Fundamentalist ist. Aber es ist ein erster Anhaltspunkt! Weiters muss man aufpassen, dass man sich nicht selber jeglichem Fortschritt gegenüber verschließt und zum Bremser wird. Aber sehen wir uns die Kriterien an, mittels derer man Fundamentalisten erkennt:

Profitieren sie am meisten vom vorgeschlagenen System?

Schlagen sie ein auf den ersten Blick sehr sinnvolles System vor, von welchem sie jedoch selber am meisten profitieren? Wenn die Entwicklung des Systems beispielsweise mit einer Zahlung an die betreffende Person verbunden ist, so kann das ein Anzeichen sein, dass die Person eigentlich nur ihr eigenes Interesse verfolgt.

Verwenden sie manipulative Mittel?

Beschäftige dich mit NLP und anderen Formen der zwischenmenschlichen Beeinflussung! Wendet die Person diese Mittel konsequent an, um andere in den Bann zu ziehen?
Die Entstehungsgeschichte von Propaganda ist ebenfalls interessant diesbezüglich!
Schau auf Inhalte und hinter die oft gut klingenden, leeren Phrasen!

Lies die Originalquellen!

Lies die Quellen selber, die sie zitieren!

Oft berufen sich diese Personen auf wissenschaftliche Abhandlungen und Texte von Personen, deren Namen positiv besetzt sind. Aber: Zitieren sie diese Personen überhaupt richtig? Verzerren sie nicht deren Ansichten zu ihren Gunsten?

Denke zu Ende!

Wenn das vorgeschlagene System konsequent durchgezogen würde, was wären die Ergebnisse?
Ich habe dies beispielsweise mit dem System der Privatrechtsgesellschaft durchgeführt, mit interessanten Resultaten. Auch mein Vater hat diesbezüglich interessant gebloggt!

Welche Organisation predigt ähnlich? 

Gibt es inhaltliche Verbindungen? Gibt es personelle Verbindungen? Vertritt die Person eigentlich andere Interessen? Ein gutes Beispiel hierfür ist die Tea-Party-Bewegung in den USA.

Wende das, was sie anderen vorwerfen, auf sie selber an!

Oft hilft es, die Vorwürfe anderen gegenüber ihnen selber vorzuwerfen. Dreh den Spieß um und schau, was passiert!

Ändern sie ihre Meinung?

Ändern die Propheten ihre Meinung? Geben sie frühere Fehler zu? Nein? Wollen sie überhaupt Erkenntnis? Erkenntnis hängt immer mit Versuch und Irrtum zusammen. Niemand gibt gerne Fehler zu. Wenn jemand jedoch in der Vergangenheit offensichtlich Fehler gemacht hat, diese aber weiterhin ignoriert, so ist zumindest etwas faul. 

Höre auf dein Gefühl!

Sagt deine innere Stimme: Hier stimmt etwas nicht? Dann wäre es gut zu erforschen, weshalb dieses Gefühl da ist. Vorsicht: Gefühle können aber auch täuschen, weil sich das Neue meist ungewohnt anfühlt und unintuitiv ist.

Hört es sich zu gut an, um wahr zu sein? 

Versprechen sie paradiesische Zustände, wenn man ihr System anwendet? Bietet ihr System den Überfluss, die Lösung aller Probleme oder unermesslichen Reichtum ohne Aufwand an?
Fast alle dieser Menschen bieten Lösungen an. Wenn die Lösung jedoch ein Paradies auf Erden darstellt und das ohne, dass man etwas dafür tun muss, so ist es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Betrug.
Bestes Beispiel dafür ist das Auftriebskraftwerk.

Warum sind Fundamentalisten gefährlich?

Und warum sollte man sich vor solchen Personen schützen?

  • Sie benützen andere für ihre Ziele.
  • Sie werden manchmal von Hintermännern bezahlt, die etwas ganz anderes im Sinn haben.
  • Sie verwenden manipulative Mittel. Auch wenn der Zweck gut ist: Der Zweck heiligt nicht die Mittel!
  • Die Ausführung ihrer Vorschläge hätte katastrophale Folgen.
  • Sie sind selber festgefahren und stehen ihrem eigenen Erkenntnisfortschritt und damit dem anderer im Weg.

