MMag. Patrick Siebert

Patrick Seabird

Author: Sinnschrifter (page 1 of 4)

Was ist Marketing?

Was ist Marketing?

Als ich Internationale Betriebswirtschaft studierte, durften wir folgende Definition von Marketing auswendig lernen:

“Marketing ist ein Prozeß im Wirtschafts- und Sozialgefüge, durch den Einzelpersonen und Gruppen ihre Bedürfnisse und Wünsche befriedigen, indem sie Produkte und andere Dinge von Wert erzeugen, anbieten und miteinander austauschen.”Kotler, Philip/Bliemel, Freidhelm: Marketing Management. Analyse, Planung und Verwirklichung. Stuttgart: Schäffer-Poeschel Verlag, 2001, 10., überarbeitete und aktualisierte Auflage, S.12.

Diese Definition ist so weit gefasst, dass sie eigentlich komplettes Wirtschaften inkludiert. Sie unterscheidet Marketing nicht von Produktion, von Vertrieb oder einfachem Handel.

Marketing als Transformationsbegleitung

Eine aus meiner Sicht bessere Definition gibt der Gründer von Digital Marketer, Ryan Deiss. Er beschreibt, dass jedes Produkt eine Transformation beim Nutzer auslöst. Die Semmel transformiert dich von hungrig zu satt, der BMW von gefühlt niedrigem Status zu einem Achiever (lol). Diese Transformation ist das, was man abstrakt als “Value” oder Wert bezeichnet. Eine Semmel ist wertvoll, weil sie meinen Hunger stillen, ein BMW, weil er vorgeblich meinen Status erhöhen kann.

Ryan Deiss beschreibt seine Defintion von Marketing

Die Rolle von Marketing ist es nun, die Transformation zu begleiten und durch Kommunikation zu ermöglichen.

Die einfachste Definition

Die einfachste Definition von Marketing, die mir bisher unterkam, ist die folgende:

“Tue Gutes und rede darüber”

Leider ist nicht ganz klar, von wem sie stammt. Das “Rede darüber” bezieht sich heutzutage natürlich auf sämtliche Kommunikationsformen: Schrift, Sprache, Bild, Video, Vorzeigen,…
Das “Tue Gutes” zeigt auf einen wichtigen Aspekt: Dass das zugrunde liegende Produkt tatsächlich auch erfüllen sollte, was es verspricht.

Ein gutes Produkt ist die Voraussetzung

David Ogilvy

David Ogilvy, der allgemein als der “Father of Advertising” bezeichnet wird, geht auf diesen Punkt gesondert ein:

“The product must be one which we would be proud to advertise.[…] I steer clear of products whose sales have been falling over a long period, because this almost always means that there is an intrinsic weakness in the product[…]” Ogilvy, David: Confessions of an Advertising Man. Harpenden: Southbank Publishing, 2013. S67f.

Oder, wie es im Buch Selling the invisible bezeichnet wird:

“Fix your service first!”

Fassen wir zusammen:

Zu Beginn steht ein gutes Produkt oder Service. Dieses transformiert die Person, die es kauft. Die Transformation kommunikativ und unterstützend zu begleiten ist die Aufgabe von Marketing.

Kritik am Marketing

Marketing wird nun häufig kritisiert. Mein Vater geht sogar so weit, dass jedes Unternehmen, das ihm auf Facebook Werbung schaltet, auf eine No-Buy-List kommt.

Die meisten von uns hassen es, wenn das Youtube Video durch eine Werbeunterbrechung gestört wird. Das Pop-Up beim Verlassen einer Website wird sowieso ignoriert. Bei der Werbeunterbrechung im Fernsehen gehen wir auf’s Klo. Nur im Kino freuen wir uns aus irgend einem Grund noch auf die Werbung vor dem Film.

Umgekehrt will niemand Geld für Marketing ausgeben. Am besten wäre es für jeden Unternehmer und jede Unternehmerin, dass das Produkt einfach geschaffen wird und sofort die Kunden die Türe einrennen. Doch leider funktioniert das in 99% der Fälle nicht. Irgendwie muss darüber kommuniziert werden, dass man gerade etwas Gutes getan hat. Irgendwie muss die Welt davon erfahren, dass es einen gibt.

“Half the money I spend on advertising is wasted; the trouble is I don’t know which half.”,

soll John Wanamaker, einer der Pioniere des Marketing, gesagt haben. Die gute Nachricht hier ist, dass Marketing durch die Digitalisierung heutzutage zielgerichteter und damit effizienter wird.

Marketing funktioniert

Und leider (oder manche würden sagen: Gott sei Dank) funktioniert Marketing. Solange Menschen auf Werbungen klicken und danach ein Produkt kaufen, wird es Werbung geben.
Solange Menschen lieber zu einer Marke greifen, in die sie durch viel Geld erschaffenes Vertrauen schenken, wird es Marketing geben. Solange der Marktständler, der am lautesten schreit, auch am meisten Gemüse verkauft, wird am Markt geschrien werden!

Solange Menschen Drogen konsumieren, wird es Drogendealer geben. 

(Für’s Protokoll: Dieser Vergleich ist nur dann abwertend, wenn man Drogen als etwas Schlechtes empfindet)

Kein Marketing?

Es gibt Unternehmen, die sich dem Grundsatz verschrieben haben, kein Marketing zu betreiben.
Premium Cola wäre hier zu erwähnen. Dieses Unternehmenskollektiv schaltet keine Werbung, lässt ab von der Datensammlungswut und betreibt kein Sponsoring. Aber betreibt es Marketing?

Wenn der Psychologe Paul Watzlawick meinte: “Man kann nicht nicht kommunizieren.”, so kann man daran angelehnt natürlich sagen:

Man kann nicht nicht vermarkten.

Jedes Unternehmen transformiert das Leben seiner Kunden. Jedes Unternehmen kommuniziert diesen Prozess, und sei es nur durch Mundpropaganda – sonst wäre es kein Unternehmen. Somit muss Marketing im Wirtschaftsgeschehen vorkommen. Solange wir keine Selbstversorger sind, muss über unsere Tätigkeit kommuniziert werden. Nur über die Art der Kommunikation kann natürlich gestritten werden.

Der Ton macht die Musik

Das beste Marketing ist schließlich, wenn man gar nicht bemerkt, dass man gerade umworben wurde. Wenn das Leben durch ein Produkt verbessert wird und man gar nicht mehr wusste, woher man über das Produkt überhaupt bescheid wusste. Wenn Marketing selber so spannend wird, dass man es gerne konsumiert, wie zum Beispiel durch die Zeitung Brennstoff der Firma Waldviertler.

Die beste Marketingkommunikation ist selber schon so wertvoll für den Kunden, dass er sie gerne konsumiert und sie sein Leben transformiert! Um nochmals Ogilvy zu zitieren:

“You cannot bore people into buying.”Ogilvy, David: Confessions of an Advertising Man. Harpenden: Southbank Publishing, 2013. S.113.

Call to Action

Ein praktischer Marketinghinweis zum Schluss:
Jeder gute Marketingschritt endet mit einem so genannten Call To Action (CTA). Man fordert den Konsumenten dazu auf, eine Handlung zu setzen und zwar die, auf die die Aktion ausgerichtet war. Dieser Text war darauf ausgerichtet, Reflexionen zum Thema Marketing anzuregen.

In diesem Sinne ist mein Call To Action heute das Motto der Aufklärung, so, wie es schon Immanuel Kant ausformulierte:

Sapere Aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!

Source: Patrick Seabird

Wie Greta Thunbergs Vorwürfe den Mächtigen nützen…

Greta Thunberg hat kürzlich eine Rede gehalten, in der sie den Mächtigen vorwarf, dass es deren Schuld sei, dass sie protestieren müsse und nicht in die Schule gehen könnte. Warum diese Rede den Mächtigen eher nützen könnte und ganz und gar nicht Gretas eigentlichem Ziel – dem Klimaschutz – dienen könnte, werden wir hier untersuchen.
Vorwürfe sind eine interessante Kommunikationsform. Analysieren wir diese Art des Redens zunächst nüchtern.
 
 

Eine nüchterne Analyse des Vorwurfs

Was ist ein Vorwurf?

Die Ursache eines Vorwurfs ist die eigene Erwartung.
Der Auslöser für einen Vorwurf ist die Handlung des oder der anderen.
Die Intention des Vorwurfs, also was man damit erreichen möchte, ist die Verhaltensänderung des anderen oder zumindest eine Entschuldigung.
Der Ausdruck des Vorwurfs ist meist durch emotionale Regungen begleitet.
Ein Beispiel für einen Vorwurf: „Es ist deine Schuld, dass ich hier sitze. Wie kannst du nur?“, in einer speziellen Tonlage ausgesprochen.
 
