MMag. Patrick Siebert

Patrick Seabird

Category: Allgemein

Was ist Polyamorie?

In einem vergangenen Post habe ich darüber geschrieben, dass ich polyamor lebe und wie ich zu dieser Liebesform gekommen bin. Begriffe kann man unterschiedlich deuten und so mancher versteht unter dem selben Begriff etwas anderes. Nur allzu oft wird Polyamorie mit Polygamie verwechselt. Doch was ist Polyamorie genau und wie kann man sie einordnen?

Graphische Zusammenfassungen

Folgende Graphiken können einen ersten Überblick verschaffen (Ich poste sie hier nicht direkt aus urheberrechtlichen Gründen). Überraschend mag zunächst die Vielfalt der Beziehungskonzepte sein.

http://beziehungsgarten.net/blog/wp-content/uploads/2015/05/v2_1deutsch-die-vielfalt-der-liebesbeziehungskonzepte.jpg

Diese Grafik gefällt mir persönlich am besten. Sie ist einfach strukturiert und gibt einen ersten Überblick. Nach diesen Definitionen würde ich mich persönlich unter “Offene Beziehung” oder allerhöchstens unter “Hierarchische Polyamorie” sehen.
Weiter geht schon die MonoPoly-Matrix, welche man hier einsehen kann:

http://www.christianruether.com/wp-content/uploads/2018/01/MonoPoly-Version-1.6-final-Word.pdf

Die Autoren vergeben den unterschiedlichen Konzepten Smileys bei der Bewertung, ob sie polyamor einzuordnen sind oder nicht. Auch nach der Tabelle würde ich mich unter einer Offenen Zweierbeziehung einordnen.
Unübersichtlicher wird es bereits hier:

http://www.obsidianfields.com/lj/nonmonogamy3-large.png

Spannend ist der Titel “The types of non-monogamy”, weil er Polyamorie hier negativ formuliert: Alles, was nicht monogam ist. Ich habe keine Ahnung, wo ich mich hier einordnen würde.
Und zuletzt noch eine wieder einfachere, welche Beziehungen in offen und geschlossen einteilt:

http://www.christianruether.com/wp-content/uploads/2017/12/close-open-vice.jpg

Was eint diese Definitionen?

Was all diese Definitionen eint, ist der Blick auf die Vielfalt. In unserer westlichen Welt, durch Hollywoodfilme indoktriniert, herrscht ein Bild von Beziehungen vor: Das monogame, exklusive, geschlossene.

Aus meiner Sicht lohnt es sich, dieses Bild zu erweitern und neue Dinge aus zu probieren. Ich habe daraus schon viel über zwischenmenschliches Zusammenleben und Liebe lernen können.

Wichtig ist zu beachten, dass selbst wenn man mit polyamor lebenden Menschen spricht, es zu Kommunikationsproblemen kommen kann. Was meint die andere Person, wenn sie das Wort polyamor in den Mund nimmt? Meint sie offene Beziehung? Meint sie Polyfidelity? Meint sie Beziehungsanarchie?

Und hier wird wiederum das besonders wichtig, was in allen Beziehungsformen, egal ob geschlossen oder offen, gilt: Kommunikation ist der Schlüssel für ein gutes Zusammenleben!
Source: Patrick Seabird

Warum uns die Arbeit nicht ausgehen wird

Eine Definition von Arbeit

Immanuel Kant gibt in seiner Metaphysik der Sitten eine interessante Definition von Geld. Geld sei „[…] das allgemeine Mittel, den Fleiß der Menschen gegeneinander zu verkehren[…]“[1]

Interessant ist diese Definition deshalb, weil Kant das Augenmerk auf den menschlichen Fleiß legt. Die meisten von uns kennen dies aus dem Alltag nur zu gut: Wir müssen arbeiten, um Geld zu bekommen. Wir müssen fleißig sein. Umgekehrt können wir uns mit dem Geld den Fleiß anderer Menschen zukommen lassen. Auch, wenn wir Waren kaufen, so kaufen wir den Fleiß anderer. Denn es war aufwendig, das Produkt herzustellen, sei es, die Fabrik aufzubauen, sei es, überhaupt die Idee der Ware zu haben, sei es, den Produktionsprozess zu entwickeln, oder sei es auch nur, Risiken einzugehen, die andere nicht eingehen wollen. Die größten Ausgaben der meisten Unternehmen sind die Personalkosten, das heißt die Kosten für den Fleiß der darin arbeitenden Menschen. Somit lässt sich zusammenfassend gut sagen: Der Wert von Geld kommt auch daher, weil man sich den Fleiß anderer aneignen kann.