 

Die Frage, die sich nun jeder selber stellen muss:

Bin ich selber ein Fundamentalist?

Das Wohnprojekt als Mikrokosmos unserer Gesellschaft

Dieses Jahr bin ich in das von mir mit initiierte Wohnprojekt Künstlergasse eingezogen. Beim Aufbau dieses Wohnprojekts konnte ich spannende Einsichten in die Entstehung von gesellschaftlichen Strukturen bekommen.

Das Wohnprojekt Künstlergasse

Schließlich stellt so ein Haus einen Mikrokosmos unserer Gesamtgesellschaft dar, auch wenn man natürlich nicht alles von klein auf groß umlegen kann. Aber es gibt mittlerweile einige Punkte, welche ich zuvor an unserem System kritisiert hatte, ich nun jedoch zumindest nachvollziehen kann.

Folgendes konnte ich unter anderem bisher lernen:

1) Demokratie

Es ist gar nicht so leicht, sinnvolle Entscheidungsregeln für eine Gemeinschaft zu finden. Wenn man das Mehrheitsprinzip anwendet, so kann es passieren, dass einzelne Personen komplett unzufrieden bleiben. Wie geht man mit Minderheiten um?
Einstimmigkeit ist bei über 20 Personen sowieso fast nie gegeben. Andere Abstimmungsarten wie das SK-Prinzip stellen zwar die meisten Mitglieder zufrieden. Sie sind jedoch meist sehr langwierig und für schnelle Entscheidungen nicht sinnvoll.
Derzeit hat sich auch eine Art repräsentative Demokratie bei uns eingeschlichen. Denn es werden die Abstimmungen schon vorher von Arbeitsgruppen vorbereitet, die sinnvolle Alternativen vorbereiten. Hier ist denkbar, dass schon Alternativen, welche nicht im Interesse der jeweiligen Arbeitsgruppe liegen, gar nicht zur Abstimmung kommen. Weiters kommen nicht immer alle zu den Abstimmungstreffen. Für diese wird dann von anderen entschieden, wenn sie ihre Stimme nicht delegieren.

All dies macht das Thema Demokratie so spannend. Denn was passiert, wenn man mit einer Abstimmungsart nicht mehr zufrieden ist? Wie kann man bereits etablierte Strukturen wieder aufbrechen?

2) Wachsen der Gruppe:

Wenn sich eine Gruppe vergrößert, kann man oft Sprünge in der Stimmung erleben. Unter 10 Personen ist es noch sehr leicht. Es geht informell vonstatten, denn man kennt sich untereinander sehr gut. Ab ca. 15 Personen wird es schon schwieriger. Untergruppen bilden sich automatisch. Gleichzeitig müssen die Entscheidungsstrukturen mit wachsen und nach meiner Erfahrung auch strikter werden. Man braucht sich dann nicht wundern, dass eine größere Gruppe nach ganz anderen Regeln funktioniert als eine kleine.

Informationen zu vermitteln braucht bei mehr Menschen länger, daher braucht es bald auch bessere Tools. In unserer Gruppe wurden demnach Technologien wie ein Webspace, ein E-Mail-Verteiler und eine Homepage eingerichtet, um der Informationsflut Herr zu werden.
 
Es ist bewundernswert, wie das auf staatlicher Ebene überhaupt funktionieren kann. Wenn man zum Beispiel die Bevölkerungszahlen Thailands ansieht, so kann nur staunen. Lebten im Jahr 1911 noch um die 8,2 Millionen Einwohner dort (also ungefähr so viele wie Österreich heute), so beherbergt das Land mittlerweile 69 Millionen Menschen.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Thailand#mediaviewer/File:Entwicklung_der_Bev%C3%B6lkerung_in_Thailand.jpg

Strukturen müssen sich notgedrungen verändern, wenn so viele neue Menschen dazu kommen. Jede Gruppe von Leuten muss sich auf das einstellen: Wenn sie wächst, gibt es automatisch strukturelle Veränderung.

