MMag. Patrick Siebert

Patrick Seabird

Author: Patrick Seabird (page 1 of 16)

Geld und Gier – Teil 2


Keynes

Eine Ursache für die Gier nach Geld könnte auch in der allgemeinen Verwendungsmöglichkeit des Geldes liegen. Der Ökonom John Maynard Keynes baute diesen Gedanken sogar in seine Allgemeine Theorie ein, welche uns bis heute über den Keynesianismus in wirtschaftspolitischen Empfehlungen begleitet. Keynes fragte sich, weshalb Menschen überhaupt Geld nachfragen. Seine Antwort war, dass Geld einmal primär liquide sei. Liquidität bedeutet hier grob gesagt nichts Anderes, als dass Geld allgemein anerkannt ist und man es daher sehr leicht gegen andere Dinge tauschen kann. Ich kann Geld gegen Arbeit tauschen oder gegen Güter und es wird gerne angenommen werden. Keynes kam daraufhin zu drei Motiven für die Geldhortung: Erstens aufgrund von Transaktionsmöglichkeiten. Da Einkommen schwanken können, muss man sich einen gewissen Geldstock bewahren, um seine Ausgaben decken zu können. Zweitens das Vorsichtsmotiv: Für den Fall eines unerwarteten Events braucht man einen Geldpolster. Drittens das spekulative Motiv: Man muss liquide sein, um mögliche finanzielle Chancen ausnützen zu können.
Geld kann diese drei Motive eben sehr gut erfüllen, da es das allgemeine Tauschmittel darstellt. Somit wäre auch ein Erklärungsversuch für die Gier nach Geld in der übermäßigen Ausprägung obiger drei Motive zu suchen. Auch wenn Keynes nicht explizit die Gier ansprach, könnte seine Unterscheidung auch als Erklärungsmuster der Gier nach Geld dienen.

Substanzlosigkeit des Geldes selber

Eine weitere Erklärung könnte in der Beschaffenheit des Geldes liegen. Die Gier nach immer mehr Geld ist substanzlos, genauso, wie das Geld selber substanzlos geworden ist. Es ist nur noch bedrucktes Papier oder überhaupt nur noch Bytes im Computer. Das könnte es anfällig für Gier machen. Denn an Zahlen kann man nicht genug haben. Es gibt (fast) keine Grenze dafür, wie viele Nullen man im Computer noch einem Konto hinzufügen kann.
Gier selber ist sinnlos. Sie ist ein Verlangen nach Mehr, das zu einem Selbstzweck geworden ist. Denn wann ist man nicht gierig? Wenn man etwas anhäuft, um ein Ziel zu erreichen, so endet das Anhäufen mit dem Erreichen des Zieles. Die Gier jedoch kennt keine Grenzen und kennt kein Ende, egal wie viel man erreicht. Wie ein Süchtiger versucht man nur, mehr des Suchtmittels zu bekommen. Da die Gier sich nicht mehr auf die Substanz selber bezieht, kann sie sich auch auf substanzlose Dinge beziehen. Wenn das Geld selber immer digitaler wird, dann erwacht potenziell die Gier danach. Gier und Geld werden eben zum Zweck an sich. Wenn ich gierig nach Geld bin, so versuche ich gerade nicht, Geld zu bekommen, um anschließend etwas mit diesem Geld zu tun. Sondern ich versuche Geld zu bekommen, um Geld zu bekommen. Das Geld wird damit zum Gott, zum Unbegründbaren. Ich muss nicht mehr rechtfertigen, wozu ich mehr Geld haben möchte. Ich muss auch nicht erklären, wieso ich das mache. Wie beim Süchtigen wird bei jedem zusätzlichen Euro meine Sucht nur noch größer. Genau so, wie ich die Sucht nach Nikotin nicht mit einer zusätzlich angezündeten Zigarette bekämpfen kann. Geld eignet sich aufgrund seiner relativen Substanzlosigkeit sehr gut für dieses Suchtverhalten. Wäre ich beispielsweise gierig nach Milch, so hätte ich mehrere Probleme: Erstens wird meine Milch mit der Zeit schlecht. Sie wäre also nicht lagerbar, was dem Streben nach immer Mehr zuwiderliefe. Zweitens wird mir schlecht, wenn ich zu viel Milch trinke. Durch die spezielle Funktion des Geldes als Wertaufbewahrungsmittel kann es nicht schlecht werden. Außerdem kann ich dadurch Geld ansparen. Egal wie viel ich davon habe, körperlich schlecht wird mir nicht unmittelbar davon werden. Geld kennt eben keinen fallenden Grenznutzen, würden die Ökonomen sagen. Wenn das Geld also weg von Gold, hin zu Papier und schließlich nur mehr zu Zahlen im Computer geht, so verliert es immer mehr an Substanziellem und kann damit immer mehr potenzielles Ziel der Gier werden.
Diese Blogreihe versucht der Gier nach Geld auf die Spur zu kommen! Der dritte Teil ist hier zu finden!

Geld und Gier – Teil 1

Einleitung

Ein modernes Sinnbild für die Gier nach Geld ist Disneys Figur Dagobert Duck. Er häuft sein Geld in Form von Münzen in einem riesen Geldspeicher an, dessen einziger Sinn darin zu bestehen scheint, dass Dagobert darin baden kann. Seinen Neffen Donald, der für ihn arbeitet, bezahlt er mit einem Hungerlohn. Ständig ist Dagobert auf der Suche nach neuen Geschäftsideen, um sein Vermögen zu vergrößern. Die ganze Welt ist das Reich, wo er versucht, seinen Reichtum anzureichern. Und obwohl er schon die vermögendste Ente der Welt ist, möchte er immer mehr haben. Eine unstillbare Gier nach mehr Geld scheint dieser Erpel zu erleiden. Doch warum möchte Dagobert immer mehr haben? Diese Frage bleibt in den Comics unbeantwortet. Und das ist auch vielleicht ein erster Hinweis auf den tieferen Sinn der Gier nach Geld. Sie ist Selbstzweck. Man möchte Geld um des Geldes wegen haben und nicht, weil man etwas erreichen möchte. Gier ist das Verlangen nach Mehr, ohne genauem Ziel. Aber versuchen wir einmal, mögliche Ursachen nach der Gier des Geldes zu finden.