Natürlich gibt es nicht zu vernachlässigende Ausnahmen dieses Prinzips. Manche können Geld erlangen, ohne fleißig zu sein. Sei es einerseits Menschen, die durch staatlich sanktionierte Umverteilungsmaßnahmen auch ohne Arbeit zu Geld kommen. Sei es andererseits Menschen, die wiederum durch staatlich durchgesetzte Eigentumsgrenzen, wie Grundstücksgrenzen, ohne Arbeit zu Geld kommen. Man denke nur an Mieteinnahmen die teilweise nur dadurch möglich sind, dass Wohnraum durch staatliche Regeln wie Bauvorschriften oder Grundstückswidmungen knapp gehalten wird. Weiters heißt Fleiß nicht unbedingt gleich Einkommen, wovon viele allein erziehende Mütter oder Väter ihr leidiges Lied singen können.

Aber bleiben wir einstweilen bei der Grundannahme, dass man mit Geld den Fleiß der Menschen austauscht.

Knappheit und Geld

Wie verhält es sich nun, wenn für manche Dinge menschlicher Fleiß nicht mehr notwendig ist? Dann verliert das Geld seine Macht über diese Dinge. Wenn es nicht aufwendig ist, etwas zu erschaffen, so wird man nichts dafür zahlen müssen. Ein Blatt Papier mit einem Strich darauf ist beispielsweise für fast jedermann selber herstellbar. Wir würden niemanden dafür bezahlen, das für uns zu machen. Brauche ich jedoch auf einmal tausend Blatt Papier mit einem Strich darauf, so ist dafür so viel Fleiß nötig, dass ich eventuell jemanden bezahle. Sauerstoff wird uns noch von den Ökosystemen im Überfluss zur Verfügung gestellt. Daher muss man für das Atmen nicht bezahlen. Das heißt umgekehrt: Möchte ich Geld verdienen, muss ich zumeist für andere fleißig sein.

In anderen Worten ausgedrückt: Was nicht knapp ist, ist nichts wert. Mit Dingen des Überflusses kann man kein Geld verdienen.

Technologischer Fortschritt befreit uns nun von Tätigkeiten. Dinge, die früher in der Herstellung sehr aufwendig waren, können heute durch Maschinen sehr schnell, einfach und in großer Stückzahl produziert werden. Somit ist für viele Dinge heutzutage nicht mehr so viel menschlicher Fleiß nötig. Braucht man weniger Menschen in der Herstellung, sinken die Personalkosten und damit potenziell die Verkaufspreise. Daher sind diese Dinge auch sehr billig geworden. Dies führt wiederum dazu, dass sich mehr Menschen mehr Dinge leisten können.

Das bedeutet jedoch, dass man Einkommen nur durch knappe Tätigkeiten erzielen kann. Um einen Arbeitsplatz zu haben muss man eine Tätigkeit suchen, die Fleiß erfordert.

Arbeit kann uns also so lange nicht ausgehen, wie es knappe Dinge, also Dinge gibt, für die es menschliche Arbeitskraft braucht. Umgekehrt sind Dinge, für die es keine menschliche Arbeitskraft braucht, in den meisten Fällen nicht knapp. Es gibt also einen Zusammenhang zwischen Knappheit, Fleiß, Einkommen und Geld, welcher sich über die Preise ausdrückt.

Wie verhält es sich mit dem BGE?

Nun werden international Stimmen für das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) laut, begründet durch den technologischen Fortschritt. Das Argument lautet, dass die Maschinen uns bald die gesamte Arbeit abnehmen und wir daher ein BGE brauchen. Diesen Denkansatz habe ich schon an anderen Stellen kritisiert.

Nach obigen Ausführungen kann davon ausgegangen werden, dass uns die bezahlte Arbeit eigentlich nicht ausgehen kann. Zwar werden einzelne Stellen oder gar ganze Branchen durch Maschinisierung ersetzt, das ist klar. Genau so, wie der Kämmler https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%A4mmler, Donkeyman https://de.wikipedia.org/wiki/Donkeyman oder Draufschläger https://de.wikipedia.org/wiki/Draufschl%C3%A4ger ausgestorben sind und eigentlich niemand diese Berufe vermisst.