3) Regeln

Was uns zu den Regeln bringt. In jeder Gemeinschaft gibt es Gewohnheiten und Regeln. Was am Anfang nur eine Gewohnheit ist, wird für neue Mitglieder schon schnell zur unumstößlichen Regel.

Ich bin mittlerweile überrascht, dass selbst in unserem kleinen Projekt schon ein so großer Regelberg besteht. Diese Regeln auszuhandeln und zu verändern wird selber immer komplizierter. Auch die Durchsetzung der Regeln wird problematisch. Wenn sich alle daran halten, so gibt es sowieso keine Probleme. Nur wenn einzelne absichtlich oder unabsichtlich gegen Abmachungen verstoßen, wird es wieder verzwickt. Wie sanktioniert man die Regeln? Kommt es nur zu einem amikalen Gespräch? Was, wenn der vorher ausgemachte Weg von manchen verlassen wird, zum Schaden der gesamten Gruppe?

Ich wundere mich nicht mehr über die komplexe Gesetzeswelt, in welcher wir leben. Schon in unserer Gemeinschaft von 20 Menschen ist es so vielschichtig. Wie kann man da sinnvolle, einfache Regeln für Gesellschaften von 20 Millionen Menschen oder mehr aufstellen?!

Der Gemeinschaftsraum, in dem auch die Gruppenentscheidungen getroffen werden.

4) Wirtschaftsform

Selbst bei der zu wählenden Wirtschaftsform kann man schon zwei Tendenzen in unserem Wohnprojekt sehen. Auf der einen Seite haben wir die Geschenksökonomie-Fraktion. Sie möchte das System nach dem Prinzip „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“ aufgebaut sehen. Wenn man etwas für die Gemeinschaft tun möchte, so soll man das können. Wenn man etwas von der Gemeinschaft braucht, so soll man es bekommen. Verpflichtet soll sich keiner fühlen, weder die Nehmenden, noch die Gebenden.

Auf der anderen Seite gibt es auch das marktwirtschaftliche Lager. Diese meinen, Tätigkeiten sollten fair entlohnt werden. Wenn jemand mehr für die Gemeinschaft macht, so soll er auch mehr bekommen, oder zumindest wengier woanders geben müssen.

Diese beiden Tendenzen widersprechen sich teilweise. Denn wenn beide Prinzipien herrschen, so gibt es manche in der Gruppe, die viel geben und wenig nehmen wollen und das nach dem Schenkprinzip sehen. Andere nehmen viel und geben viel und sehen das als gerechtfertigt an. So eine Mischung kann schnell zu Unzufriedenheit in der Gruppe führen.

Es ist schon in unserem Wohnprojekt schwer, sich auf eine Form zu einigen. Kein Wunder, dass wir uns global derart über diese Themen zanken.

Erwähnenswert ist noch unser Kost-Nix-Kastl. Es repräsentiert einen funktionierenden Aspekt der Geschenksökonomie innerhalb unserer Gemeinschaft.

Kost-Nix-Kastl

Lernen

Der Lernprozess ist noch nicht abgeschlossen. So ein Wohnprojekt ist eine lebendige Gemeinschaft, die sich ständig verändert. Man könnte noch über viele Aspekte hier schreiben. Es lohnt sich, immer den Vergleich zu ziehen: Wo tendieren wir hin zu Strukturen und Phänomenen, die wir auf globaler Ebene beobachten können? Was davon ist gut und was weniger sinnvoll? Wiederholen wir nur, was sich in den anderen Gesellschaften auch negativ abspielt? Oder durchbrechen wir diese Tendenz und können uns unser eigenes kleines Paradies schaffen?
Es bleibt spannend!

Die Informative als vierte Staatsgewalt oder: Brauchen wir wirklich Lobbys?

Es gibt wieder einen interessanten Film, mit dem Titel „The Brussels Business. Who runs the European Union?„, im Kino zu sehen:

Gleich vorweg: Ich habe den Film noch nicht gesehen. Aber jeder öffentliche Betrag, der den maroden Zustand unserer Demokratie aufzeigt und Diskussionen anregen kann, darf begrüßt werden.