Ursachen der Gier nach Geld

Ich habe einen Freund, der vom Vermögen her zu den fünf Prozent der reichsten Österreicher und Österreicherinnen gehört. Einmal habe ich mich mit ihm über Geld unterhalten. Wir stellten uns zunächst folgende Frage: Wie lange würden wir mit unserem Geld auskommen, wenn unsere derzeitige Einkommensquelle plötzlich versiegen würde und wir gleichzeitig unseren derzeitigen Lebensstandard halten möchten? Bei mir war das Ergebnis ungefähr sechs Monate. Das Ergebnis meines Freundes waren 45 Jahre!
Überrascht fragte ich ihn, wieso er immer so hart verhandelte, wenn es um Preisverhandlungen am Markt ging, schließlich mangelte es ihm nicht an Geld.
Seine Antwort war, dass es ihm „um’s Prinzip“ ging.
Kann Gier ein Prinzip sein? Kann man prinzipiell gierig sein? Wenn ja, woher kommen diese Prinzipien und was sind damit eventuelle Ursachen dieser Gier nach Geld?

Aristoteles

Normalerweise ist Geld für uns nicht Selbstzweck. Wir wollen es verdienen, um uns die Miete zu leisten und Essen kaufen zu können. Geld ist also erst Mal ein Mittel, um gewisse Ziele erreichen zu können. Doch irgendwann einmal scheint es einen Punkt zu geben, wo aus dem Mittel ein Selbstzweck werden kann. Ab diesem Punkt versucht man nur noch, Geld selber zu lukrieren. Die speziellen Ziele verschwinden und das Mittel wird zum Zweck. Schon Aristoteles beschrieb dies in der Unterscheidung zwischen Ökonomik und Chrematistik. Während man bei der Ökonomik noch versucht, seinen Bedarf zu decken und seine Bedürfnisse zu befriedigen, geht es bei der Chrematistik nur darum, Geld anzuhäufen. Schon damals sah Aristoteles die Ökonomik als etwas Natürliches und Gutes an und kritisierte die widernatürliche Erwerbskunst der Chrematistik. Aristoteles lieferte damit schon eine erste Beschreibung der Gier nach Geld und ordnete sie in ein philosophisches System ein.

 

Diese Blogreihe versucht der Gier nach Geld auf die Spur zu kommen! Der zweite Teil ist hier zu finden!

Das philosophische Surfcamp startet!

Sei dabei bei den Pionieren!

Beim philosophischen Surfcamp geht es einerseits natürlich darum, Surfen zu lernen und seine Surfskills zu verbessern. Andererseits werden wir jeden Tag genug Zeit haben, um über die wirklich existenziellen Fragen zu philosophieren: Wo kommen wir her, wo gehen wir hin, was ist der Sinn hinter all dem?

Bring deine Fragen und Erkenntnisse mit!

Wann? In der Kalenderwoche 51 (ca. 12.12. – 19.12.15)

Wo? Auf Lanzarote!

Kosten? Da wir das philosophische Surfcamp erst aufbauen, fallen nur die Selbstkosten für
– Flug (ca.350- 400 Euro)
– Unterkunft (sehr günstig auf Lanzarote)
– Mietauto (günstigsten Mietautos Europas)
– Boardleihe oder eigenes Board mitnehmen!
– Verpflegung
an.
– Den Surfkurs gibt Patrick Seabird kostenlos.

Was? Eine Visionsvorstellung des philosophischen Surfcamps gibt es hier: http://patrickseabird.blogspot.co.at/2015/04/das-philosophische-surfcamp.html

Den Flug buchen wir am 26.09.2015 – wenn du dabei sein willst, melde dich!

Bei Fragen bitte Patrick kontaktieren oder hier die Frage stellen!

In den Weihnachtsferien kann man auch noch nachkommen!

Geldsystemkritik-Kritik

Prolog

In einer Folge der zweiten Staffel der TV-Serie Dexter verwirrt der Serienkiller die Polizei, indem er ihnen ein Manifest schickt. Das Schreiben ist kompliziert und voll von literarischen Anspielungen. Die Polizeit grübelt und streitet über das Schriftstück daraufhin lange und verliert viel Zeit, um den Mörder zu schnappen. Sie streiten so lange, bis ein FBI-Agent aufsteht und sagt: “Genau das will er. Er will, dass wir streiten!”

Ähnlich kommt es mir manchmal in der Geldsystem-Diskussion vor.

Die Geldsystemkritik

Wie meine treuen Leser wissen, war ich sehr lange Geldsystemkritiker. Meine beiden Diplomarbeiten ließen meine damaligen Erkenntnisse über das Geld in den volkswirtschaftlichen Diskurs einfließen.
Damals dachte ich, ich hätte alles verstanden. Doch kaum glaubt man, alles zu wissen, kommt in komplizierten Worten eine neue Theorie daher, die alles wieder über den Haufen wirft.

Von der Verschwörungstheorie zum Allgemeingut

Als ich meinen Blog im Jahr 2008 startete, war die Geldschöpfungstheorie der Banken noch Verschwörungstheorie. Erst als der Universitätsprofessor Franz Hörmann in einem Interview im Standard 2010 öffentlich darüber sprach, wurde es langsam akzeptiert. Auch ich habe damals einen Blogpost über ihn verfasst. (Mittlerweile ist Hörmann ein wenig abgedriftet, indem er zum Beispiel Betrugsmodelle wie das Auftriebskraftwerk bewirbt).