Arbeit wird nicht ausgehen

Aber dass sämtliche Knappheit im obigen Sinne aufhört zu existieren, ist unwahrscheinlich. Selbst wenn sämtliche Hand- und Kopfarbeiten schon von Maschinen und Computern erledigt werden können, so wird es zwischenmenschliche Tätigkeiten geben, die nicht von Robotern durchführbar sind. Solange es auch nur die eine oder andere zwischenmenschliche Tätigkeit gibt, die menschlichen Fleiß erfordert, auch wenn es „nur“ ein gutes Zuhören ist, so lange wird es auch bezahlte Jobs geben. Wenn man eine Tätigkeit findet, die andere brauchen und nicht selber ausführen können oder wollen, so wird man in den meisten Fällen auch ein Einkommen dafür finden werden. Und das unabhängig von möglicher Maschinisierung.

[1] Zitiert aus: Asmuth, Christoph; Nonnenmacher, Burkhard; Schneidereit, Nele [Hrsg.]: Texte zur Theorie des Geldes. Philipp reclam jun. GmbH & Co. KG. Stuttgart: 2016. Reclams Universal-Bibliothek Nr.19370. S.77.
Source: Patrick Seabird

Warum ich nie schwarz fahre

Ich mag die Wiener U-Bahn. Sie ist zuverlässig, relativ sauber und man kommt überall hin. Sie ist verhältnismäßig günstig. Warum sehe ich sie als günstig?

Angenommen es gäbe sie nicht. Dann könnte man sich ein Auto kaufen. Doch da müsste man eine sehr hohe Summe auf einmal aufbringen. Und man stelle sich den Verkehr in Wien vor. Das wäre vermutlich teurer und langsamer.

Man könnte stattdessen nur mit dem Taxi fahren, was sicher teurer als die U-Bahn wäre.

Man könnte zu Fuß gehen, was zwar billiger wäre, aber sehr, sehr langsam.

Alleine das Rad kann zumindest auf mittlerer Strecke zeitmäßig mithalten und ist billiger. Citybikes sind hier die günstigste Alternative. Die Registrierung kostet einen Euro und man muss die Instandhaltungskosten nicht tragen. Dafür sind Citybikes sehr anstrengend zu fahren.

(Die Rechnung ist natürlich komplizierter, denn gäbe es keine U-Bahn, wäre keine U-Bahnsteuer zu zahlen und man hätte eventuell mehr Geld im Geldbörsl, was die Alternativen verhältnismäßig wieder billiger machen würde. Aber wenn man solche Transferzahlungen inkludiert, müsste man auch die Steuergelder für die Straßenerhaltung abziehen usw., was die Rechnung sehr kompliziert machen würde)

So gesehen ist also die Wiener U-Bahn günstig und schnell.

Früher bin ich viel schwarz gefahren. Es gilt in Wien als Kavaliersdelikt, ja beinahe als cool. Die Leute sind immer ganz verwundert, wenn ich ihnen erkläre, dass ich nicht schwarz fahre. Man wird beinahe schräg angeschaut, wenn man sich einen Fahrschein kauft. Erwischt wird man so selten, dass es sich finanziell zumindest auszahlt.

Hier möchte ich erklären, warum ich nicht mehr schwarz fahre.

Der erste Grund ist der, dass ich es gut finde, dass die U-Bahnen so offen sind. In Paris beispielsweise muss man bei jedem Eingang durch Schranken gehen. Das ist erstens laut, zweitens kostet es Zeit (manchmal muss man anstehen) und drittens müssen diese Schranken wieder gebaut, gewartet und damit von irgendwem bezahlt werden, sie sind also auch ineffizient. In Wien gibt es keinen Schranken. Wer dies ausnützt, der ist dafür, dass Schranken eingeführt werden.

Hier sorgt ein Schild für Ordnung: “Durchschreiten der Sperre nur mit gültigem Fahrausweis”

Wer schwarz fährt, ist also für höhere Zäune und strengere Kontrollen. Diese Offenheit auszunützen ist, wie zu schnell auf der Autobahn zu fahren, weil eh nicht geblitzt wird (ohne darüber nachzudenken, was der Sinn von Geschwindigkeitsbegrenzungen ist). Oder wie im Geschäft nicht zu bezahlen, weil gerade niemand zuschaut. Oder bei jemandem Fremden in die Wohnung zu gehen, weil die Wohnungstüre zufällig offen stand. Wer für eine offene U-Bahn ist, bezahlt. Erwachsen werden heißt, Dinge zu tun, obwohl sie die Eltern empfohlen haben. Oder eben für die U-Bahnfahrt zu bezahlen, obwohl und gerade weil nicht genau kontrolliert wird.