Eine spannende Diskussion fand heute im Anschluss an die Filmvorführung im Burgkino in Wien statt, an der ich teilnahm. Am Podium waren unter anderem:

  • Franz Fischler – ehemaliger EU-Kommissar; 
  • Friedrich Moser – Regisseur und Drehbuchautor des Films; 
  • Alexandra Strickner – Vorstandsmitglied von ATTAC Österreich 

Franz Fischler überraschte mit einer ausgewogenen Sichtweise. Man spürte, dass ihm das Projekt EU am Herzen liegt. Er hatte jedoch auch einen kritischen Blick auf die derzeitige Verfassung und sah das einseitige Lobbying sehr wohl als Problem. Überrascht hatte mich der Kommentar vom Regisseur des Films – Friedrich Moser. Er meinte nämlich, dass Lobbying nicht per se schlecht sei und dass ja NGOs wie ATTAC oder Umweltverbände auch Lobbying betrieben. Ich stellte daraufhin in der Diskussion die Frage, ob denn nicht in einer funktionierenden Demokratie Lobbys überflüssig würden? Die Antwort war, dass es auch in Demokratien Lobbyarbeit zugunsten von Minderheiten bräuchte.

Ich möchte hier meinen Punkt noch ein wenig ausformulieren, denn es kommt natürlich darauf an, wie man Demokratie definiert. Erstens denke ich, dass es einen Unterschied macht, ob Industrievertreter Lobbying betreiben oder etwa Umweltvertreter. Denn wenn Vertreter eines Industriezweiges nach Brüssel fahren, so haben sie meist nur einen Auftrag: Den Gewinn ihrer Auftraggeber zu steigern. Somit versuchen sie, zu ihren eigenen Gunsten Einfluss auf die Politik zu nehmen. Im Gegensatz dazu haben sich NGOs wie ATTAC oder Umwelt-Organisationen ein Ziel auf die Fahnen geheftet, welches der Allgemeinheit dient. Im günstigsten Fall vertreten sie damit die Interessen aller. Gerade bei der Umwelt wird das deutlich: Ohne Planet gibt es auch keine Wirtschaft. Ihn zu schützen sollte Vorrang haben vor anderen Interessen wie beispielsweise der Gewinnmaximierung.

Dies führt gleich zum zweiten Punkt, nämlich: Sollten nicht in einer Demokratie sowieso die Interessen aller vertreten werden? Eine Demokratie sollte Herrschaft durch das Volk und für das Volk sein. Und damit ist das gesamte Volk gemeint, also ebenso die Minderheiten. Eigentlich sind doch die Politiker schon eine Lobby, nämlich die des gesamten Volkes. Warum wir in einer Demokratie dann noch Lobbys, welche wiederum Einfluss auf die Lobby des Volkes nehmen, brauchen, ist eigentlich unverständlich. Eine funktionierende Demokratie würde Lobbys überflüssig machen.

Nun ist ein Problem in unserer heutigen sogenannten Demokratie, dass die Mehrheit sehr manipulierbar ist und wir auch deshalb Minderheitenschutz und Lobbys zu brauchen scheinen. Die Manipulation erfolgt dabei unter anderem durch die Medien. Diese werden deshalb oft auch als Vierte Macht im Staat bezeichnet. Nun haben wir in unserem derzeitigen System das Problem, dass diese Macht wiederum in der privaten Hand Weniger und keineswegs demokratisch aufgestellt ist. Noam Chomsky beschrieb diese Problematik schon in seinem Buch mit dem treffenden Titel „Manufacturing Consent„. Somit dienen die Massenmedien wiederum nicht dem Interesse der Allgemeinheit, sondern verbreiten fast nur die Propaganda ihrer Eigentümer.

Wäre es deshalb nicht sinnvoll, um einen Schritt hin zu mehr Transparenz und zu einer funktionierenderen Demokratie zu machen, eine wirkliche Informative, ähnlich der Idee einer Monetative, zu gründen? Eine kurze Recherche im Internet hat ergeben, dass es schon Menschen gibt, die sich mit dieser Thematik beschäftigen.