Zusammenfassend: Man möchte mit einem Vorwurf ausdrücken, dass die andere Person etwas falsch gemacht hat. Mittels Vorwurf drücken wir meist unser Unbehagen aus, welches durch die Handlung einer anderen Person ausgelöst wurde. Man möchte, dass der andere sich ändert oder sich zumindest entschuldigt.

Der Vorsatz

Aber es gibt noch eine wichtige Implikation:
Der Vorwurf dient meist nicht nur der Berichtigung oder Information, sondern er unterstellt Vorsatz der anderen Person. Die andere Person hätte wissen müssen, dass sie die Tätigkeit entweder unterlassen oder ausführen hätte sollen. Der andere hat das absichtlich gemacht, wird mit einem Vorwurf unterstellt. „Du hast etwas getan, was mir schadet“, ist ein Beispiel eines Vorwurfs. „Und du hast das absichtlich gemacht“, ist die stillschweigende Prämisse dahinter.

Vor- und Nachteile des Vorwurfs

Die Kommunikationsform des Vorwurfes bietet viele Nachteile. Denn meist wird ein Vorwurf nur mit Gegenangriff und Verteidigung gekontert.

Wer möchte schon unterstellt bekommen, er hätte absichtlich einen Fehler gemacht?!

Der Einsatz eines Vorwurfs ist eine Eskalationsstrategie. Meist endet ein Vorwurf nur im Streit.
Konstruktiver als der Vorwurf wäre sicherlich, eine Bitte auszudrücken.
 
Was sind die Vorteile eines Vorwurfs? Man kann damit eigene oder allgemeine Vorstellungen durchsetzen. Hat die andere Person Schuldgefühle, so wird sie die Handlung möglicherweise zukünftig unterlassen. Durch die starke emotionale Reaktion wird eventuell auch in Zukunft schon vorsorglich mehr Acht gegeben. Moral wird gesellschaftlich generell mit Vorwürfen durchgesetzt. So wird man in Westeuropa jemanden vorwurfsvoll ansehen oder etwas sagen, wenn die Person in der Öffentlichkeit laut rülpst. In Teilen Asiens bekommt man einen ähnlichen Vorwurf, wenn man jemandem die Fußsohlen zeigt. Moral hat auch immer etwas Gesellschaftsbindendes. Damit kann ein Vorwurf die Grenzen moralischen Handelns aufzeigen.
Ein Vorteil des Vorwurfs kann also sein, dass damit allgemeine gesellschaftliche Moralvorstellungen durchgesetzt werden können.

Vorwürfe und Macht

Es gibt jedoch noch einen weiteren erwähnenswerten Aspekt des Vorwurfs, nämlich den Zusammenhang mit Macht.
Wirft man jemandem etwas vor, so akzeptiert man dessen Macht über einen. Man entmachtet sich selber. Der Vorwurf drückt ja gerade aus, dass der andere Macht über einen hat. Die andere Person hätte etwas anderes tun können. Es war in der Macht des anderen, dass meine Vorstellungen nicht erfüllt wurden. Nicht ich konnte etwas zum Erfolg beitragen, sondern es war die Schuld und damit die Erfüllungspflicht des anderen. „Es war in deiner Macht, etwas zu tun, nicht in meiner!“
 
Hier muss man sehen, dass Macht nichts anderes ist, als eine Relation. Ohne denjenigen, die ein Machtverhältnis akzeptieren, gibt es keinen Mächtigen. Niemand hat Macht oder ist mächtig. Macht ist ein Verhältnis. Macht beruht auf dem Glauben beider Seiten, dass sie existent ist. Die Philosophin Hannah Arendt drückt das folgendermaßen aus: 
„Wenn wir von jemand sagen, er »habe die Macht«, heißt das in Wirklichkeit, daß er von einer bestimmten Anzahl von Menschen ermächtigt ist[…]“ Hannah Arendt: Macht und Gewalt. Piper, München, Zürich. 20. Auflage 2011. S.45.
Wenn keiner aus der Gruppe die Macht des Einzelnen akzeptiert, so ist diese Person nicht mehr mächtig.

Ein König ohne Untertanen ist kein König, sondern ein Verrückter.

Ein Vorwurf zementiert nun die Macht des anderen, und damit die eigene Ohnmacht. Auch hier könnte man sagen, dass das nicht nur von Nachteil ist. Braucht eine Gesellschaft Machtungleichgewichte? Sind diese nicht auch gesellschaftsstabilisierend? Ist Macht funktional? Brauchen zwischenmenschliche Beziehungen nicht immer Machtunterschiede oder Hierarchien, um zu funktionieren? Dies sind natürlich alles wichtige Fragen, welche wir hier aber nicht beantworten wollen.

Greta Thunbergs Vorwürfe

Die Klimaaktvisitin Greta Thunberg hat kürzlich eine sehr vorwurfsvolle Rede gehalten. In dieser sagte sie: „Wie könnt Ihr es wagen! Mit euren leeren Worten habt Ihr mir meine Träume und meine Kindheit gestohlen.“
 
Wir wollen hier einmal die Beweggründe ihrer Rede und die Diskussion über den Klimawandel beiseitelassen und uns nur die Struktur ansehen. Sie bedient sich des Vorwurfs. Sie unterstellt, „sie“ hätten absichtlich ihr die Kindheit gestohlen. „Sie“ würden absichtlich das Klima zerstören. „Sie“ hätten die Macht, den Klimawandel zu stoppen.
Wenn wir nun die obigen Erkenntnisse über Vorwürfe und Macht nochmals heranziehen: Was passiert, wenn Greta Thunberg irgendwelchen anderen Menschen diese Taten vorwirft? Was passiert, wenn sie sich der Kommunikationsform des Vorwurfs bedient?
 
Sie drückt damit eigentlich nur folgendes aus:
1. Ihr habt Macht über mich.
2. Ich akzeptiere diese Macht.
3. Ich festige diese Macht hiermit.
 
Als Machthaber ist eine solche Kommunikation nur von Vorteil. Solange Menschen einem etwas vorwerfen, untergraben sie nicht die Machtposition. Im Gegenteil: Sie stützen sie!

Der Vorwurf zementiert etablierte Strukturen.

Für Machthaber ist es nur gut, wenn die Menschen ihnen Vorwürfe machen, denn dadurch anerkennen sie die Machtstruktur und begeben sich selber in die Ohnmacht.
Dieser Text möchte weder die Intention von Greta Thunberg hinterfragen, geschweige denn ihr Korrumpierung unterstellen, noch eine Klimawandeldiskussion aufmachen. Alles, was hier gewollt ist, ist Bewusstsein dafür zu schaffen, was faktisch passiert. Vorwürfe zementieren Machtstrukturen. Bedient man sich des Vorwurfs, begibt man sich in Abhängigkeit.
 
Die Frage ist, ob dies eine gute Strategie ist, um etwas gegen den menschengemachten Klimawandel zu tun. Denn – so zumindest die allgemein geglaubten Vorstellungen – waren es nicht die bisherigen Gesellschaftsstrukturen („der Kapitalismus“), welche uns in diese Lage gebracht haben? Sind es nicht die momentanen Produktionsverhältnisse, die den derzeitigen CO2-Ausstoß hervorbringen?
Wie kann eine Ausdrucksform, welche die derzeitigen vornehmlich schädlichen Herrschafts-und Produktionsverhältnisse stützt und festigt, diese gleichzeitig zum Positiven verändern? Sie kann und tut es nicht. Der Vorwurf ist hier vermutlich keine strategisch kluge Position, um das Ziel einer Gesellschafts- und Machtveränderung herbei zu führen. Denn er stützt und forciert genau diese.

Was bleibt?

Man sollte sich bewusst sein, was ein Vorwurf ist und was nicht. Man sollte sich bewusst sein, was man tut, wenn man jemandem etwas vorwirft. Achten wir darauf, wie wir sprechen und handeln! Und vielleicht wäre es besser, sich an Buckminster Fullers Strategie zu halten:

“You never change things by fighting the existing reality. To change something, build a new model that makes the existing model obsolete.”

Source: Patrick Seabird

Was will Facebook mit Libra?

Facebook will also eine neue Kryptowährung namens Libra, in Zusammenarbeit mit anderen namenhaften Firmen gründen.
 