Seit damals ist es zum Allgemeingut geworden, dass Banken Geld aus dem Nichts schöpfen können. Dies schien eine der Hauptursachen für Krisen zu sein. Insbesondere die Geldschöpfung mit den damit verbundenen Zinsversprechungen schien ein Problem zu sein.

So weit, so gut.
Doch dann wurden andere Stimmen laut…

Der fehlende Zins ist doch kein Problem

Im Jahr 2012 schrieben einige, dass der fehlende Zins nicht die Ursache für die Probleme ausgehend vom Geldsystem sein könnte. Ich berichtete.

Geld sollte Gold sein

Auf einmal traten neue Vertreter der Österreichischen Schule auf den Plan. Sie bezeichnen sich entweder als Libertäre, Kapitalisten oder auch Voluntaristen.
Sie nutzten die Gunst der Stunde und die moderene Kritik am Giralgeldsystem, um ihre Ideen zu verbreiten.
Im schlechtesten Fall vertreten sie die Meinung, dass nur Gold echtes Geld ist (sehr praktisch, Goldbarren um die Welt zu karren…). Im besseren Fall vertreten sie die Meinung von Hayek, dass es einfach kein Geldmonopol geben sollte und der Markt die beste Geldform findet.

Ein spannender Vertreter ist hier zum Beispiel der Journalist Nikolaus Jilch, der sehr viele Wirtschaftsartikel für die Tageszeitung “Die Presse” schreibt. 
Auch Oliver Janich tat sich hier in einigen Diskussionen hervor. Seine Thesen habe ich alle bereits innerhalb des Systems der Österreichischen Schule widerlegt (Siehe bspw. hier), auch wenn er das nicht wahrhaben will.

Die Österreicher brachten zwar nicht Verwirrung bezüglich der Geldschöpfung, aber sie nutzten den Zeitgeist, um ihre teils sehr extremen Meinungen zum Thema Wirtschaft zu verbreiten.

Die Innes-Fraktion

Und dann kam auf einmal die, wie ich sie nennen möchte, Innes-Fraktion.
Die Innes-Fraktion stimmt prinzipiell dem zu, dass Banken Geld aus dem Nichts schöpfen. Dies sei jedoch nicht schlecht oder unfair. Die Aufregung darüber schreiben sie einem falschen Geldverständnis zu. Für sie ist die Geldsystemkritik meist basierend auf der Idee, Geld wäre etwas wie ein Ding. Die Innes-Fraktion geht jedoch davon aus, dass Geld immer auf Schuld-Guthaben-Beziehungen basiert.

In a nutshell: Schulden entstehen durch Kaufen und Verkaufen. Produktion braucht Zeit. Diese beiden Aspekte bedeuten, dass man Geld braucht, welches immer Schulden auf der einen und Guthaben auf der anderen Seite darstellt. Banken sind die Institutionen, die dies unterstützen. Wenn Geld nicht auf Schulden und Guthaben aufbaut, so sind das sinnlose Zettel, die nicht funktionieren.

Ich nenne sie die Innes-Fraktion, weil diese Theorie sehr früh von Alfred Mitchell Innes vertreten wurde.
Andere Vertreter wäre hier zum Beispiel der Autor Felix Martin in seinem Buch “Geld, die wahre Geschichte” (Siehe auch Wikipedia!). Auf Facebook tut sich hier Joachim Weiß (dürfte ein Pseudonym sein, ist unter mehreren Namen unterwegs) hervor, der sich leider durch seine polemischen Äußerungen in seriösen Diskussionen schnell selbst diskreditiert und zu lange Texte schreibt. Einen Text von ihm findet man z.B. hier.
Weiters zu erwähnen wäre Jörg Buschbeck, der unter http://guthabenbremse.de/ seine an Innes und Stützel angelehnten Theorien verbreitet. Und natürlich Paul C. Martin mit seinem Debitismus.

Die große Verwirrung 

Diese und andere Theorien haben die letzten Jahre wieder spannend gemacht. In den Foren und auf Facebook treffen die modernen Vertreter hitzig diskutierend gegeneinander auf. Es gibt wenige, die auch methodisch etwas beizutragen haben. Auch die Kommunisten (pdf) bringen ihre Theorien auf neue und spannende Weise ein. Fundementalisten trifft man überall.

Zur allgemeinen Erkenntnis hat das alles wenig beigetragen. Manche Dinge wurden aus meiner Sicht gelöst, andere verkompliziert. Die Rätsel des Geldes sind offenbar noch lange nicht gelöst.

Ich für meinen Teil bin mit meiner Kritik sehr vorsichtig geworden. Allzu oft hängt man an Theorien, die sich dann als doch nicht so stichhaltig erweisen. Manchmal macht man gefährliche Vorschläge.

Epilog

Aber um zur Einleitung zurück zu kommen:
Vielleicht will er genau das. Vielleicht will er, dass wir streiten! 

Dann stellt sich jedoch die Frage: Wer ist er?!

A reply to Richard A. Werner

A reply to Richard A. Werner’s “Can banks individually create money out of nothing? – The theories and the empirical evidence”

 

In this blogpost I want to reply to Richard A. Werner’s excellent paper on money creation. Werner takes great effort to give empirical evidence on money creation by individual banks.

He recognizes a big muddlement in the different theories of money creation.

“How can the issue be settled and the ‘muddlement’ cleared up? One reason for this “state of muddlement” is likely to be the methodology dominant in 20th century economics, namely the hypothetico-deductive method. Unproven ‘axioms’ are ‘posed’ and unrealistic assumptions added, to build a theoretical model.”