Der zweite Grund ist der, dass die U-Bahn eine öffentliche Einrichtung ist. Gerade solche gilt es eigentlich zu schätzen. Natürlich gibt es Gegner von solchen Institutionen. Vertreter des freien Marktes sehen Gemeingüter als ineffizient an. Sozialismus bedeutet für sie Unfreiheit. Ich frage mich jedoch, ob die Schwarzfahrer das auch so sehen. Warum haben die meisten Schwarzfahrer ein Problem damit, einen Taxifahrer zu betrügen oder im Geschäft zu stehlen, aber wenn es um die Betriebe geht, die ihnen zu einem winzigen Teil zumindest selber gehören, da prellen sie die Zeche ohne zu zögern. Beim Bäcker ist es normal, dass wir für die Leistung zahlen. Warum bei der U-Bahn nicht? Ich bin für öffentliche Einrichtungen, daher zahle ich gerade bei diesen gerne.

Wenn ich Leuten diese zwei Punkte erkläre, so erwidern sie oft, dass sie der Meinung sind, dass U-Bahnen überhaupt gratis sein sollten. Dies ist zwar nicht das Thema, aber ich möchte auch kurz darauf eingehen: Das Geld für den Fahrschein wird ja für etwas verwendet. Es werden beispielsweise die Mitarbeiter bezahlt. Oder die Lifte gewartet. Die U-Bahn gratis zu machen wäre nur auf zwei Arten möglich: Entweder es würden einige Leute auch gratis arbeiten. Da ich ein Verfechter der Schenkökonomie bin, fände ich das natürlich wünschenswert. Wenn die U-Bahn-FahrerInnen sagten: „Ab morgen fahren wir gratis, damit niemand mehr für die Fahrt bezahlen muss“, so fände ich das sehr cool. Unwahrscheinlich. Die zweite Möglichkeit wäre, um den fehlenden Betrag dann die Steuern zu erhöhen. Würde eine Partei sich beliebt machen, wenn sie anbieten würde, die Steuern zu erhöhen? Unwahrscheinlich. Wer also dafür ist, dass die U-Bahn gratis ist, kann entweder gratis für die Wiener Linien arbeiten oder lieber mehr Steuern zahlen. (Außer wiederum man müsste bei einer Gratis-U-Bahn weniger Straßen bauen, weil die Leute vom Auto umstiegen, und die Beträge würden sich saldieren, aber das ist wiederum eine beinahe unmögliche Kalkulation). Wer selber nicht gerne gratis arbeitet und gerne fair für seine Leistung entlohnt wird, der sollte auch zahlen, wenn er selber eine Leistung konsumiert, selbst wenn nicht kontrolliert wird und es ein Staatsbetrieb ist.

Ich fahre heutzutage überwiegend mit dem Rad. Aber wenn ich mit der U-Bahn fahre, dann zahle ich aus obigen Gründen auch dafür.
Source: Patrick Seabird

Artikel über die Zukunft des Geldes

Im Magazin T3N (Auflage: 25.000 Stück!), Ausgabe 27, ist ein Artikel von mir erschienen. Es kann hier bestellt werden:
Virtuelle Währungen: Die Zukunft des Gelds

“Unser heutiges Geldsystem stößt an seine Grenzen. Liegt die Zukunft in einem dezentral vernetzten Geldsystem, dessen Grundlage das Internet ist? Steuern wir mit virtuellen Währungen wie Bitcoin oder Facebook Credits gar auf eine geldlose Zukunft zu? Der folgende Artikel liefert Einschätzungen zu den aktuellen Entwicklungen im Geldsystem.”

Quelle: http://t3n.de/magazin/virtuelle-wahrungen-zukunft-gelds-229567/

Leben wie ein Fluss

Das Leben ist wie ein Fluss.
Wenn man sich treiben lässt, geht es weiter.
Doch manchmal gelangt man ins Kehrwasser oder es treibt einen nicht mehr weiter von alleine.
Dann muss man das Treiben aufgeben, zumindest für kurze Zeit, und wieder aus eigener Kraft, aktiv, versuchen, weiter zu kommen.