Libra soll ähnlich wie Bitcoin werden, weil es ohne Zentralbank auskommt und auf der Blockchain-Technologie beruht. Hier enden jedoch die Ähnlichkeiten. Denn Libra soll natürlich nicht von jedem in Umlauf gebracht werden dürfen, sondern nur von den großen Unternehmen, die teilnehmen. Und der Wert soll stabil gehalten werden:
 
„The plan is for the Libra token to be backed by financial assets such as a basket of currencies,[15]and US Treasury securities […]in an attempt to avoid volatility.“ (Wikipedia am 20.09.2019 um 17:46 Uhr)
 
 

Die Vorteile von Libra:

So eine Währung verspricht, wie viele Kryptowährungen, so einiges.
Ungefähr 1,7 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zum offiziellen Bankensystem. Kryptowährungen versprechen hier Abhilfe. Facebook alleine hätte mit seinen 2,4 Milliarden aktiven Usern sofort einen riesen Kundenstamm, der die neue Währung in Handelstransaktionen verwenden könnte. In Verbindung mit den angeschlossenen Unternehmen könnte sich eine solche Währung als die neue digitale Weltwährung herausstellen. Man könnte am internationalen Handel teilnehmen, ohne ein Konto zu besitzen. Überweisungen könnten schneller voran gehen, als heute. Durch das Konsortium könnte von Anfang an auf einen riesen Kundenstamm mit Millionen Verbindungen zurück gegriffen werden.

Die ökonomischen Probleme von Libra:

Nun, alleine ökonomisch macht so eine Währung wenig Sinn, wenn sie zu 100 Prozent gedeckt sein sollte. Denn wenn die Währung im Vergleich zu anderen stabil gehalten werden soll und zu hundert Prozent durch Dollar und andere Währungen besichert wird: Wieso nimmt man nicht gleich diese Währungen, um zu zahlen? Wozu nehme ich Libra, wenn ich Dollar nehmen könnte? Wenn Facebook sowieso nur diese Dollar nimmt, hinterlegt und mir Libra dafür gibt? Für jeden in Umlauf gebrachten Libra müsste ja das Libra Konstortium einen Dollar sicher hinterlegen. Es wäre also kein Vorteil, Libra statt Dollar zu nehmen, sieht man vom Zinsertrag ab, den die hinterlegten Dollar erbringen würden. Als User hätte ich den Nachteil, dass Libra nur im Netzwerk des Konsortiums gilt. Der Dollar gilt jedoch beinahe weltweit als Leitwährung. Er ist viel liquider als Libra.
 
Vermutlich würde dadurch sogar Libra auf den unterschiedlichen Marktplätzen mit einem Abschlag zum Dollar gehandelt werden. Denn mit Dollar kann ich beinahe überall auf der Welt zahlen. Mit Libra nur in den angehörigen Unternehmen. Libra ist so gesehen unpraktischer als der Dollar. Sollte jedoch der Wert von Libra gegenüber dem Dollar sinken, so müsste Facebook ja versuchen, den Wert durch eigene Librakäufe auf den Sekundermärtken zu stützen, was sich als ökonomischer Selbstmord herausstellen könnte. Würde die Währung nämlich auch nur ein wenig schwanken, würden sofort Spekulanten auftreten, die wiederum die Schwankungen durch ihre Käufe und Verkäufe verstärken könnten. Ob das Libra-Konsortium der Finanzmacht der weltweiten Währungsspekulanten gewachsen ist, darf hinterfragt werden.
 
Die Schweizerische Zentralbank, die man nicht unbedingt als ohnmächtig bezeichnen kann, versuchte auch über Jahre den Schweizer Franken auf einem stabilen Wechselkurs zu belassen, indem sie Schweizer Franken „druckte“ und damit Euro kaufte. Irgendwann musste auch sie das aufgeben und der Kurs schnellte nach oben. Sie konnte dem Aufwertungsdruck nicht standhalten.
Ob Facebooks Libra einem Aufwertungsdruck oder Abwertungsdruck widerfahren könnte, ist unvorhersagbar und hängt von vielen Faktoren ab. Facebook müsste jedoch, um beispielsweise einem Abwertungsdruck entgegen zu wirken, ständig Dollar in die Hand nehmen, und sie gegen Libra verkaufen. Damit würde der Kurs von Libra im Vergleich zum Dollar gleich bleiben. Eine solche Währung zu stabilisieren, ist immens teuer.

Worum geht es Facebook?

Doch Facebook geht es nicht darum, eine stabilere Währung als den Dollar zu schaffen. Es geht auch nicht darum, unabhängig von Zentralbanken zu sein. Facebook geht es, wie könnte es anders sein, um Daten. Sie wollen Wissen über die Zahlungsströme und das Einkaufsverhalten ansammeln, es in Big Data einspeisen. Da in Facebook sämtliche zwei Milliarden Menschen mit Klarnamen gespeichert sein müssen (Facebook ist die größte Abbildung von Menschheitsbeziehungen der Geschichte!), könnte man so ungeheuer viele Informationen zusammenstellen. Das Einkaufsverhalten von Milliarden Menschen zu analysieren und zu verwerten könnte sich als Goldgrube herausstellen. Es geht also um Informationen. Es geht um Macht.

Der Vergleich mit China

Und hier ist der Schritt dann nicht weit zum Social Credit System, welches bereits in China installiert wird. In manchen Gegenden Chinas werden bereits sämtliche überwachten Daten in ein Ranking-System gegossen. Verstößt man gegen irgendwelche Vorgaben, so kann man in diesem Ranking-System nach unten rutschen. Wird man beim bei Rot über die Ampel gehen erwischt, so kann man Punkte verlieren. Spielt man zu laut Musik im Zug: Punkteabzug. Man spricht kritisch über China oder erwähnt Taiwan? Runter mit der Score! Politische Widerstand kann sofort gebrochen werden dadurch. Die Folgen von einer zu niedrigen Score: Man darf nicht mehr fliegen. Man darf nicht mehr mit dem Zug fahren. Deine Kinder dürfen nicht an eine gute Schule. Du zahlst höhere Zinsen für deine Kredite oder musst sie schneller abbezahlen. Dein Gesicht wird öffentlich gezeigt. George Orwell hätte sich das nicht ausdenken können.
Einerseits ermöglicht dies eine Steuerung breiter Bevölkerungsgruppen. Andererseits zementiert es die Macht derjenigen, die das System kontrollieren.
In China gibt man dem Staat diese Macht. Im Westen sind es die Großkonzerne, die diese Macht vereinen.

Worum geht es also bei Libra?

Es geht um Information! Es geht um Kontrolle! Libra könnte der erste Schritt sein, ein solches System auch im Westen zu etablieren. Die Großkonzerne, die diese Informationen steuern und sammeln, könnten damit ein ähnliches System wie in China etablieren.

“Geld ist gedruckte Freiheit”,

soll schon Dostojewski gesagt haben. Ziemlich sicher hat er nicht Libra damit gemeint. Es gilt, wachsam zu bleiben.

Source: Patrick Seabird

Warum es besser ist, an den Klimawandel zu glauben…

Als normalsterblicher Mensch ist es beinahe unmöglich heraus zu finden, ob der menschengemachte Klimawandel existiert, oder nicht. Auf der einen Seite stehen die Wissenschaftler des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), die dies bejahen. Auf der anderen Seite stehen vereinzelte Wissenschaftler, die entweder negieren, dass der Klimawandel existiert, oder aber dass er menschenverursacht ist.

Der Klimawandel ist eine Glaubensfrage.

Erschwert wird die Glaubwürdigkeit beider Seiten durch verschiedenste Hintergrundinteressen, die immer wieder aufgezeigt werden. Hinter beiden Seiten stehen Geld-, Macht und/oder Reputationsinteressen. Da man die Ergebnisse der Klimaforschung sehr schwer selber überprüfen kann, muss man einer der beiden Seiten glauben.
(Nur um eines klar zu stellen: Dieser Artikel behauptet nicht, dass der menschengemachte Klimawandel nicht existiert!)

Warum es besser ist, an den Klimawandel zu glauben

Dies erinnert stark an die so genannte Pascal’sche Wette. Blaise Pascal argumentierte im 17. Jahrhundert, dass es besser sei, an Gott zu glauben, als nicht, egal, ob Gott nun existiere oder nicht. Denn laut dem Wikipediaartikel gibt es folgende Möglichkeiten:
  • Man glaubt an Gott, und Gott existiert – in diesem Fall wird man belohnt (Himmel – Man hat gewonnen).
  • Man glaubt an Gott, und Gott existiert nicht – in diesem Fall gewinnt man nichts (verliert aber auch nichts).
  • Man glaubt nicht an Gott, und Gott existiert nicht – in diesem Fall gewinnt man ebenfalls nichts (verliert aber auch nichts).
  • Man glaubt nicht an Gott, und Gott existiert – in diesem Fall wird man bestraft (Hölle – Man hat verloren).
Man sei also besser dran, an Gott zu glauben. Denn glaubt man an ihn nicht, so kann man gar nicht gewinnen, nur verlieren. Glaubt man an ihn, so ist man auf der sicheren Seite.
Nun kann man die selbige Denkweise auf den Klimawandel, beziehungsweise die Möglichkeit, ihn durch menschliches Handeln abzuwenden, anwenden:
  • Man glaubt an den Klimawandel und er existiert – in diesem Fall wird man belohnt (die Erde bleibt bewohnbar)
  • Man glaubt an den Klimawandel , und er existiert nicht – in diesem Fall gewinnt man nichts
  • Man glaubt nicht an den Klimawandel , und er existiert nicht – in diesem Fall gewinnt man ebenfalls nichts
  • Man glaubt nicht an den Klimawandel und er existiert – in diesem Fall wird man bestraft (die Erde wird für den Menschen und viele Spezies unbewohnbar).