I would fully support his view. We need different approaches! He provides an interesting approach of finding the truth by testing the outcomes of a bank lending process empirically. In his paper, he describes how he lent out € 200,000.- and carefully watched and analysed the bank’s accounts.
I really must thank Werner for this unique approach.

But, from my point of view, there are a few flaws in his interpretation or at least points, which I’m not very sure about:

Two little flaws

  • One point, which struck me immediately, was the change of cash reserves by € 158,329.86, the cash growing from about € 182,000 to € 340,000 in one day. Why did this happen? Did the cash-transport arrive? Is it normal for a small bank to increase its cash that much in one day?
    • The claims on financial institutions dropped significantly by € 219.000, which interestingly corresponds somehow to the sum lent out. This could be a sign for the bank refinancing itself!

      Werner discusses these points. He simply puts them together:

      “What may have happened is that the bank withdrew legal tender from its account with the cooperative central bank, explaining both the rise in cash and decline in balances with other financial institutions.”

      This is one possibility. The other would be, that the bank significantly raised its cash holdings for some reason and refinanced the loan with the other banks. It is a totally different picture if you don’t take the two interpretations together. Because it would also support the fractional reserve theory.
      Werner himself states: “The evidence is not as easily interpreted as may have been desired […]”. That is true.

      Another bigger flaw

      Another flaw comes from the distinction between money on a bank account (which is basically a claim by the customer) and cash.
      In my opinion it is clear that a bank can create deposits for clients “out of nothing”. Because everyone can do. I could also write on a piece of paper the name Werner and a credit of 200,000.-. It is possible for everyone to just create credit that way (see also Alfred Mitchell Innes’ text about money from 1913!).

      The important question is: what happans to the bank, if you want to use your deposit to actually pay? What happens, if you want to transfer your credit to someone else’s bank account? What happens in the balance-sheet of the bank? Does the bank have to refinance itself? Does it have to use centralbank money for this?

      Werner states that it was possible to use the money credited:

      “An extension of the experiment, to be reported on separately, used the balance the following day for a particular transaction outside the banking institution, transferring the funds to another account of the researcher, held with another bank; this transfer was duly completed, demonstrating that the funds could be used for actual transactions”

      But what happened to the banks balance sheet? If the bank had to refinance itself with centralbank money, the bank actually did not create money out of nothing. If the banks always need money they can not create themselfs as soon someone wants to transfer money from account to account, you can not say that the credit creation theory is right.

      In my opinion this experiment would have been even more important: To see what happens if you want to transfer the amount credited by the bank. This experiment would rather give an answer to the question, which theory is right!

      I hope that my points were clear and appropriate. However I still think that Richard A. Werners work is important and interesting and worth doing!

      It is funny that we live in a world, where you have to make empirical tests to find out how banks work. Why is it not just possible to ask them?!

      Wenn Griechenland noch die Drachme hätte…

      Oft wird ja argumentiert, dass die Krise in Griechenland nicht da wäre, wenn es noch die Drachme hätte. Denn wenn das Land mehr importierte als es exportiert, würde die Währung abwerten und damit die Importe teurer machen und die Exporte billiger. Das Land wäre wieder wettbewerbsfähiger.

      In der Schweiz passiert gerade das Gegenteil. Das Ausland kauft gerne in der Schweiz ein, dadurch exportiert die Schweiz mehr, als sie importiert. Weil man, um Schweizer Produkte kaufen zu können, bspw. Euro verkaufen muss und Schweizer Franken kaufen, sinkt der Wert des Euros in Relation zum Franken. Damit wertet der Schweizer Franken auf und die Schweizer Exporte werden teurer, die Importe billiger. Die Exporteure ächzen. Aber man kann einfach nicht in alle Ewigkeit Guthaben gegenüber dem Ausland anhäufen, sondern muss auch irgendwann einmal wieder einkaufen gehen.
      So weit, so gut.

      Aber dann wird argumentiert, dass auch durch aktive Währungspolitik das Ergebnis erreicht werden kann, dass ein Land wettbewerbsfähiger wird. Nun frage ich mich: Kann eine aktive Währungspolitik zum Abbau eines Handelsdefizits langfristig funktionieren? Und ist diese Vorhergehensweise nicht irgendwie Betrug?

      Warum kann es langfristig nicht funktionieren?

      Ein Preisniveau in einem Land kommt ja nicht von irgendwo her. Es ergibt sich einerseits durch die Produktionskosten, denn diese legen zumindest längerfristig die Mindestverkaufspreise fest. Dann hängt es natürlich von der Konkurrenz im Land ab. Und schließlich natürlich von der Nachfrage. Die Produktionskosten hängen irgendwie auch mit dem Welthandel zusammen, denn die Produktionsmittel und bspw. das Öl müssen meist importiert werden und hängen damit zumindest vom Ölpreis ab.

      Wenn man nun eine Währung absichtlich inflationiert, so erhöht man den Preis der Importe, damit aber die Produktionskosten und schlussendlich einfach das Preisniveau. Die Produkte werden teurer. Damit werden aber auch die Exportgüter wieder teurer und dadurch der Effekt der Inflation wieder ausgeglichen. Daraufhin muss wieder interveniert werden und wieder inflationiert. Daraufhin steigen wieder die Preise und so weiter.

      Das heißt, eine aktive Währungspolitik zur Senkung eines Handelsdefizits funktioniert eventuell kurzfristig und so lange, wie die Preise im Inland nicht steigen. Langfristig verliert die Währung immer mehr an Kaufkraft und geht irgendwann einfach zugrunde, weil keine Nullen mehr auf die Geldscheine passen.

      Warum ist Wettbewerbsfähigkeit durch Inflation Betrug?