Ich denke, das sind die ernsthaft zu erwägenden Schritte: Nicht zusätzliches Lobbying brauchen die die Volksvertreter als Lobby aller, sondern mehr Transparenz, mehr Legitimation und kurz: Mehr Demokratie.

Demokratisieren wir uns!

Dies ist eine Antwort auf die Anregungen von Christian Apls Blogpost „Demokratisiert Euch“!

Ich mache folgenden Vorschlag:
Manche Soziologen sprechen davon, dass eine ideale Gruppengröße 150 Leute nicht übersteigen sollte. Wenn mehr Leute in der Gruppe sind, dann wird es unpersönlich. Bei 150 kann man jeden noch mehr oder weniger persönlich kennen. Einige Unternehmen wie z.B. das Unternehmen Gore wenden das sehr erfolgreich an, siehe Wikipedia-Artikel über Gore.

Angenommen, man nimmt eine Gruppengröße von 100 Leuten an. Diese wählen aus ihrer Mitte einen Vertreter. Auch die Vertreter werden in Gruppen zu 100 Leuten zusammengefasst und wählen wiederum Vertreter, die wiederum in Gruppen zusammengefasst werden. Dann haben wir, wenn wir von einer Bevölkerung von 7 Milliarden Menschen, gerade mal 5 Ebenen (100^5) und alle Menschen sind vertreten.

Dies könne man kombinieren mit den Prinzipien der Integralen Organisationsform bei der jede Gruppe ihren Vertreter in die höhere schickt und die oberen wiederum Repräsentanten in die niederen schicken.

Und drittens könnte man als Regel für Abstimmungen das SK-Prinzip anwenden, mittels dessen die Entscheidung getroffen werden kann, welche auf den geringsten Gruppenwiderstand stößt.

Wenn man all dies auf einer offenen und transparenten Plattform über das Internet realisiert und schließlich noch mit einem demokratischen Geldsystem verbindet, so könnte das die Demokratieform der Zukunft sein.

Rette die Welt!

„Die Regierung hat uns beauftragt, die Welt zu retten“ – Bruce Willis im Film Armageddon

Wir Menschen leben generell in Gemeinschaften. Wir orientieren uns an den Menschen in unserer Umgebung, an denen im Fernsehen, in unseren Büchern und an denen, die wir aus dem Internet kennen. Wir glauben oft, wir hätten keine Macht, um die Welt zu verbesern. Dabei ist Macht immer etwas Kollektives. Kollektiv handeln wir zusammen und schaffen so den Zustand unserer Welt. Das Kollektiv besteht aber auch nur aus Einzelpersonen. Es besteht aus dir und mir. Wenn man also das Kollektiv ändern möchte, muss man sich selbst ändern und das, obwohl alle anderen eventuell anders handeln. Man muss sich gut verhalten, obwohl andere sich schlecht verhalten. Das muss man tun, obwohl man glaubt, dass man nichts ändern kann. Man muss sich nur bewusst sein, dass jede noch so kleine Verbesserung der Welt sie besser macht, sei es, dass ich nur noch 110 auf der Autobahn fahre statt 120 kmh, oder sei es, dass ich einmal in der Woche auf Fleisch verzichte, oder sei es, dass ich bei der nächsten Wahl wirklich die Partei wähle, die echt meine Interessen vertritt! Es ist das Kleinvieh, das den Mist macht.

Somit ist jeder Weg, der gegangen wird, wichtig. Jede neue Schneise, die du in den Urwald schlägst, wird höchstwahrscheinlich wieder begangen werden. Die Vorbildwirkung ist nicht zu unterschätzen. Wenn du einen guten Weg siehst, dann begehe ihn! Andere werden ihn ebenso begehen. Du musst die Welt retten! Wenn du ein Problem siehst und nichts dagegen unternimmst, bist du selbst Teil des Problems. Dies stimmt vor allem deshalb, weil die Macht oft nur durch stumme Zustimmung der Masse zustande kommt. Also steh auf und verändere die Welt!

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