Es steht zu viel auf dem Spiel

Pascal schloss daraus, dass es besser sei, an Gott zu glauben, als nicht. Genau so, wie man nach der Analyse besser daran glaubt, dass der menschengemachte Klimawandel existiert und dementsprechend handelt. Es steht einfach zu viel auf dem Spiel. Wir können eine lebenswerte Erde gewinnen, oder untergehen. Die Rechnung ist einfach.
Doch Moment! Wie sieht es mit der Kritik an der Pascal’schen Wette aus?

Es ist doch nicht so einfach…

Die Kosten des Glaubens

Denn erstens ist die Verhinderung des menschengemachten Klimawandel nicht neutral, sondern sie kostet. Sie kostet den Verzicht auf Fleischkonsum. Sie kostet den Verzicht auf Flugreisen und Kreuzfahrten. Sie kostet den Verzicht auf kostengünstige Energieversorgung. Sie kostet Wohlstandsverlust. Sie kostet Machtverlust, insbesondere wenn andere Länder nicht an den menschengemachten Klimawandel glauben und weiter wachsen. Sie kostet schlimmstenfalls Freiheitsversust. Oft wird von Klimawandelvertretern mehr Zentralismus, schlimmstenfalls Ausbau von Strafen und Überwachungsstaat gefordert. Glaubt man also an den Klimawandel und er existiert doch nicht, hat man doch einiges zu verlieren.

Kritik an den Optionen

Wie bei Pascals Wette kann es noch andere Optionen geben. Es wäre möglich, dass
  • der Klimawandel zwar existiert, er aber nicht menschengemacht ist sondern ein natürliches Phänomen. Alle Maßnahmen wären umsonst gewesen.
  • der menschengemachte Klimawandel zwar existiert, er aber nicht durch CO2 verursacht wird. Vielleicht hat er ganz andere Ursachen. Wir würden uns einschränken, aber vielleicht an der falschen Stelle.
  • der Klimawandel zwar existiert, seine negativen Folgen jedoch überschätzt und die positiven Folgen unterschätzt werden: neue Handelswege, die möglich werden, wie die Nordwest- oder Nordostpassage, was Wohlstandszuwachs durch niedrigere Produktpreise verspricht. Zusätzliche Erdflächen, die bewohnbar werden. Mehr Pflanzenwachstum durch erhöhte CO2-Werte, sowie andere, unvorhersagbare Phänomene.
  • der Klimawandel zwar existiert, aber zukünftige technische Möglichkeiten nicht vorhersagbar sind und daher nicht einbezogen werden. Vielleicht bleibt der menschliche Erfindungsgeist, dass in der Zukunft entweder das Klima veränderbarer wird oder die Folgen besser vermindert werden können.
  • der menschengemachte Klimawandel existiert, aber er kann nicht durch die Menschen aufgehalten werden, weil die Menschheit zu sehr in ihren Verhaltensmustern stecken. Machtstreben, Individualitätsstreben, Wachstumsstreben können gar nicht aufgehalten werden – eine fatalistische Option.
Man sieht, so einfach ist es doch nicht.

Was bleibt?

Übrig bleibt die Erkenntnis, dass wir tatsächlich herausfinden müssen, ob der menschengemachte Klimawandel existiert oder nicht. Wir brauchen neutrale Forschung und unkorrupierbare Wissenschaftler. Wir brauchen Journalismus, der die Geldströme und Interessen im Hintergrund analysiert und offenlegt.

Wir brauchen mehr Ehrlichkeit.

Source: Patrick Seabird

Die Zukunft der Arbeit

Die Zukunft ist nicht vorhersagbar. Mit diesen Worten könnte dieser Artikel auch schon wieder enden. Karl Heinz Brodbeck drückt dies in seiner Herrschaft des Geldes auf Seite 787 so aus:

“[W]er Neues prognostiziert, müsste es selbst erfinden

Die Zukunft wird uns immer ungewiss bleiben. Wir können nur bisherige Trends auf die Zukunft extrapolieren. Das einzige, was wir tun können, um über die Zukunft zu reden, ist auf die Vergangenheit zu schauen und bisherigen Trends weiter verfolgen und aus vergangenen Lektionen lernen.

 Lektionen aus der Vergangenheit

Eine dieser Lektionen ist die folgende Lehre: Wenn jemand in der Vergangenheit sagte:

“Dieses Mal wird alles ganz anders sein”

dann lag diese Person meistens komplett falsch. Fast immer, wenn Propheten meinten, dieses Mal sei die Welt eine andere, die Situation unterschiedlich, die Wirtschaft würde nun anders laufen als früher, so wurde diese Person meist eines Besseren belehrt und verschwand klanglos von der Bildfläche. Eine Lektion aus der Vergangenheit ist:
Wenn Leute meinen, dieses Mal sei alles ganz anders, dann lauf!
Um also über die Zukunft der Arbeit reden zu können ohne sie selber zu erfinden, bleibt uns nichts übrig, als einen Blick auf die Vergangenheit der Arbeit zu werfen und uns Trends anzusehen:

Die Vergangenheit der Arbeit

In den 1950er Jahren war in Österreich eine Wochenarbeitszeit von 48 Stunden üblich. Dies hat sich innerhalb von 70 Jahren um ganze 10 Stunden auf 38,5 Stunden pro Woche reduziert. (Siehe hier Seite 4).
Im selben Zeitraum ist die Anzahl der Urlaubswochen von zwei auf fünf pro Jahr gestiegen. (Quelle ebenda)
Von 1964 bis 1999 verringerte sich die Arbeitszeit von 7.914 Millionen geleisteten Stunden auf 6.704 Millionen Stunden. Dies ist um insgesamt 1.210 Millionen Stunden weniger. Es werden also um 15% weniger Stunden im Jahr österreichweit gearbeitet als noch vor ungefähr 60 Jahren. (Siehe hier S.31)
Die Bevölkerung wuchs um beinahe zwei Millionen Menschen. (Siehe Wikipedia)
Gleichzeitig arbeiten mehr Menschen denn je in Österreich. die Beschäftigtenzahl stieg von um die 3 Millionen Menschen in den 1950er Jahren auf über 4 Millionen im Jahr 2016. (Quelle: Seite 7)
Materieller Wohlstand ist schwer zu messen, aber vor hundert Jahren besaß eine Familie insgesamt um die 180 Dinge. Heute sind es an die 10.000. (Quelle)
Für die Wohnungsgröße liegen nicht so lang zurückreichende Daten vor, aber im Jahr 2018 hatte jeder in Österreich lebende Mensch um ungefähr vier Quadratmeter mehr Wohnfläche zu Verfügung als noch im Jahr 2004, also nur 14 Jahre später. (Quelle Statistik Austria)
Die ÖsterreicherInnen arbeiten also, verglichen mit den 1950er Jahren, weniger Stunden pro Woche, weniger Stunden insgesamt, haben mehr Urlaub im Jahr, besitzen mehr Dinge und haben mehr Wohnfläche pro Person zur Verfügung. Es arbeiten zwar mehr Menschen denn je, diese arbeiten jedoch individuell weniger.
Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielfältig. Die wichtigsten sind vermutlich technischer Fortschritt, verstärkte Importe und Exporte, bessere Organisation der Arbeit und gute Zusammenarbeit der Sozialpartnerschaft.

Die Zukunft der Arbeit

Wir haben heute unbestritten den höchsten technologischen Stand der bekannten Menschheitsgeschichte. Dennoch arbeiten in Österreich mehr Leute denn je.
Wenn man diese Trends jedoch so weiter führt, dann sieht es nicht so schlecht aus. Sollten sich diese Entwicklungen fortsetzen, so werden wir in Zukunft mehr Menschen sein und mehr Menschen auch eine Arbeit haben. Wir werden jedoch weniger Stunden pro Woche arbeiten und mehr Urlaub haben, aber trotzdem mehr besitzen.
Zwar werden Arbeitsplätze durch Technologisierung weg fallen. Es werden jedoch neue entstehen. Blickt man auf die Vergangenheit, so stimmt es längerfristig nicht, dass Maschinen Arbeitsplätze vernichten.