      Die Nachfrage im Land hängt von der Kaufkraft der Menschen ab und diese von den Löhnen. Die Löhne sind teilweise durch Verhandlungen, sei es persönlich, sei es kollektiv, ausgemacht. Das heißt, die Arbeitnehmer wollen ein gewisses Gehalt in Relation zu den Preisen. Inflationserwartungen spielen ja bei Kollektivvertragsverhandlungen auch eine Rolle.

      Angenommen, die Importe werden durch die Währungspolitik teurer. Dann würden wie oben erwähnt auch die Produktionskosten, damit die Preise und damit die Lebenserhaltungskosten steigen. Wenn die Gehälter nicht mit steigen, so bezahlt die arbeitende Bevölkerung die Abwertung. Davon geht die Idee der Währungsabwertung aber aus. Das heißt, die Idee der Wettbewerbsfähigkeit durch Abwertung ist genau so, als würde man versuchen, wettbewerbsfähig zu werden, indem man die Löhne senkt. Nur versteckter.

      Die Frage ist, ob das moralisch vertretbar ist, andere zum Kaufen zu bewegen dadurch, dass man mehr Papier druckt und mit der Währung spielt. Wäre es nicht ehrlicher, bessere Produkte herzustellen? Oder effizienter zu arbeiten, damit die Produkte billiger werden?

      Langfristig kann eine dauernde Abwertung nicht funktionieren. Davon abgesehen ist es moralisch auch fragwürdig, wenn man Rechnungen billiger macht, indem man Währungen abwertet. Wäre es nicht fairer intelligenter, schneller und effektiver zu arbeiten?!

      Alfred Mitchell Innes: Was ist Geld? [What is money?]

      Den Text “What is money” von Alfred Mitchell Innes halte ich für äußerst relevant für die Geldtheorie und -Geschichte. Leider ist er online nur auf Englisch zu finden und sehr schwer zu verstehen. Daher habe ich die in meinen Augen relevantesten Stellen auf Deutsch übersetzt!
      Man kann ihn hier als .pdf ansehen oder einfach hier im Blog lesen! Viel Spaß!

      Was ist Geld?

      Von A. Mitchell Innes

      The Banking Law Journal, May 1913. [gekürzte Fassung!]

      […]

      Es ist hier wichtig, die einfache und im wirtschaftlichen oder ökonomischen Sinne einzige wahre Bedeutung des Wortes Guthaben [„credit“ ] zu erklären. Guthaben ist einfach das Gegenstück zu Schuld. Was A B schuldet ist As Schuld gegenüber B und Bs Guthaben gegenüber A. A ist Bs Schuldner und B ist As Gläubiger. Die Worte „Guthaben“ und „Schuld“ drücken legale Verhältnisse zwischen zwei Parteien aus. Sie drücken dieselbe juristische Beziehung, jeweils von zwei gegenüberliegenden Standpunkten gesehen, aus. A wird von diesem Verhältnis als Schuld sprechen, während B es Guthaben nennen wird. Da ich oft Gelegenheit haben werde, diese beiden Worte zu verwenden, ist es notwendig, dass sich der Leser mit diesem Konzept vertraut macht. Es wird dem Bankier oder Finanzexperten als einfach erscheinen. Das Wort Guthaben ist jedoch durch die vielen unterschiedlichen Bedeutungen geeignet, den normalen Leser zu verwirren. Wenn nun in den folgenden Seiten die Worte Guthaben oder Schuld benutzt werden, so wird in beiden Fällen vom exakt selben Ding gesprochen. Ob das eine oder das andere Wort benutzt wird hängt davon ab, ob man die Situation aus Sicht des Gläubigers oder des Schuldners sieht.

      Ein Guthaben erster Klasse ist die wertvollste Art von Vermögen. Es hat keine körperliche Existenz, wiegt nichts und braucht keinen Platz. Es kann leicht transferiert werden, oft ohne jegliche Formalitäten. Es kann nach Belieben durch einfache Weisung von Ort zu Ort bewegt werden, mit nichts weiter als den Kosten wie für einen Brief oder für ein Telegramm. Es kann sofort benützt werden um jedes materielle Bedürfnis zu erfüllen und es kann gegen Zerstörung und Diebstahl mit geringem Aufwand beschützt werden. Es ist die am leichtesten handhabbare Vermögensform und auch eine der beständigsten. Es lebt mit dem Schuldner und teilt sein Los. Wenn er stirbt, geht es über auf die Erben seines Nachlasses. So lange das Vermögen existiert, hält auch das Schuldverhältnis an. Unter günstigen Bedingungen und einer stabilen Wirtschaftslage scheint kein Grund zu bestehen, weshalb es jemals Wertminderung erfahren sollte.

      Guthaben stellt die Kaufkraft dar, welche so oft in ökonomischen Arbeiten als eine der Haupteigenschaften des Geldes dargestellt wird. Wie ich zu zeigen versuchen werde ist Guthaben, und Guthaben alleine, Geld. Guthaben – nicht etwa Gold oder Silber – ist das Vermögen, welches jeder begehrt. Seine Aneignung ist der Zweck und das Ziel von allem Handel.

      Das Wort Guthaben ist im Allgemeinen fachsprachlich definiert als das Recht, die Zahlung einer Schuld zu fordern und einzuklagen. Das ist ohne Zweifel auch die rechtliche Seite eines Guthabens heute. Weil wir es so gewohnt sind, eine Vielzahl von kleinen Käufen mittels Münzen zu tätigen, haben wir die Vorstellung übernommen, unterstützt durch die Gesetze eines gesetzlichen Zahlungsmittels, dass das Recht zur Zahlung bedeutet, in Münzen oder ihrem Äquivalent bezahlt zu werden. Und darüber hinaus wurden wir durch unser modernes Münzsystem verleitet anzunehmen, dass Zahlung durch Münzen auch Zahlung einer gewissen Menge Gold bedeutet.