Falsche Propheten

All die Prohpeten, die das Ende der Arbeit durch Technologisierung herbeirufen, scheinen sich auf etwas anderes zu berufen, als vergangene Trends. Sie hätten schließlich das Gleiche auch prophezeien können, als die ersten Menschen auf den Feldern arbeitslos wurden, weil Traktoren erfunden wurden. Sie hätten ebenso das Ende der Arbeit vorhersagen können, als die ersten Weber durch den mechanischen Webstuhl ersetzt wurden. Dies ist über 200 Jahre her und dennoch arbeiten wir noch immer. Dieses Mal könnte alles anders sein, meinen die Propheten der Arbeit. Aber wieso sollte es das sein?
Diese auf wackeligen Beinen stehende Prophezeiung, dass uns Maschinen unsere kompletten Arbeitsplätze weg nehmen werden, hat nicht nur schon im 19. Jahrhundert dazu geführt, dass Menschen absichtlich Maschinen stürmten, um ihre Arbeit zu erhalten, sondern wird auch regelmäßig herangezogen, um Sozialexperimente wie das Bedingungslose Grundeinkommen zu rechfertigen. Auch hier steckt der gefährliche Gedanke dahinter, dass dieses Mal alles ganz anders sein könnte und uns dieses Mal Maschinen tatsächlich ersetzen könnten.
Eine Prämisse, die angezweifelt werden darf. Bisherige Trends sagen etwas anderes. Doch zum Glück ist die Zukunft nicht vorhersagbar. Vielleicht kommt es auch ganz anders.

Source: Patrick Seabird

Soll man sich für andere verändern?

Eine Person beschwert sich über eure Handlung. Die Freundin meint, ihr seid daran schuld, dass es ihr nicht gut ginge. Der Nachbar regt sich auf, dass ihr zu laut seid. Ein Freund meint, ihr habt euch verändert und seid zu egoistisch geworden. Ein Passant beschimpft euch, weil ihr bei Rot über die Ampel gegangen seid.
Die Frage, die sich hier jeweils stellt ist die:

Soll man sich, sein Verhalten und seine Einstellung ändern, wenn jemand anderer nicht im Frieden ist?

Was meint die Crowd?

Stellt man diese Frage an verschiedene Leute, so bekommt man Antworten aus dem ganzen Spektrum. Mögliche Antworten sind:
  • “Wieviel Deckung mit meiner wahrgenommenen Realität? Ist die Anforderung berechtigt? Wenn ja, will ich sie erfüllen? Kann ich sie erfüllen?”
  • “ Versuchen zu ergründen welche Anteile beide an dieser Unzufriedenheit beisteuern, wie das mit jeweiligen inneren Faktoren (Bedürfnisse, Konditionierung, Ängste, Wünsche und Hoffnungen…) und äußeren Lebensumständen zusammenhängt. Danach erneut betrachten wie in diese Situation gekommen und in welchen Bereichen welche Art von Änderung notwendig ist. Das ganze idealerweise im Gleichgewicht von Kommunikation (zusammen) und Kontemplation (allein)……und Zeichentrickfilme schauen.”
  • “ Beim Anderen kann man nichts verändern, bei einem selbst schon.”
Oder auch:
  • “Mir hat einmal jemand gesagt, dass man nicht auf der Welt ist, um so zu sein, wie andere einen gern hätten. Ist man selbst unzufrieden, sollte man sich ändern. Bedeutet eine Veränderung seiner selbst nur die Befriedigung des Gegenübers, ist es falsch und man verliert sich in fremden Bedürfnissen.”
  • “Ich gebe der regierung die schuld und freue mich das sie sich gerade selbst auflöst 🙃
Es herrscht also Uneinigkeit über die Frage, wie man auf die Beschwerden anderer reagiert und Menschen scheinen hier sehr unterschiedliche zu handeln. Manche meinen, man solle sich eher nicht ändern. Andere würden zunächst reflektieren und sich dann schon ändern. Aber wann handelt man anschließend wie? Wenn man nur auf die Bedürfnisse anderer reagiert, dann vergisst man doch sich selbst. Reagiert man gar nicht, so hört man nur auf sich. Was ist die Lösung?

Drei Fragen

Es war Walter Siebert, welche folgende reflektierende Fragen vorschlug, um generell eine Handlung zu bewerten:
  1. Ist es gut für mich?
  2. Ist es gut für die andere Person?
  3. Ist es gut für das Große Ganze?

Gut für mich?

Diese Frage ist meist recht schnell zu beantworten, insbesondere für Egoisten. Eine Handlung muss jedoch nicht unbedingt materiell gut für mich sein. Sie kann auch einfach Spaß machen. Oder das Ziel, das durch die Handlung erreicht wird, kann gut für mich sein. Oder sie ist alleine dadurch schon gut, dass mein altruistisches Mitgefühl befriedigt wird.

Gut für die andere Person?

Das ist oft nicht so leicht zu zu entscheiden. Wenn die andere Person ihren Unmut äußert, so scheint es sie zumindest zu stören. Die Frage ist natürlich, ob die vorgeschlagene Handlung wirklich hilft. Helfe ich der Person wirklich, oder verhindere ich dadurch nicht, dass sie sich andere Wege sucht und somit sich selber helfen lernt?! Und nur, weil es gut für andere ist, muss es nicht gut für mich sein. Wieso sollte man einer Handlungsaufforderung zustimmen, die nur von Vorteil für die andere Person ist?

Gut für das Große Ganze?

Wenn beide vorherige Fragen mit Ja beantwortet wurden, kann man sich auch die generelle Frage stellen: Was ist mit allen anderen Lebewesen? Was ist mit dem System? Diese Frage entspricht am ehesten dem von Kant formulierten kategorischen Imperativ, dass man nur nach der Maxime handeln sollte, von der man auch wollte, dass sie allgemeine Gesetzgebung werden sollte.
Diese Frage stellt auch die Frage nach der Nachhaltigkeit. Ist die Handlung gut für die nachkommenden Generationen? Es kann schön für dich und mich sein, wenn wir zusammen auf Urlaub nach Thailand fliegen. Aber was zerstören wir durch diese Handlung weltweit und für zukünftige Generationen?
Es kann gut für dich und mich sein, wenn wir beide darauf einigen, dass ich schwarz für dich arbeite. Aber für alle anderen ist es schlecht. Unter einem falschen Arbeitsvertrag zu arbeiten kann unmittelbar gut für beide Seiten sein, aber schlecht für alle, die sich an das Arbeitsrecht halten.
Ist die vorgeschlagene Handlung nachhaltig? Ist sie systemgefährdend?
Eine Kombination der obigen Fragen verhindert, dass man über die Bedürfnisse des Gegenübers fährt, und gleichzeitig sich und die Umwelt vergisst.

Buddhistische Wirtschaftsethik

Karl-Heinz Brodbeck, Wirtschaftsphilosoph, stellte in seiner buddhistischen Wirtschaftsethik ebenso eine Kombination obiger Fragen dar. Für ihn bedeutet Altruismus, sein eigenes egoistisches Verhalten zu verringern und das Leiden aller Lebewesen zu reduzieren. Dabei sollte man sich jedoch nicht selber vergessen. Auf Seite 94 in seiner Buddhistischen Wirtschaftsethik schreibt er:

„Für das Wohl aller Lebewesen einzutreten, schließt das eigene Wohl mit ein[…]“

Und auf Seite 83:

“Altruismus im Sinne der buddhistischen Wirtschaftsethik heißt nicht: Vorrang des anderen Ego-Prozesses vor dem eigenen Ego-Prozess, sondern bedeutet eine Sicht- und Handlungsweise jenseits egoistischer Motive.”

Es geht also nicht darum, das Leiden der anderen Person zu lindern, indem man selber mehr leidet. Es geht generell darum, Egoprozesse zu verringern. Vergisst man sich und handelt nur für andere, so erliegt man dem Helfersyndrom und kann in Richtung Burn-Out gehen. Vergisst man die anderen, so läuft man durch die Welt wie ein Alleinherrscher.

Verantwortung wahrnehmen

Obige Fragen, die Verantwortung über sich selbst, den anderen und über das Große Ganze wahr zu nehmen. Also: Soll man sich, sein Verhalten und seine Einstellung ändern, wenn jemand anderer nicht im Frieden ist? Wäre das gut oder zumindest neutral für mich? Würde das wirklich hilfreich für die andere Person sein? Und wäre es gut für das Große Ganze, also das System, alle anderen Lebewesen und für zukünftige Generationen?
Lautet die Antwort eindeutig Ja, so kann die Handlung stattfinden.

Source: Patrick Seabird

Bergmann und New Work

Mit Spannung habe ich gerade den Artikel (Link) im neuen t3n Magazin über Frithjof Bergmann und “New Work” gelesen. Dies ist ein Schlagwort, das mir schon öfters unterkam. Der Artikel selber ist ein wenig unscharf, wie vermutlich auch Bergmanns Theorie selber (das wird zumindest im Artikel angedeutet), aber zumindest eine Zeile ist bei mir hängen geblieben:

“Mein Konzept geht davon aus, dass die Menschen nicht wissen, was sie wollen.” (Hervorhebung von mir)

Dies ist eine interessante Annahme. Die moderne Wirtschaftstheorie geht nämlich genau von Gegenteiligem aus. Menschliches Handeln würde sich gerade dadurch auszeichnen, dass wir Ziele erreichen wollen. Wenn man über Wirtschaftswissenschaften spricht, so versucht man, diese Ziele aus zu klammern und nur darüber zur reden, wie Ziele gut erreichbar sind. Wir wir also mit kleinstem Input Größtmögliches erreichen. Wie wir, anders gesagt, effizient für uns und andere arbeiten.

Schon Ludwig von Mises schrieb zum Beginn seines Werkes Nationalökonomie. Theorie des Handelns und Wirtschaftens (S. 11 ff.):

“Handeln ist bewusstes Verhalten. […] Handeln ist Wollen, das sich in Tat und Wirken umsetzt und damit verwirklicht, ist ziel- und zweckbewusstes Sichbenehmen[…] Alles Handeln ist zielgerichtet, sucht Ziele zu erreichen und Zwecke zu verwirklichen.”

Das Bild des Homo oeconomicus

Somit geht die Wirtschaftswissenschaft spätestens seit Mises gerade davon aus, dass die Menschen wissen, was sie wollen. Das Bild des homo oeconomius ist ja mitunter eines, das von einem Mensch ausgeht, der genau weiß, was ihm nützt und diesen Nutzen zu maximieren sucht.

Wirtschaftswissenschaften sollten nur unterstützen, wie diese Ziele besser erreicht werden könnten.
Bergmann verwirft nun diese urgeigenste Prämisse der Wirtschaftswissenschaften, wenn er Unwissenheit über persönliches Wollen unterstellt. Gerade der heutigen Generation scheint diese Annahme nicht unbekannt vorzukommen.

Viele Menschen stehen genau vor dem Problem, dass sie überhaupt nicht wissen, wo es hin gehen soll. Tausende Möglichkeiten stehen offen, Bildung ist zumindest in Österreich nahezu kostenlos, über das Internet kann man sowieso alles lernen, es herrscht relative Gewerbefreiheit, man kann sich also halbwegs frei aussuchen, was man arbeiten möchte. Mit dem Flugzeug ist man innerhalb weniger Stunden um die halbe Welt gereist, in den Ländern der EU kann man sich niederlassen, wo man möchte. Es gab für so Viele noch nie so viele Möglichkeiten wie heute. Doch mit den Möglichkeiten kommt auch die Wahlfreiheit. Und damit wird Bergmanns Prämisse immer relevanter.

Menschen wissen also (oft) nicht, was sie wollen.

Bergmanns Lösung für dieses Problem waren Zentren der New Work. Die Frage, die sich hier zugleich stellt ist, wieso Menschen in diesen Zentren mehr wissen sollten, was sie wollen, oder auch wie sie anderen Menschen mitteilen könnten, was diese wiederum wollen. Ein Zentrum alleine löst noch nicht die Frage nach der Zielfindung.

Andere Möglichkeiten

Es gibt Möglichkeiten, heraus zu finden, was man will. Ich selber führe Übungen hierzu bei meinen Workshops bei Mission Waves durch. Dieses persönliche Problem lässt sich generell lösen, manchmal mehr, manchmal weniger. Ein wenig Unsicherheit über das eigene Wollen lässt auch Offenheit gegenüber Neuem zu und muss nicht unbedingt schlecht sein. Die spannendsten Menschen, die man trifft, wussten oft sehr lange nicht, was sie tun wollten.
Ungeachtet möglicher Lösungen auf die persönliche Frage des Wollens stelle ich mir die gesellschaftspolitische Frage, wie eine Wirtschaftswissenschaft aussehen muss, welche zumindest teilweise die Unwissenheit über die eigenen Präferenzen unterstellt. Und wie davon ausgehend praktische wirtschaftspolitische Empfehlungen ausgesprochen werden können. Es ist immer wichtig, die Annahmen über die eigenen Theorien zu hinterfragen und von anderen Prämissen ausgehend auch neue Theorien zu entwickeln.

Bergmanns Lösung scheint bisher nicht von Erfolg gekrönt gewesen zu sein. Damit öffnet sich jedoch die Chance für uns, diese Frage zu beantworten: Was wollen wir und wie könnten wir uns diese Frage gesellschaftlich beantworten. Was meint ihr?
Source: Patrick Seabird

Notre Dame und Welthunger

Notre Dame und der Welthunger

Am 15. April 2019 schaute die Welt gebannt nach Paris: Notre Dame brennt! Die Flammen waren noch nicht einmal gelöscht, da gab es schon weltweite Solidaritätsbekundungen. Sofort flossen die Spendengelder für den Wiederaufbau. Bereits einen Tag nach dem Brand waren beinahe ein Milliarde Euro an Spenden zugesagt worden.

Auf Facebook waren die Reaktionen gemischt. Zunächst gab es auch breite Solidarität. Dann kam die Kritik. Wenn ein Gebäude in Flammen aufgeht sei sofort genug Geld da. Gleichzeitig würden jedoch unzählige Kinder verhungern. Die Wertigkeiten wurden in Frage gestellt: Was zählt mehr, der Welthunger oder ein abgebranntes Haus?

Wirtschaftsphilosophische Fragen

Dahinter stecken gleich mehrere wirtschaftsphilosophische Fragestellungen.

  • Kann man mit seinem Besitz wirklich tun, was man selber möchte? 
  • Steht das Recht auf Privateigentum wirklich über dem Recht auf Leben?
  • Was hat mehr Priorität: Die Ernährung der Welt oder die Erhaltung von kulturellen Errungenschaften?
  • Ist eine einmalige Spende wirklich mit dem regelmäßigen Problem der Ernährung vergleichbar?
  • Wie steht es um die Struktur unserer Weltwirtschaft, wenn manche wenige Milliarden besitzen und darüber frei entscheiden können, andere so wenig besitzen, dass sie nicht überleben können?

Der Brand von Notre Dame war nicht schön. Schön ist jedoch, dass uns die Diskussion darüber zu Grundsatzfragen führt. Wie sieht es aus mit den Themen Armut, Verteilung und Freiheit?

Armut, Verteilung und Freiheit

Szenenwechsel. Ich liege in der mexikanischen Stadt San José del Pacífico. Seit zwei Nächten kann ich nicht schlafen, weil die Mexikaner zur Feier ihres Schutzheiligen Tag und Nacht Feuerwerke in die Luft schießen. Erst kürzlich habe ich meinen Blogartikel “Gedanken über Armut” geschrieben, in welchem darüber reflektiere, weshalb manche Menschen arm sind, andere nicht, und was Lösungsmöglichkeiten wären.

In diesem Land, in dem die materielle Armut tatsächlich noch so allgegenwärtig ist, scheint mir das Schießen von Feuerwerkskörpern noch absurder. Denn jeder, der einen Feuerwerkskörper abschießt, gibt das Geld schließlich nicht dafür aus, einen Hungernden zu nähren.

Unterschiedliche Prioritäten

Diese Erkenntnis relativiert die Frage nach der Armut und ihrer Ursachen und führt mich zur simplen Lösung: Es gibt Armut auf der Welt, weil uns andere Dinge wichtiger sind. Uns ist es wichtiger, das neueste Telefon zu besitzen, als einen Hungernden zu retten. Uns ist es wichtiger, ein Eis im Sommer zu kaufen, als eine Hungernde zu retten. Uns ist es wichtiger, auf Urlaub zu fahren, als ein verhungerndes Kind zu retten.

Die Kritik, die so viele an den Spenden an Notre Dame anbrachten, kann man gut umdrehen: Wieso hast du ein neues Handy, wieso ißt du ein Eis, wieso fährst du auf Urlaub, wenn noch ein Kind an Hunger stirbt?

Unabhängig von einer System- und Verteilungsfrage kann man die Antwort auf die Frage, weshalb Kinder an Unterernährung sterben, bei sich selber beantworten. Man muss nicht auf Milliardäre, die für Kinder spenden, zeigen. Man muss nur bei sich selber schauen, wofür man sein Geld ausgibt. 

Uns ist der Welthunger einfach nicht wichtig genug, um ihn zu beseitigen. Uns allen nicht. Mir nicht. Dir nicht. Jeder hat seine Prioritäten.