      Um die Prinzipien der Wirtschaft zu verstehen, müssen wir diese falsche Vorstellung komplett loswerden. Die ursprüngliche Bedeutung des Verbs „zu bezahlen“ ist: „zu beruhigen“, „zu befriedigen“, „jemanden zufriedenstellen“. Während ein Schuldner in der Position sein muss, seinen Gläubiger zu befriedigen, ist es jedoch die wirklich wichtige Eigenschaft eines Guthabens nicht das Recht, welches es ermöglicht, eine Schuld „zu bezahlen“, sondern das Recht, welches es dem Besitzer gibt, sich von seiner Schuld zu befreien. Dies ist ein Recht, welches von allen Gesellschaften anerkannt wird.

      Durch Kaufen werden wir Schuldner und durch Verkaufen werden wir Gläubiger. Dadurch dass wir alle Käufer und Verkäufer sind, sind wir alle Schuldner und Gläubiger. Als Schuldner können wir unseren Gläubiger zwingen, unsere Schuld ihm gegenüber zu streichen, indem wir ihm über denselben Betrag seine Bestätigung einer Schuld, welche er zuvor eingegangen war, überreichen. Zum Beispiel: Weil A von B Güter im Wert von $100 gekauft hat, ist er Bs Schuldner über diesen Betrag. A kann sich von dieser Verbindlichkeit gegenüber B befreien, indem er C Güter des selben Werts verkauft und von diesem ein Schuldbekenntnis von B als Zahlung akzeptiert. Indem er diese Bestätigung B vorlegt, kann A ihn dazu bringen, die Schuld zu streichen. A hat ein Guthaben, welches er sich beschafft hatte, benutzt, um sich von seiner Schuld zu befreien. Das ist sein gutes Recht.

      Das ist das banale Gesetz des Handels. Die regelmäßige Schaffung von Guthaben und Schulden und ihre Tilgung durch gegenseitige Verrechnung stellen den ganzen Mechanismus des Handels dar. Das ist so einfach, dass es niemanden gibt, der es nicht verstehen kann. Guthaben und Schulden haben nichts und hatten niemals etwas mit Gold und Silber zu tun. So weit ich mir bewusst bin gibt es nicht und hat es niemals ein Gesetz gegeben, welches den Schuldner zwingt, seine Schuld in Gold, Silber oder in irgendeinem anderen Rohstoff zu bezahlen. Soweit ich weiß gab auch niemals ein Gesetz, welches den Gläubiger zwang, die Bezahlung einer Schuld in Gold- oder Silberbarren anzunehmen. Die Tatsache, dass während der Kolonialzeiten die Gesetzgebung die Gläubiger zwang, Zahlungen mittels Tabak oder anderer Waren anzunehmen, war ungewöhnlich und der Notlage besonderer Umstände geschuldet. Die Gesetzgebung kann natürlich – und macht das auch – ihre hoheitliche Macht nützen um eine bestimmte Methode vorzuschreiben, wie Schulden bezahlt werden müssen, aber wir müssen vorsichtig sein, die Währungsgesetze, das Münzwesen oder die gesetzlichen Zahlungsmittel, als Veranschaulichungen der Prinzipien des Handels heranzuziehen.

      Der Wert eines Guthabens hängt nicht von der Existenz von Gold, Silber oder irgendeines Vermögens dahinter ab, sondern nur von der „Liquidität“ des Schuldners. Diese hängt nur davon ab ob, wenn die Schuld fällig wird, er wiederum genug Guthaben gegenüber anderen gesammelt hat, um diese gegen seine Schulden aufzurechnen. Wenn der Schuldner weder Guthaben hat, noch welche beschaffen kann, um sie seinen Schulden gegenzurechnen, dann ist der Besitz dieser Schulden von keinem Wert für die Gläubiger, welche sie besitzen. Durch Verkaufen, ich wiederhole, durch Verkaufen alleine – ob durch den Verkauf von Vermögen, von der Benutzung unserer Begabungen oder unseres Grundbesitzes – erwerben wir die Guthaben, durch die wir uns von Schulden befreien können. Es ist die Fähigkeit zu Verkaufen, welche einen vorsichtigen Bankier den Wert eines Klienten als Schuldner abschätzen lässt. Schulden, welche zu einem bestimmten Zeitpunkt fällig werden können nur verrechnet werden, wenn sie mit Guthaben aufgerechnet werden, welche im gleichen Augenblick verfügbar sind. Das heißt, dass der Gläubiger nicht verpflichtet werden kann, eine Schuldvereinbarung zur Zahlung einer Schuld ihm gegenüber anzunehmen, welche er selbst gegeben hat und welche erst später fällig wird. Daher folgt, dass jemand nur liquide ist, wenn er sofort Guthaben zumindest vom selben Wert wie seine Schulden, welche unmittelbar fällig werden und zur Zahlung vorgelegt werden, zur Verfügung hat. Wenn also die Summe seiner unmittelbaren Schulden die Summe seiner unmittelbaren Guthaben übersteigt, wird der effektive Wert dieser Schulden für seine Gläubiger auf einen Wert fallen, der dem Wert seiner Guthaben entspricht. Dies ist eines der wichtigsten Grundsätze des Handels. Ein weiter wichtiger, erinnerungswürdiger Punkt ist, dass, wenn ein Verkäufer die Ware geliefert und die Schuldvereinbarung des Käufers akzeptiert hat, das Geschäft abgeschlossen ist. Die Zahlung des Kaufs ist entgültig. Die neue Verbindung, welche zwischen Verkäufer und Käufer, also Gläubiger und Schuldner, entsteht, ist zu unterscheiden vom Verkauf und Kauf.