Auch wir nehmen uns die Freiheit heraus, mit unserem Geld Sinnlosigkeiten zu kaufen. Auf der weltweiten Verteilungskurve sitzen wir in Zentraleuropa sowieso ganz oben. Jeder in einem ärmeren Land könnte genau so uns Vorwürfe machen, wie wir es mit den Milliardären tun.

Die individualistische Lösung

Wie lautet nun die individualistische Lösung? Was kann jeder tun, um den Welthunger zu beseitigen?

  1. Selber die eigenen Prioritäten ändern. Dann die eigenen Ausgaben ändern. Von sinnlosem Konsum hin zu Rettung von Verhungernden.
  2. Anderen Menschen helfen, ihre Prioritäten zu ändern. Ihnen diese Problematik aufzeigen. Durch das eigene Verhalten Vorbild sein. 
  3. Den Armen helfen, zu Produktionsmitteln zu kommen, um von Einmalhilfen weg zu kommen.

Strukturelle Änderungen

Gut, all diese individalethischen Fragestellungen ändern natürlich nichts an den Strukturen. Natürlich gibt es auch strukturelle Ursachen von Welthunger wie unfaire Handelsabkommen, Gewalt und Enteignung. Und ein Wirtschaftssystem, das zulässt, dass Menschen verhungern, andere Milliarden besitzen.

In einem idealen Wirtschaftsystem wäre das nicht möglich. In einem idealen Wirtschaftssystem gäbe es zwar individuelle Entscheidungsfreiheit über das persönliche Eigentum. Es würde Leistung belohnt werden. Aber alles nur in einem Rahmen, nämlich im Rahmen dessen, dass andere nicht verhungern. Hier intelligente Lösungen zu finden, die nicht wieder im Totalitarismus enden, ist eine der schwierigsten Frage der Stunde. Kann eine Gemeinwohlökonomie hier Abhilfe schaffen? Oder gar die Schenkökonomie? Oder würde es reichen, Weltbank und Internationalen Währungsfonds zu verändern?

Fazit

All dieses Fragestellungen sind nicht einfach zu beantworten. Oft machen wir uns es zu leicht. Wir sehen die Spendensummen und schon kommt die Anklage. Wir suchen die Fehler bei anderen, anstatt unsere eigene Macht zu erkennen. Wir können sowohl jetzt und heute unsere Ausgabenstruktur verändern. Und wir können unsere freie Zeit nützen, um an Systemalternativen zu basteln. Es liegt, wie so oft, an uns.
Source: Patrick Seabird

Methoden um Probleme zu lösen

Jeder von uns hat Probleme. Manche sind klein, manche sind groß. Manche sind mit anderen Menschen, manche mit uns selber. Ich habe vor einiger Zeit begonnen, Methoden zu sammeln, um die persönlichen Probleme besser lösen zu können. Bei all diesen Methoden versucht man immer, zuerst bei sich selber zu beginnen.

Keine dieser Methoden ist die Lösung für alles. Meine Herangehensweise bei einem Problem ist meist, eine dieser Methoden anzuwenden und einfach zu schauen, was passiert. Hilft sie nicht, so wende ich die nächste an. Bisher hat sich das als hilfreich herausgestellt.

Jede dieser Methoden kann natürlich noch mehr ausformuliert werden, über die meisten gibt es ganze Bücher. Es folgt eine Zusammenfassung der meiner Meinung nach besten Methoden, um seine Probleme zu lösen.
Los geht’s.

Choose again

Diese Methode stammt von der Choose-Again-Society und besteht aus 6 Schritten.

  1. Der erste Schritt beginnt damit, dass man sich eingesteht, dass man ein Problem hat. Ja, ich habe tatsächlich ein Problem. Nein, ich bin nicht im Frieden mit mir.
  2. Der zweite Schritt ist, nicht das Problem im Außen oder bei jemandem anderen zu suchen. Nein, das Problem liegt in mir. Es geht nicht darum, irgend jemanden zu beschuldigen. Kein anderer hat Schuld. Ich habe keine Schuld. Mein Problem ist nicht hier, damit ich Vorwürfe machen kann, sondern es ist eine Chance, etwas zu lernen.
  3. In der dritten Stufe analysiert man die eigenen Gefühle. Was fühlt man tatsächlich? Wie kann man diese Gefühle genau bezeichnen? 
  4. Viertens: Wann habe ich dieses Gefühl zum ersten Mal gefühlt? Gehe zurück in deine Vergangenheit und denke und spüre nach, wann das erste Mal war, dass du das gefühlt hast. Welcher Glaubenssatz hat sich damals aufgebaut? Was glaube ich seitdem?
  5. Man bittet um Vergebung darum, dass man diesen falschen Glaubenssatz annahm. Man muss nicht einen Menschen bitten, oder auch nicht unbedingt ein übermenschliches Wesen. Es reicht, wenn man einen Satz zu sich ausspricht. “Ich bitte um Vergebung darum, dass ich das geglaubt habe. Es ist nicht wahr.”
  6. Und der sechste Schritt: Wähle einen neuen Glaubenssatz. Welcher Glaubenssatz würde eher aus der Liebe kommen? Entscheide dich nun aktiv dafür!

Es ist nach meiner Erfahrung wichtig, sich bei jedem dieser Schritte viel Zeit zu lassen und keinen auszulassen. Hier sieht man die Schritte nochmals beschrieben:

(Falls man sich einlesen will: Hier ist ein affiliate Link zum Buch vom Gründer von Choose-Again, das ich leider noch nicht selber gelesen habe)

 

The Work von Byron Katie

Diese Methode habe ich oft als nicht leicht anzuwenden erlebt, weil sie erstens komplett unseren gewohnten Gedanken widerspricht und zweitens komisch formuliert ist. Aber vielleicht ist auch das der Grund, weshalb sie oft wirkt. Byron Katies The Work besteht aus vier Fragen, die man sich stellt und dann Umkehrungsformulierungen. Damit es wirkt lohnt es sich, die Fragen ernst zu nehmen. Angenommen man ist wütend auf den eigenen Partner, weil er immer zu spät kommt. Dazu wollen wir uns die vier Fragen stellen

Ist es wahr?

Ist es wahr, dass er immer zu spät kommt? Hm. Ja, oder nein? Wichtig ist, dass man wirklich nur mit Ja oder Nein antwortet und nicht in irgendwelche Erklärungen stolpert.

Kannst du dir absolut sicher sein, dass das wahr ist?

Dies scheint die selbe Frage nochmal zu sein. Ist es aber nicht. Die erste Frage bezieht sich auf den Sachverhalt. Die zweite Frage bezieht sich auf deine Beurteilung über den Sachverhalt. Hast du überhaupt die Möglichkeit, etwas über den Sachverhalt absolut wissen zu können?

Wie reagierst du auf diesen Gedanken?

Wie reagierst du darauf, wenn du daran denkst, dass dein Partner immer zu spät kommt? Beschreibe es. Fühle es.

Wer wäre ich ohne diesen Gedanken?

Wer (und nicht wie!) wäre ich ohne den Gedanken, dass ich wütend bin auf meinen Partner, weil er immer zu spät kommt? Die Frageformulierung “Wer?” mag hier komisch erscheinen, aber sie ist, denke ich sehr bewusst so gewählt.

Umkehrungen

Nach den eigenen Antworten macht man Umkehrungen. Man den Satz auf verschiedene Arten um und fühlt, ob sich einer der Sätze wahrer anfühlt. Ich bin wütend auf meinen Partner, weil er nicht immer zu spät kommt. Ich bin wütend auf mich, weil mein Partner immer zu spät kommt. Ich bin froh, weil mein Partner immer zu spät kommt. Mein Partner ist wütend, weil ich immer pünktlich komme. Usw.

Manchmal ändert die Methode nicht unmittelbar etwas, aber man kann darauf vertrauen, dass sie was ändert, auch wenn man es nicht gleich merkt. Wer mehr darüber lesen mag, kann auch ihr Buch hier bestellen (affiliate link!) Ich kann es empfehlen!

 

…and I love that

Kyle Cease ist einer meiner Lieblingslehrer. Hier ist eines der besten Videos von ihm, wie ich finde:

 Er verwendet viele Methoden, aber eine der stärksten, die ich bisher anwendete, ist die im Video erwähnte “…and I love that”-Methode.
Egal, was dich stört, egal, was das Problem ist – denke daran und setze ein “…and I love that” dahinter.
Ich bin wütend auf den eigenen Partner, weil er immer zu spät kommt. Und ich liebe das.
Diese Methode ist sehr simpel und sehr wirksam. Ausprobieren kostet nichts!