      […]

      Die Geldeinheit ist lediglich eine beliebige Denominierung, durch die Waren in Bezug auf Guthaben gemessen werden. Sie dient also als mehr oder weniger exakte Maßeinheit für den Wert der Waren. Pfund, Schilling und Pfennig [„pence“] sind nur die a, b, c der Algebra, wobei a = 20, b = 240c. Was der Ursprung der heute verwendeten Begriffe war, ist bekannt. Es kann schon wirklich so sein, dass sie einst für ein bestimmtes Gewicht oder für irgendeine Ware standen. Wenn es so war würde es jedoch keinen Unterschied diesbezüglich machen, dass sie jetzt nicht mehr dafür stehen und seit unzähligen Generationen keine Waren mehr repräsentieren.

      […]

      Geld ist also Guthaben und nichts als Guthaben. A’s Geld ist B’s Schuld ihm gegenüber und sobald B seine Schuld bezahlt, verschwindet A’s Geld. Das ist die ganze Theorie des Geldes.

      Schulden und Guthaben versuchen ständig in Kontakt zueinander zu kommen, damit sie sich gegenseitig abschreiben können. Es ist das Geschäft des Bankiers, sie zusammen zu führen. Das kann auf zwei Arten passieren: Entweder indem man Wechsel diskontiert, oder indem Kredite vergeben werden. Ersteres ist die etwas altmodische Methode und in Europa besteht der größte Teil des Bankgeschäfts in Diskonten, während in den Vereinigten Staaten Kredite üblicher sind.

      Der Prozess der Diskontierung eines Wechsels läuft wie folgt ab: A verkauft Güter an B, C und D, welche damit die Schuldner von A werden. Sie geben ihm die Bestätigung, dass sie verschuldet sind, was fachlich ausgedrückt Wechsel heißt. Das heißt A erlangt ein Guthaben gegenüber B, C und D. A kauft Güter von E, F und G und übergibt jedem zur Zahlung wiederum seinen Wechsel. Das bedeutet, dass E, F und G nun ein Guthaben gegenüber A erlangen. Wenn B, C und D ihre Güter an E, F und G verkaufen könnten und als Bezahlung die Wechsel von A akzeptierten, könnten sie diese A vorlegen und sich dadurch von ihrer Schuld befreien.

      Solange der Handel nur in einem kleinen Kreis stattfindet, sagen wir in einem Dorf oder in einer kleinen Ansammlung benachbarter Dörfer, können B, C und D wirklich die Wechsel von E, F und G erlangen. Aber sobald der Handel sich ausbreitete, und die verschiedenen Schuldner und Gläubiger weit von einander entfernt lebten und sich nicht mehr kannten, liegt es auf der Hand, dass ohne ein System zentralisierter Schulden und Guthaben der Handelsverkehr nicht weiter laufen würde. Da entstand der Kaufmann oder Bankier, wobei letzterer nur eine spezialisierte Form von ersterem darstellt.

      Der Bankier kauft von A die Wechsel, welche dieser gegenüber B, C und D hält. A wird nun der Gläubiger des Bankiers und letzterer wird der Gläubiger von B, C und D. As Kredit an den Bankier wird Einlage genannt und ihn selber nennt man Sparer oder Einzahler. E, F und G verkaufen auch ihre Wechsel, welche auf A bezogen sind, an den Bankier. Sobald diese fällig werden belastet der Bankier A mit dem Betrag und streicht somit dessen früheres Guthaben. As Schulden und Guthaben wurden verrechnet. Sein Name fällt heraus, wodurch B, C und D als Schuldner der Bank und E, F und G als dazugehörige Gläubiger verbleiben. Zwischenzeitlich haben B, C und D Geschäfte getätigt. Zur Bezahlung der durchgeführten Verkäufe erhalten sie Wechsel von H, I und K. Wenn ihre ursprünglichen Wechsel, welche der Bankier hält, fällig werden, verkaufen sie ihm die Wechsel von H, I und K, welche die Schulden ausgleichen. Somit sind ihre Schulden und Guthaben verrechnet und ihre Namen fallen weg, wodurch H, I und K als Schuldner und E, F und G als Gläubiger übrig bleiben und so weiter. Der moderne Wechsel ist der direkte Abkömmling des mittelalterlichen Kerbholzes und der noch älteren babylonischen Tontafel.

      Jetzt sehen wir uns an, wie das gleiche Ergebnis mittels Kreditvergabe erreicht werden kann, anstatt den Wechsel des Käufers der Bank zu verkaufen. In diesem Fall geht die Tätigkeit der Bank dem Kauf und Verkauf voraus und folgt nicht nach. B, C und D machen vor Kauf der Güter eine Abmachung mit dem Bankier, in welcher dieser die Schuldnerposition gegenüber A im ihren Namen übernimmt. Gleichzeitig stimmen sie zu, die Schuldner des Bankiers zu werden. Nach dieser Abmachung kaufen B, C und D von A. Anstatt ihm ihre Wechsel zu geben, welche er wiederum der Bank verkauft, geben sie ihm einen Wechsel direkt bezogen auf den Bankier. Diese Wechsel werden Schecks oder Tratte genannt. Offensichtlich ist die Situation die gleiche, egal welches Verfahren gewählt wird und die Schulden und Guthaben werden auf die selbe Art verrechnet. Es gibt nur kleine Unterschiede in den Details der Abläufe, das ist alles.

      Es gibt also einen konstanten Umlauf von Schulden und Guthaben durch den Bankier, welcher sie zusammen bringt und sie verrechnet, wenn die Schulden fällig werden. Das ist die ganze Wissenschaft des Bankwesens. Das ist, wie es dreitausend Jahre vor Christus ablief und so wie es heute abläuft. Unter ökonomischen Autoren tritt häufig der Fehler auf anzunehmen, dass eine Bank ursprünglich ein Ort sicherer Aufbewahrung für Gold und Silber war, welches der Eigentümer bei Bedarf wieder entnehmen konnte. Diese Idee ist vollkommen fehlerhaft, was anhand des Studiums historischer Banken gezeigt werden kann.

      Egal welche wirtschaftlichen oder finanziellen Transaktionen wir untersuchen, sei es der Kauf von Gemüse im Wert eines Pfennigs auf dem Markt oder die Aufnahme eines Milliarden-Dollar-Kredits durch eine Regierung, wir finden in allem die selben Prinzipien. Entweder ist ein altes Guthaben transferiert oder neue werden geschaffen. Ein Staat, ein Bankier oder ein Bauer sind erfolgreich oder bankrott je nachdem, ob der Grundsatz, dass fällige Schulden durch zur selben Zeit verfügbare Guthaben ausgeglichen werden müssen, eingehalten wird.

      Das Ziel eines jeden guten Bankiers ist nach jedem Arbeitstag vorzusehen, dass seine Schulden gegenüber anderen Bankiers nicht seine Guthaben gegenüber diesen übersteigen. Zusätzlich muss er den Betrag von „gesetzlichem Geld“ oder Guthaben gegenüber der Regierung in seinem Besitz erfassen. Diese Anforderung limitiert die Summe Geld, die er „verleihen“ kann. Er kennt durch Erfahrung recht genau die Anzahl an Schecks, welche er zur Zahlung anderen Bankiers vorlegen wird und genauso die Anzahl derjenigen, die ihm vorgelegt werden müssen. Er wird es verweigern, Schecks zu kaufen oder Geld auszuleihen – das heißt er wird es ablehnen, momentane Verbindlichkeiten gegen zukünftige Zahlungen zu übernehmen – wenn er dadurch riskiert, mehr Schulden an einem bestimmten Tag gegenüber ihm anzuhäufen, als er Guthaben an diesem Tag hat, um diese gegenzurechnen. Es muss daran erinnert werden, dass ein Guthaben, welches zu einem zukünftigen Zeitpunkt erst fällig zur Zahlung ist, nicht verrechnet werden kann mit einer Verbindlichkeit, welche einem anderen Bankier sofort geschuldet wird.

      […]

      In künftigen Epochen wird man über die Vorfahren im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert lachen, welche ernsthaft Gold kauften, um es in Verliesen einzusperren im Glauben, dass sie dadurch einem hohen ökonomischen Gesetz folgen und damit den Reichtum und den Wohlstand der Welt erhöhen.

      […] 
      [Gekürzt und übersetzt von MMag. Patrick Siebert, www.patricksiebert.at, Originaltext: https://www.community-exchange.org/docs/what%20is%20money.htmaufgerufen am 20.04.2015 um 19:48 Uhr.]

      Workshop: Die Schuld des Geldes?

      Im Rahmen des Netzwerk Plurale Ökonomik findet von 19.06.2015 bis 20.06.2015 eine Tagung in Bayreuth zum Thema “Verteilung im Blick der Wirtschaftswissenschaften” statt.

      Ich darf herzlich zu meinem Workshop mit dem Titel “Die Schuld des Geldes?” einladen, welcher am Freitag, 19.06.2015 um 16 Uhr stattfinden wird!

      Programm und Beschreibung der Tagung kann man hier finden!

      Folgende Texte werde ich bei dieser Tagung (auszugsweise) behandeln:

      Wir sehen uns!

      Wie man Arbeitslosigkeit bekämpft

      Wie bekämpft man Arbeitslosigkeit?

      Indem man Arbeit findet.

      Was ist Arbeit?

      Eine Tätigkeit, die man für andere macht und wofür diese bereit sind, zu zahlen.

      Man müsste also den Leuten beibringen, ihre Langeweile durch das Aufsuchen von Tätigkeiten für andere zu lindern!

      Aufgabe: Wenn dir fad ist, dann versuche, eine Tätigkeit zu finden, die anderen etwas bringt!

      Das heißt, das Bekämpfen von Arbeitslosigkeit ist ein kreativer Prozess!
      Man muss sich die Menschen und ihre Wünsche, Bedürfnisse, Träume und Ängste ansehen und ihnen Hilfe anbieten!

      Das philosophische Surfcamp

      Ich habe eine Vision. Ich würde gerne ein philosophisches Surfcamp aufmachen.

      Wie kam ich zu dieser Vision? Ich fühlte mich nicht zufrieden in meinem derzeitigen Job. Es war wirklich ein Job, das heißt, dass ich die Tätigkeit nur machte, weil ich Geld dafür bekam. Eigentlich hätte ich zufrieden sein sollen. Wenig Arbeit, viel Freizeit, ein Auskommen. Aber irgendwie passte es nicht mehr. Ich wollte etwas anderes machen, etwas, das mich erfüllt. Aber was? 

      Ich startete ein Berufungsseminar. In diesem gingen wir in unsere Vergangenheit. An Hand von konkreten Lebenserfahrungen wollten wir herausfinden, was unsere Stärken sind und wo wir bisher viel Energie aufgewendet hatten. Bei diesem Berufstest kam heraus, dass ich ein philosophisches Surfcamp starten sollte.

      Diese Idee hat mich bisher nicht mehr los gelassen. Ich sehe mich am Meer. Leute besuchen mich. Ich gehe mit ihnen surfen. Ich philosophiere mit ihnen am Feuer. Ich habe ein Grundstück, auf dem Permakultur-Gärten angelegt werden. Ich fühle den Spirit von Tacomepai wehen.

      Wie und ob ich diese Vision erreichen werde, steht in den Sternen. Die ersten Schritte dahin sind jedoch schon getan. Vertrauen!

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