Er hat noch mehrere gute Methoden, aber ich möchte mich hier nur auf ein paar meiner Lieblingszitate von Kyle Cease beschränken:

  • There is no such thing as failing.
  • The only place where you should be ist where you are!
  • If your mind comes up with a justification, you don’t want it!
  • I am the apple tree. I can always grow more apples.
  • Every “I can’t” is actually an “I haven’t”.
  • Trying to fix a problem is one of the best ways to keep a problem growing. Pretty much everything knows how to heal itself. Just get out of the way!
  • If you are working for the universe you are never unemployed!
  • What’s trying to emerge out of me?

Die Umkehrung von Patrick Seabird

Diese Methode kam zu mir in der Meditation.

  1. Immer, wenn du mit jemandem Streit hast, unzufrieden bist, auf ihn wütend bist oder einfach nicht im Frieden, oder auch wenn dir jemand gerade eine Leidensgeschichte erzählt, und du möchtest darauf antworten, dann stell dir vor, was du zu ihm sagen würdest. Ich bin wütend auf dich, weil du immer zu spät kommst! Tue das und das, damit dir das nicht mehr passiert!
  2. Dann stelle dich selber vor, wie du das zu dir selber sagst. Begebe dich gedanklich in die Schuhe des anderen.
  3. Sieh, was passiert. Fühle, wie sich das Gesagte anhört. Was ist deine Reaktion auf das, was du eigentlich gerade dem anderen sagen wolltest?
  4. Ist das wirklich sinnvoll zu sagen? Ist das wirklich ein guter Rat? Wenn du deine eigene Reaktion auf deine eigene Aussage fühlst, dann kennst du meist bereits die des anderen im Vorhinein. Und manchmal ist es so, dass das, was du gerade dem anderen sagen wolltest, eigentlich für deine eigenen Ohren bestimmt war und du es dir selber sagen solltest!

Meistens ist nach dieser simplen Methode die Wut weg und das Problem gelöst. Oder du hast gemerkt, dass du die eigenen Probleme auf den anderen projiziert hast und eigentlich selber den Rat benötigt hast, den du gerade geben wolltest.

Fazit

Es gibt noch viele Methoden da draußen. Das Schöne an den oben genannten ist, man kann sie kostenlos selber ausprobieren. Man braucht keinen Psychotherapeuten (auch wenn das manchmal helfen kann), muss kein Seminar besuchen oder irgend welche teuren Geräte kaufen. Bei jedem Problem kann man mal Obiges probieren. Funktioniert es nicht, kann man immer noch andere Wege gehen. Das Risikio ist gering.

Meine Frage an euch: Was für Methoden verwendet ihr, um mit euren Problemen umzugehen? Ich bin gespannt auf Antworten!
Source: Patrick Seabird

Gedanken über Armut

Einer der Gründe, weshalb ich Wirtschaft studierte, war, weil ich das Problem der Armut verstehen wollte. Warum sind manche Menschen arm und andere reich?

Nun sitze ich in einer Pizzeria in San Cristóbal in Mexiko. Um mich herum sitzen an den Tischen mehrere Touristen, manche mexikanisch, sonst hauptsächlich US-Amerikaner. Herein kommt eine gebückte Gestalt, behängt mit mehreren bunten Tüchern. Es ist eine der alten Mexikanerinnen, die umhergehen und versuchen, etwas zu verkaufen. Soll ich ihr etwas abkaufen? Als ich noch versuche, mich an mein Wirtschaftsstudium zu erinnern, um eine sinnvolle Entscheidung treffen zu können steht sie schon vor mir und hält mir ihre Tücher vor die Nase. Ein wenig überrumpelt deute ich auf einen roten Schal. 200 Peso, meint sie, beinahe 10 Euro. Um diesen Preis würde ich mir nicht einmal in Österreich einen Schal zulegen, zumal ich eigentlich keine Schals trage. Ich stimme jedoch zu, mehr aus Mitleid und Unentschlossenheit, als aus irgendeiner rationalen Überlegung heraus. Sie übergibt mir den Schal, ich gebe ihr die 200 Pesos. Sie meint, sie hätte 250 gesagt. (Dies ist eine Szene, die sich in Mexiko noch wiederholen sollte. Entweder ich verstehe die Zahlen oft falsch, oder die Mexikaner irren sich in der Preisangabe und teilen ihren Irrtum erst nach Zuschlag mit. Ich möchte ihnen keine bösen Absichten unterstellen, denn wer würde es schon ausnützen, dass man die Landessprache nicht gut spricht?)
Als ich ihr klar mache, dass ich den Schal dann doch nicht nähme, nimmt sie die 200 Pesos doch, gibt mir den Schal und zieht von dannen.

Wie ist dieser Sachverhalt nun wirtschaftswissenschaftlich zu behandeln?
Die klassische Lehre sagt, dass, wenn ein Handel stattfindet, beide Seiten meinen, besser gestellt zu sein. Sonst hätten sie dem Handel nicht zugestimmt. Sie scheint den Wert von einem 200 Pesos Schein höher zu schätzen als den des Schals, vermutlich auch deshalb, weil ihre Beschaffungskosten nur ein Bruchteil dessen betragen. Und ich? Mir ist es rein materiell ziemlich egal, ob ich die 10 Euro besitze oder den Schal. Wenn mir eines von beiden entwendet würde, so würde es mir vermutlich nicht einmal auffallen. A propos, wo ist der Schal überhaupt? Ah ja, hier:

Bin ich nach diesem Tausch tatsächlich besser gestellt als zuvor, wenn es für mich keinen Unterschied macht? Interessant ist schon, dass diese Handlungstheorie ja davon ausgeht, dass a) Menschen immer wissen, was sie besser stellt und b) sie auch danach handeln. Wenn ein Handel einen immer besser stellt, wieso gibt es dann Privatkonkurse? Die Prämissen a) und b) scheinen mir doch sehr gewagt. Wenn sie jedoch nicht gültig sind, so hinterfragt man einen der Grundsätze der Marktwirtschaft.

Beim Nachhause gehen von der Pizzeria kommen noch weitere Zweifel an diesem Handel auf. Habe ich ihr durch diesen Kauf wirklich geholfen? Da ich den Schal gar nicht benötige, wäre es doch besser gewesen, ihr die Pesos zu geben und den Schal zu überlassen. Dann hatte sie ihn nochmal verkaufen können. Ein Geschenk hätte sie noch besser gestellt. Schenkökonomie scheint effizienter zu sein als Marktwirtschaft.
Oder ich könnte den Schal jetzt einem noch Ärmeren schenken, dem vielleicht sogar die Produktionsmittel für eigene Schals fehlen.
Was jedoch gegen das Schenken spricht: sollten mehrere Menschen nur Geld geben und nichts als Gegenleistung wollen, würde sie vermutlich nur noch betteln. Und etwas verkaufen ist gefühlt besser als betteln. Ökologisch gesehen wäre wiederum betteln besser – die Ressourcen für die Herstellung der Schals könnten geschont werden.

Spontan fällt mir noch eine Möglichkeit ein, die offensichtliche Armut zu lindern. Ich könnte Produktionsmittel schaffen. Sollten die Schals, wie ich mir das in meiner naiven Vorstellung ausmale, per Hand in einem der umliegenden Dörfer hergestellt werden, so könnte eine industrielle Maschine vermutlich den Output steigern und damit die Kosten eines Schals senken. Diejenigen, die davor mit Nähen beschäftigt waren könnten dann sich auch um Vertrieb und Verkauf kümmern, was den Absatz erhöhen könnte. Danke, Betriebswirtschaftsstudium!

Wieder meldet sich die kritische Stimme in mir: und was ist mit den umliegenden Dörfern die keine Maschine besitzen? Sie könnten mit diesen niedrigen Produktionskosten nicht mithalten und wären noch ärmer gestellt. Nun gut, sie müssten halt innovativ sein und andere Produkte herstellen. Die Touristen in San Cristóbal könnten noch billiger Schals kaufen und zusätzlich neue andere Produkte. Fortschritt nach westlicher Art. Ökologisch ebenso bedenklich.

Und vielleicht sind die Armen auch gar nicht unglücklich? Vielleicht gefällt es gar dieser alten Frau, tagaus, tagein, durch die Straßen zu laufen und ihre Ware anzubieten? Ist es wiederum kontinentaleuropäische Selbstüberschätzung, anderen Kulturen beibringen zu wollen, was das gute Leben ist, ohne das selber so richtig zu wissen?!

Mit Erschüttern stellte ich fest, dass mir mein vierjähriges Wirtschaftsstudium bei der praktischen Frage nach Linderung der Armut keinen Deut hilfreich ist. Aber vielleicht war das auch nicht das Ziel des Lehrplans .

Source: Patrick Seabird

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